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Rede von Außenminister Steinmeier zu 850 Jahren Dom zu Brandenburg, Brandenburg an der Havel

03.05.2015 - Rede

--- Es gilt das gesprochene Wort ---

Sehr geehrter Professor Huber,

lieber Dietmar Woidke,

liebe Frau Oberbürgermeisterin Tiemann,

liebe Mitglieder des Jubiläumskuratoriums,

liebe Gäste, verehrte Damen und Herren

„Beständig Neu“.

Das ist unser Motto für dieses festliche Jubiläumsjahr des Brandenburger Domes!

Beständigkeit und Mut zur Erneuerung –

Das beschreibt zum einen die sorgfältige Renovierung dieser imposanten Kirche. Betonstelzen im Fundament sorgen nun für dauerhafte Stabilität des Doms, der einst auf dem Schutt ehemaliger Wallanlagen erbaut wurde.

In neuem Licht erstrahlt auch der Innenraum des Gotteshauses. Offen und hell lädt der Dom Menschen ein, anzukommen, Andacht zu halten, nachzudenken, und zu beten.

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Beständig Neu.

Das steht aber auch für die wechselvolle Geschichte des Bistums, des Domes und des Domstifts durch den Lauf der Jahrhunderte.

Eine Beziehung hat die Geschichte der Dominsel dabei ganz besonders geprägt:

das wechselvolle Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Sie werden es mir nachsehen, wenn gerade dieses Verhältnis mein Interesse weckt: Denn vor Ihnen steht ein Repräsentant des Staates, und zugleich ein Christ, der sich in besonderer Weise diesem Gotteshaus verbunden fühlt.

Der Dom stand von Anfang an der Schnittstelle von Staat und Kirche.

Das Interesse des Staats an der Kirche, an der Weitergabe des Glaubens war maßgeblich für die Entwicklung des Domes. Aber zugleich nutzten die politischen Machthaber den Dom auch immer wieder für ihre eigenen, ganz weltlichen Zwecke.

Die schöne Jubiläumsausstellung, die wir gleich gemeinsam besichtigen dürfen, gibt reichlich Zeugnis davon.

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Da sehen Sie zum Beispiel die Gründungsurkunde des Bistums Brandenburg – Über tausend Jahre ist sie alt!

Otto der Große gründete das Bistum im Jahr 948. Und wir können davon ausgehen, dass dies nicht nur seinem Wunsch geschuldet war, den christlichen Glauben zu verbreiten. Sondern die Gründung diente ebenso der Machtsicherung der neuen Gebiete östlich der Elbe. Otto war es auch, der für die materiellen Grundlagen des Bistums sorgte, wozu - ganz und gar weltlich - der Kirchen-Zehnte gehörte. Die Gründungsurkunde, die Sie gleich sehen, führt eine genaue Liste auf, was als Zehnt gezahlt werden sollte. Und was denken Sie, was dort ganz obenan steht? Met und Bier!

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Ein weiterer wichtiger Abschnitt in der Domgeschichte ist die Gründung der Ritterakademie vor rund 300 Jahren.

Hier sollten die Söhne der Adligen auf ihre Aufgaben im Staate vorbereitet werden.

Ritter gibt es hier in Brandenburg heute freilich keine nicht mehr – höchstens Spielzeug-Ritter im Kindergarten direkt neben dem Dom... Auch eine evangelische Grundschule befindet sich hier und das Domgymnasium. Und so ist die Dominsel bis heute ein Ort des Lernens und der Bildung geblieben!

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Ein ganz neues Antlitz erhielt der Dom dann im Zuge der Generalsanierung durch Karl Friedrich Schinkel. Der preußische König höchstselbst, Friedrich Wilhelm III., war es, der sich damals für die Wiederherstellung des maroden Doms engagierte. So inszenierten die Hohenzollern ihre junge Herrschaft auch in diesem Gemäuer. Davon zeugt zum Beispiel der kostbare Altarschmuck, den Sie in der Ausstellung sehen: ein Altarbehang aus der Hofstickerei, dazu ein Kruzifix und ein Leuchter nach dem Entwurf Schinkels.

Alles gestiftet im Jahr 1836 vom König persönlich!

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Nur wenige Jahre später zog die Politik dann direkt in den Dom ein, wenn auch nur für kurze Zeit – und unter großem Protest!

1848 war das; Berlin heimgesucht von revolutionären Wirren, verlegte Friedrich Wilhelm IV. kurzerhand die preußische Nationalversammlung von Berlin hierher in den Dom! Das Gotteshaus wurde zum Plenarsaal!

Die Abgeordneten aber wollten nicht auf Befehl von oben an die Havel umziehen!

Und so finden Sie in unserer Ausstellung ein Flugblatt aus jener Zeit, auf dem steht:

„Ministerken, Juchhedewich!

Nach Brandenburg, da jehn wir nich!„

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Ja, meine Damen und Herren, viele Turbulenzen haben diese alten Backsteinmauern gesehen!

Die politischen Machthaber kamen und gingen. Der Dom jedoch: er steht noch immer!

Und durch alle politischen Wirren hindurch blieb er vor allem anderen immer eins: ein Ort des Gebets und des Gottesdienstes. Dieser Dom ist und bleibt die Mutterkirche der Mark!

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Und das ist es auch, was für mich persönlich zählt, wenn ich diesen wunderschönen Dom betrete. Denn als ich zu Beginn meiner Rede sagte, dass ich als Politiker und als evangelischer Christ vor Ihnen stehe, dann reden wir nicht nur über das Verbindende beider Welten, sondern auch über das, was sie unterscheidet. Für mich ist klar:

Als Politiker bin ich in diesem Gotteshaus zu Gast. Als Christ aber bin ich hier Zuhause!

Und dennoch:

Glaube prägt, wer wir sind; Glaube prägt, was wir tun. Ich vermute, das erleben viele von Ihnen so – jeder auf ganz persönliche Weise. Religion prägt somit auch die Gesellschaft; die Art und Weise, wie wir zusammenleben. „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“, hat Dietrich Bonhoeffer einmal gesagt. „Sie muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend.“

Ich finde: Das ist der Geist, der auch weiterhin über diese Dominsel weht!

Dieser Geist soll auch unser Jubiläumsjahr durchziehen: mit einer Vielzahl und großen Bandbreite von Veranstaltungen und kulturellen Ereignissen, die in und um den Dom herum stattfinden, und an denen viele Personen und Institutionen von nah und fern mitwirken werden. All das zeigt: Diese Kirche mag zwar steinalt sein – aber sie ist lebendig! Sie ist ein aktiver Teil des gesellschaftlichen Lebens in Brandenburg, auch heute in unserer Zeit.

Diese Lebendigkeit – sie ist eben: beständig neu! Sie wollen wir gemeinsam feiern im vor uns liegenden Jubiläumsjahr.

Ich freue mich darauf! Vielen Dank.

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