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Grußwort von Staatssekretär Stephan Steinlein zur Eröffnung der Ausstellung "Der Weg zur deutschen Einheit"

28.01.2015 - Rede

Lieber Markus Meckel,
sehr geehrter Dr. Mählert,
sehr geehrte Abgeordnete,
Exzellenzen,
liebe Schülerinnen und Schüler,
verehrte Gäste,

zunächst möchte ich Ihnen die herzlichen Grüße von Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier übermitteln. Der Minister bedauert es sehr, heute nicht wie ursprünglich geplant bei Ihnen sein zu können. Er hat mich gebeten, die Ausstellung „Der Weg zur deutschen Einheit“ gemeinsam mit Ihnen zu eröffnen, was ich sehr gerne tue.

Was Sie soeben gehört haben, war eine Premiere, die den heutigen Anlass kulturell unterstreicht: Musiker aus Frankreich, Großbritannien, Russland, den USA sowie Ost- und Westdeutschland spielen gemeinsam, um die Überwindung der Spaltung Europas vor 25 Jahren zu würdigen. Herzlichen Dank an die „2+4“!

Vor einem Vierteljahrhundert ist die deutsche Einheit Wirklichkeit geworden - eine Sternstunde in der deutschen Geschichte und ein Meilenstein auf dem Weg in ein geeintes Europa.

Möglich wurde das durch die mutigen Menschen in Osteuropa und in der ehemaligen DDR, die für ihren Traum von einem freien und demokratischen Europa auf die Straße gingen und das morsche Gebäude der Diktatur zum Einsturz brachten.

Bürgerinnen und Bürger rissen die Berliner Mauer ein und bahnten damit auch den Weg zur deutschen Einheit, Außenpolitiker und Diplomaten nahmen dann den Staffelstab auf. Am 12. September 1990 gelang mit dem Abschluss des „Vertrags über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“ - dem sog. Zwei-Plus-Vier-Vertrag - der entscheidende Durchbruch für die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Aus Siegern und Besiegten des Zweiten Weltkriegs und aus Gegnern im Kalten Krieg wurden Partner und Freunde.

Der Zwei-Plus-Vier-Vertrag ist bis heute ein Meisterstück der Diplomatie. Er war das Ergebnis eines mehrmonatigen, hoch komplexen Verhandlungsmarathons mit zahlreichen Treffen der Staats- und Regierungschefs und Außenminister der Zwei-plus-Vier in Bonn, Ost-Berlin, Paris und Moskau.

Ich hatte das Glück, im Juli 1990 als frisch ernannter Botschafter der ersten frei gewählten DDR-Regierung in Paris den Zwei-Plus-Vier-Prozess miterleben zu dürfen.

Maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt war mein damaliger Chef, der Mann, der neben mir steht: Markus Meckel, nach der Wende letzter Außenminister der DDR. Lieber Markus, ich freue mich sehr, dass wir 25 Jahre später im Auswärtigen Amt gemeinsam diese Ausstellung eröffnen können!

Die Zustimmung der Siegermächte des 2. Weltkrieges und nicht zuletzt Polens zur deutschen Einheit wurde möglich, weil alle diese Staaten zu dem Schluss kamen, dass ein wiedervereinigtes Deutschland in ihrem Interesse lag. Wir sind glücklich und dankbar, dass wir die Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands mit der Zustimmung aller unserer Nachbarn und Partner erlangen konnten.

Der Zwei-Plus-Vier-Vertrag öffnete den Weg für die Einheit Deutschlands, vor allem aber für die Einheit Europas. Er wurde abgeschlossen mit dem Ziel des Aufbaus „einer gerechten und dauerhaften Friedensordnung in Europa“, in der Überzeugung, „Gegensätze endgültig zu überwinden und die Zusammenarbeit in Europa fortzuentwickeln“.

Entscheidend war dabei weniger der Blick zurück als vielmehr der Blick nach vorn: Die Vision einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Diese Vision wurde zu einer geschichtsverändernden Kraft, die ihren vorläufigen Höhepunkt 2004 in der EU-Osterweiterung fand.

Mit dem Abschluss des Zwei-Plus-Vier-Vertrags konnte Deutschland seinen Platz im vereinten Europa einnehmen – als das europäische Deutschland, so wie es Thomas Mann einst in seiner „Rede an die deutsche Jugend“ gefordert hatte.

Ein „Ende der Geschichte“ mit dem scheinbar unaufhaltsamen Siegeszug der liberalen Demokratien, so wie von Francis Fukuyama beschrieben und von vielen erhofft, wurde jedoch nicht erreicht – im Gegenteil.

25 Jahre nach dem Ende der deutschen und europäischen Teilung droht durch die Ukraine-Krise die Gefahr einer erneuten Spaltung Europas. Die Frage von Krieg und Frieden ist mit Wucht auf den europäischen Kontinent zurückgekehrt – wer hätte sich das noch vor einem Jahr vorstellen wollen?

Umso wichtiger ist es, dass wir uns entschieden gegen die überlebte Logik von Kräftegleichgewichten und Einflusssphären stemmen und auf das setzen, was vor 25 Jahren den Durchbruch bei den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen ermöglicht hat: Die Bereitschaft zur gegenseitigen Verständigung und den Willen zum friedlichen Ausgleich.

Mit der Ausstellung „Der Weg zur deutschen Einheit“, die das Auswärtige Amt gemeinsam mit der Bundesstiftung für die Aufarbeitung des SED-Unrechts konzipiert hat, blicken wir auf die Sternstunde der Wiedervereinigung vor 25 Jahren und die wesentlichen, insbesondere außenpolitischen, Weichenstellungen zurück.

Ich danke Markus Meckel und vor allem dem Kurator der Ausstellung, Dr. Ulrich Mählert, ganz herzlich für die hervorragende Zusammenarbeit. Und ich wünsche Ihnen allen interessante Rück- und Einblicke in die Zeitenwende von 1989 / 1990.

Lieber Markus Meckel, Sie haben das Wort.

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