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"Die Zeit des Redens ist vorbei"

22.10.2014 - Interview


Im Interview mit bild.de sprach der Sonderbeauftragte der Bundesregierung im Kampf gegen die Ebola-Epidemie, Walter Lindner, über das deutsche Engagement zur Bekämpfung des Virus und seine persönlichen Eindrücke aus den Reisen in die betroffene Region. Erschienen am 20.10.2014.

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Haben wir den Kampf gegen Ebola schon verloren?

Nein. Die internationale Gemeinschaft hat spät reagiert. Aber jetzt sind wir gemeinsam dabei, die Hilfe effizient aufzustellen. Vor Ort habe ich mich überzeugen können, dass schon viele Helfer in der Krisen-Region sind. Ihre Leistung ist bewundernswert. Unsere Aufgabe ist es jetzt, diese Arbeit besser zu koordinieren. Und zwar schnell. Die Zeit des Redens ist vorbei. Jetzt müssen wir handeln.

Wie haben Sie die Krise persönlich erlebt?

Als sehr belastend. Man muss jeden Tag Fieber messen, weiß nie, ob man sich angesteckt hat. Dazu kommt das Gefühl, eingesperrt zu sein. Es gibt nur wenige Fluggesellschaften, die die Krisenländer in Westafrika anfliegen. An allen Ecken ist zu spüren, wie den Krisen-Ländern die Situation entgleitet – und sie deshalb unsere Hilfe brauchen. Den Gesundheitssystemen droht der Zusammenbruch, die Ernten werden nicht eingefahren, die Nahrungsmittelpreise steigen, die Sicherheit steht auf der Kippe. Wir müssen aufpassen, dass diese Länder nicht im Chaos versinken.

Nur ein Viertel der Krankenbetten, die von der internationalen Gemeinschaft versprochen wurden, sind in den Ebola-Gebieten angekommen. Wann kommt die Hilfe richtig in Gang?

Das braucht Anlaufzeit. Diese Lieferungen sind mit erheblichem logistischem Aufwand verbunden. Und wir müssen diese Lieferungen so abstimmen, dass sie dort ankommen, wo sie auch gebraucht werden. Wenn alle am selben Ort helfen, fehlt die Hilfe woanders. Es gibt drei Länder, die massiv von Ebola betroffen sind. Alle drei brauchen unsere Unterstützung.

Es gibt Forderungen, die Flüge aus den Ebola-Gebieten einzustellen, um eine Ausbreitung der Epidemie etwa nach Europa zu verhindern. Ist das der richtige Weg?

Wir dürfen die betroffenen Länder nicht isolieren. Es ist wichtig, die Flugverbindungen in die Krisen-Region aufrecht zu erhalten. Sonst können die Helfer nicht einreisen, und die Menschen in den Krisen-Gebieten fühlen sich zu recht allein gelassen.

Wann ist der Ebola-Flieger der Bundesregierung einsatzbereit?

Wir hoffen, in wenigen Wochen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Aber bereits jetzt haben wir die Möglichkeit, Infizierte im Anfangsstadium der Krankheit auszufliegen. Dafür hat die Bundeswehr gesorgt. Für Schwerkranke haben wir dagegen bislang keine eigene Transportmöglichkeit. Diese Lücke wollen wir durch den neuen Flieger schließen.

Wann können die deutschen Freiwilligen ins Krisengebiet?

Sobald die mobilen Krankenstationen in den Ebola-Gebieten errichtet sind. Heute werden wieder Freiwillige in Hamburg und in Würzburg auf ihren Einsatz vorbereitet. Wir prüfen, ob wir diese Ausbildung auch den Helfern aus anderen europäischen Ländern anbieten können.

Die Fragen stellte Hanno Kautz. Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Axel-Springer-Verlags

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