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Grußwort von Staatsministerin Maria Böhmer zur Eröffnung des Jahrs der russischen Sprache in Deutschland

06.06.2014 - Rede

-- es gilt das gesprochene Wort --

Herr Kollege Kaganow,
Herr Schwydkoj,
Herr Kossatschow,
lieber Herr Parzinger,
Exzellenzen,
meine Damen und Herren,

Russland feiert heute, am 6. Juni, mit der Geburt von Alexander Puschkin zugleich die Geburt der modernen russischen Literatur, den Beginn des „Goldenen Zeitalters“. Der große Dichter Puschkin hat mit seinen Werken zu Beginn des 19. Jahrhunderts die russische Sprache geformt und bereichert.

Ich freue mich, heute an der Eröffnung des Jahrs der russischen Sprache und Literatur in Deutschland teilzunehmen. Ein Jahr lang werden Wettbewerbe, Theateraufführungen und Konferenzen für die russische Sprache und Literatur in unserem Land werben - auf unterhaltsame und lehrreiche Weise.

Ich hoffe sehr, dass so in Zukunft mehr junge Menschen in unseren Schulen und Hochschulen neugierig auf die russische Kultur werden – und dass sie Russisch lernen. Denn damit öffnen sich die Türen zu den Menschen, der Kultur, der Wissenschaft und der Wirtschaft Russlands.

Wilhelm von Humboldt, der große Bildungsreformer, hat bereits vor mehr als 200 Jahren geschrieben:

„Für den, der eine Fremdsprache erlernt, sind die neuen Wörter gleichsam Fenster in eine andere Welt, und befördern die Lust, sich auf eine andere Welt einzulassen.“

Diesen Gedanken gilt es gerade in der derzeitigen schwierigen politischen Situation zu beherzigen.

Die Menschen in Deutschland und in Russland sollten nicht nur übereinander sprechen sondern mehr miteinander.

Denn wir stecken in Europa in der schwersten Krise seit dem Ende des Kalten Krieges.

Diese Krise kann nur im Miteinander gelöst werden. Jeder muss seinen Beitrag dazu leisten.

Dies umso mehr, als die Menschen in der Ukraine bei den Präsidentschaftswahlen ein deutliches Votum abgegeben haben. Sie haben mehrheitlich gegen Gewalt und Chaos und für eine Zukunftsperspektive für sich und für eine geeinte Ukraine gestimmt.

Eine Ukraine, deren territoriale Integrität von allen geachtet wird.

Die Bundeskanzlerin ist heute, bei der Gedenkveranstaltung in der Normandie, mit Präsident Putin zusammengetroffen. Das ist wichtig, denn im unmittelbaren, vertraulichen Gespräch können bestehende Probleme und Erwartungen offen angesprochen werden.

Vor einem Jahr sind das Deutschlandjahr in Russland und das Russlandjahr in Deutschland mit großem Erfolg zu Ende gegangen.

Wir wollen an den Erfolg des Doppel-Jahres jetzt anknüpfen – mit einem Doppel-Jahr der beiden Sprachen!

Lieber Herr Schwydkoj, Sie haben mich bei unserem ersten Gespräch mit Ihrem Enthusiasmus gleich für die Idee eines doppelten Sprachen-Jahres begeistert!

Heute begeben wir uns gemeinsam auf diesen Sprachen-Weg.

Und nach der Sommerpause werden wir das Jahr der deutschen Sprache und Literatur in Russland eröffnen. Wir können dabei auf ein starkes deutsch-russischen Netzwerk zurückgreifen: In kaum einem anderen Land gibt es so viele Menschen mit deutschen Sprachkenntnissen wie in Russland.

Aber zunächst soll es jetzt darum gehen, für die Verbreitung der russischen Sprache und Literatur hier in Deutschland zu werben.

Als bester Förderer des Russisch-Unterrichts, als großer Ermutiger für jeden Schüler und jede Schülerin der russischen Sprache kann der große Dichter Puschkin selbst gelten. Er hat in seiner so typischen poetischen Art geschrieben:

„So wie ich rote Lippen ohne Lächeln nicht mag, so mag ich die russische Sprache nicht ohne grammatikalische Fehler!“

Wenn das kein Mut-Macher ist, sich in das Studium dieser – nicht ganz leichten – Sprache zu stürzen!

Und nun wünsche ich Ihnen einen schönen deutsch-russischen Abend. Vor allem aber: Viel Erfolg für das deutsch-russische Sprachenjahr!

Vielen Dank und: Spassiba!

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