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"Ein großer Schritt"

Interview

Außenminister Guido Westerwelle würdigt die in Genf erzielte Vereinbarung zum iranischen Nuklearprogramm. Man sei dem Ziel, eine atomare Bewaffung des Iran zu verhindern, einen großen Schritt nähergekommen. Erschienen im General-Anzeiger Bonn (25.11.).

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Ist die Kompromissbereitschaft Teherans glaubwürdig?

Wir haben nach fast zehn Jahren schwieriger und ergebnisloser Verhandlungen jetzt erstmals substanzielle erste Schritte vereinbart. Präsident Rohani und die neue iranische Führung haben in den Verhandlungen das getan, was sie zuvor, besonders auch bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen im September, angekündigt hatten, nämlich erhebliche Zugeständnisse zu machen und ernsthaft auf eine Lösung hinzuarbeiten. Wir sind unserem Ziel, eine atomare Bewaffnung des Iran zu verhindern, einen großen Schritt näher gekommen.

Ist Israels schroffe Ablehnung des Projektes übertrieben?

Wir werden jetzt ebenso wie unsere Partner in den E3+3 mit Israel sprechen, um die getroffenen Vereinbarungen und unsere Position zu erläutern. Das mit Israel gemeinsame Ziel, eine Atombombe in den Händen des Iran zu verhindern, lassen wir nicht aus den Augen. Schon die nächsten Monate werden zeigen, ob Iran sich überprüfbar an die Vereinbarungen hält. Und auch die Verhandlungen mit Iran gehen ja jetzt weiter. Die Vereinbarung von Samstag Nacht ist auf sechs Monate angelegt. Wir wollen in dieser Zeit zügig auf eine abschließende Lösung hinarbeiten. Natürlich haben wir dabei die Interessen Israels stets im Blick.

Setzt der Kompromiss Impulse für eine grundsätzliche Neuordnung der Beziehungen zu Teheran frei?

Vertrauen lässt sich schnell zerstören, aber nur langsam wieder aufbauen. Jahre der Konfrontation kann man nicht ohne weiteres und schon gar nicht über Nacht überwinden. Vertrauen entsteht, wenn Absprachen eingehalten werden, wenn ein konstruktiver Ansatz Provokationen wie noch unter Präsident Ahmedineschad ablöst. Die ersten Zeichen sind ermutigend, die Vereinbarung von Samstag Nacht ein ganz wichtiger Schritt. Aber wir haben noch einen langen Weg zu gehen. Iran ist eine wichtige Regionalmacht im Mittleren Osten. Es gibt viele Ansatzpunkte für eine neue, auf Frieden und Ausgleich ausgerichtete Politik, nach innen wie nach außen.

Interview: Thomas Wittke. Übernahme mit freundlicher Genehmigung des General-Anzeigers.

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