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Grußwort von Bundesaußenminister Steinmeier anlässlich des Empfangs zum Afrika-Tag der Afrikanischen Union in Berlin, 25.05.2007

25.05.2007 - Rede

Herr Doyen,
Exzellenzen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
sehr gerne bin ich Ihrer Einladung gefolgt, den Afrikatag heute mit Ihnen zu feiern!

Für die Menschen in Afrika ist der Afrikatag, was für uns hier in Europa der Europatag am 9. Mai ist. Ein Tag zum Feiern; ein Tag, um sich zu vergewissern, dass die große Vision der Einheit des Kontinents noch intakt ist; ein Tag der Bestandsaufnahme, wie weit man auf diesem Weg gekommen ist.

Sie wissen, mit welcher Symbolik die vergangenen Wochen und Monate für die Europäische Union angefüllt waren. Am 25. März haben wir den 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Gründungsverträge in Berlin gefeiert. Und dabei haben wir uns auch die Frage gestellt, wie wir uns in Zukunft aufstellen müssen, um im Zeitalter von Globalisierung und Klimawandel zu bestehen.

Eine Frage, die sich für die Staaten in Afrika in gleicher Weise stellt. Eine Frage, auf die wir in Europa und Sie in Afrika dieselbe Antwort gegeben haben: Gemeinsam! Nur gemeinsam kann es uns gelingen, die Herausforderungen der heutigen Zeit zu meistern. Nur gemeinsam können wir Politik zum Wohle der Menschen in unseren Ländern gestalten.

Der 25. Mai 1963 war der Beginn der Einigung des afrikanischen Kontinents. Es war ein würdevoller und es war ein feierlicher Tag. Es war ein Tag voller Visionen.

"Wir haben uns versammelt, um unsere Rolle im Weltgeschehen zu übernehmen und zu spielen. Wir wollen unsere Pflicht gegenüber diesem großen Kontinent übernehmen, für den wir Verantwortung tragen."

So hieß der äthiopische Kaiser Haile Selassie die Teilnehmer des afrikanischen Gipfels in der "Africa Hall" in Addis Abeba willkommen. Die Organisation für Afrikanische Einheit war geboren.

Heute können wir sagen: Afrika hat seine Rolle im Weltgeschehen übernommen. Viele der Visionen dieser ersten Generation afrikanischer Führer sind heute Wirklichkeit.

Die Kühnsten unter ihnen träumten bereits damals von einer Afrikanischen Union, von einer Afrikanischen Entwicklungsbank, von einer gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Und mit der Gründung der Afrikanischen Union vor 5 Jahren hat der Prozess der afrikanischen Einigung tatsächlich eine neue Dimension bekommen. NEPAD und Peer Review stehen für ein gewachsenes afrikanisches Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung. Die AU-Friedensmissionen im Sudan und in Somalia sind – bei allen Schwierigkeiten – ein wichtiger Schritt hin zur Schaffung einer pan-afrikanischen Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur.

Europa und Deutschland stehen dabei an der Seite Afrikas. Gemeinsam arbeiten wir daran, den EU-Afrika-Gipfel im Dezember in Lissabon zu einem Erfolg zu machen. Kernstück wird die gemeinsam konzipierte EU-Afrika-Strategie sein, die wir auf dem Gipfel verabschieden wollen. Wir wollen eine umfassende, strategische Partnerschaft. Wir wollen die Menschen unserer beider Kontinente näher zusammenbringen, wir wollen eine Wirtschaftspartnerschaft, ein gemeinsames Engagement für Frieden und Stabilität, und wir wollen bei der Lösung drängender globaler Fragen wie der Beherrschung des Klimawandels eng zusammenarbeiten.

Und nicht nur in der EU, sondern auch in unserer deutschen G8-Präsidentschaft möchten wir die Zusammenarbeit mit Afrika voranbringen. Die Reformpartnerschaft der G8 mit Afrika wollen wir ausbauen und fortsetzen. Gemeinsam mit den afrikanischen Partnern beraten wir, wie die afrikanischen Fähigkeiten zur Friedenssicherung und Konfliktverhütung gestärkt werden können. Und gemeinsam wollen wir etwas tun, um die Gesundheitssysteme in Afrika zu stärken und den Kampf gegen HIV/Aids voranzubringen.

"Africa on the rise" – Afrika im Aufbruch: das war nicht nur das Motto beim Deutschen Weltbankforum 2007 und beim Africa Partnership Forum in dieser Woche in Berlin. Es scheint mir auch geeignet als Weckruf unserer Zeit. Wir alle wissen miteinander um die großen Probleme, vor denen die Staaten in Afrika auch heute noch stehen. Wir wissen, dass 300 der 850 Millionen Bürgerinnen und Bürger auf dem Kontinent in Armut leben.

Wir wissen aber auch: Afrika ist zurück auf der Weltbühne. Vorbei sind die Zeiten, da einige den Kontinent verloren glaubten. 5-6 % jährliches Wirtschaftswachstum; verstärktes Interesse ausländischer Investoren, auch der deutschen Wirtschaft; Fortschritte bei den Millenniumszielen zum Beispiel im Bildungsbereich; 15 Parlaments- und 8 Präsidentschaftswahlen allein in diesem Jahr – ein ermutigendes Zeichen für die Verfestigung der Demokratie.

Das alles steht für einen Kontinent, der nicht nur eine lange Geschichte hinter sich hat, sondern der willens ist, seine Zukunft aktiv zu gestalten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und den Menschen in Ihren Ländern einen fröhlichen Afrikatag – a very Happy Africa Day!

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