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Grußwort von Staatsminister Gloser zur Eröffnung der Ausstellung Josef Szajnas in der ehemaligen Polnischen Botschaft, Berlin, 29.01.2007

Rede

Sehr geehrter Herr Botschafter,
sehr geehrter Herr Generalkonservator,
Sehr geehrter Herr Knigge,
sehr verehrter Professor Szajna,
meine Damen und Herren.

Seit dem Ende des Holocaust sind nun über 60 Jahre vergangen. Anders als sonst im Leben der Menschen und Völker hat der Lauf der Zeit nicht dazu geführt, dass die Erinnerung an dieses Menschheitsverbrechen verblasst. Je länger die Ereignisse des Krieges zurückliegen, desto stärker werden sie im Gedächtnis der Menschen zur Geschichte, desto mehr kann man sie auch im historischen Kontext verstehen.

Für den Holocaust trifft diese Erfahrung aber nicht zu. Im Gegenteil: der Holocaust sperrt sich einer historischen Einordnung und Relativierung. Immer klarer erscheint er uns heute als ein präzedenzloses Verbrechen, das – anders als Krieg, Diktatur und Gewaltherrschaft – in der Geschichte einzigartig dasteht. Dafür steht das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, wenige Schritte entfernt von hier.

Der Holocaust ist in deutschem Namen geplant, von Deutschen organisiert und ausgeführt worden und Deutschland trägt die historische und moralische Verantwortung für dieses Menschheitsverbrechen. Aber die Bedeutung des Holocaust geht über Deutschland und Europa hinaus.

Davon zeugt das weltweit wachsende Interesse, die Zahl der Gedenkstätten und Museen, die Zahl und die Qualität von Literatur und Forschung. Die Vereinten Nationen haben im letzten Jahr zum ersten Mal den 27. Januar, den Tag der Befreiung von Auschwitz, als Gedenktag für die Opfer des Holocaust erklärt. Jedes Jahr, seitdem 1996 BPräs. Herzog diesen Gedenktag proklamiert hat, gedenken Bundesregierung und Bundestag anlässlich des 27. Januar in einer Gedenkstunde der Opfer des Nationalsozialismus.

Anlässlich des diesjährigen Gedenktages habe ich die Ehre, zusammen mit Ihnen eine ganz besondere Ausstellung eröffnen zu können.

Zu den auf den ersten Blick verstörenden Aspekten der geschlossenen Welt der Konzentrationslager gehört, dass dort auch Kunst geschaffen wurde. Es gab Musik- und Theateraufführungen, Literatur, Malerei. Kunst bedeutet Freiheit, Distanz, Subjektivität, Ausdruck, ja Schönheit – wie war so etwas in derWelt der KZ´s möglich?

Auf den zweiten Blick wird klar: das Erstaunen darüber liegt wohl an einer zu idyllischen Vorstellung von Kunst -- als gehöre die Kunst einem Bereich abgehobener Freiheit, des Spiels und des schönen Scheins an. Von einem solchen Kunstbegriff ist in dieser Ausstellung nicht die Rede. Josef Szajnas Kunst kennt Ironie und Witz, aber niemand wird den Ernst verkennen, der ihr zu Grunde liegt.

Authentische Kunst hat ihren Sitz im ganzen menschlichen Leben und wagt sich an jede Erfahrung heran. Sie fürchtet die Abgründe nicht, vor die uns das Nachdenken über Auschwitz, das heißt über den Menschen, führt.

Jozef Szajnas imposantes Werk ist eine lebenslange Reflexion, ein lebenslanger Protest gegen das Böse, das er in seiner Jugend erfahren hat und das kein Überlebender vergessen wird. Mit seinen Porträts, Collagen, Installationsräume und Theater stellt er die Frage nach der condition humaine: Ist das ein Mensch? Was ist der Mensch? Was für eine Vernunft verbirgt sich hinter diesen Maskengesichtern? Was können Vernunft und Humanität auf dieser Erde ausrichten?

Jozef Szajna ist in Deutschland bereits vielen Kennern vertraut. Ich freue mich, dass diese Ausstellung dazu beiträgt, sein Werk uns Deutschen näher zu bringen.

Ich danke Ihnen, Herr Botschafter und damit der Republik Polen sowie Ihnen, Herr Knigge, für die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, für diese Ausstellung. Ich wünsche ihr zahlreiche Besucher.

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