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Humanitäre Katastrophenvorsorge

Viele Menschen sind nach Überschwemmungen auf Hilfe angewiesen

Viele Menschen sind nach Überschwemmungen auf Hilfe angewiesen, © dpa/picture alliance

25.11.2016 - Artikel

Die Katastrophenvorsorge hat zum Ziel, die Auswirkungen von extremen Naturereignissen schon im Vorfeld zu begrenzen. Wesentliche Elemente sind Risikoanalyse, Katastrophenvorbeugung und sogenannte "Preparedness".

Naturkatastrophen betreffen jedes Jahr Millionen von Menschen, verursachen unermessliches Leid und stellen vor allem die Betroffenen in weniger entwickelten Ländern und fragilen Kontexten vor enorme Herausforderungen. Dank intensiver Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft konnten zahlreiche besonders katastrophenanfällige Länder inzwischen jedoch besser auf diese Gefahren vorbereitet werden, sodass in den vergangenen Jahren ein Rückgang der Betroffenenzahlen zu verzeichnen ist.

Trotz dieses erfreulichen Rückgangs liegt die Anzahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen mit durchschnittlich über 190 Millionen weltweit aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Die Kosten der entstandenen Schäden bewegen sich dabei jedes Jahr im zweistelligen Milliardenbereich, bei besonders schweren Katastrophen sogar oft noch deutlich höher.

Trotz aller bereits erzielten Erfolge ist die Förderung von Maßnahmen der humanitären Katastrophenvorsorge weiterhin ein unverzichtbarer Teil des Aufgabenspektrums des Auswärtigen Amtes. Aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels kann davon ausgegangen werden, dass die Intensität und die Häufigkeit von Naturkatastrophen deutlich ansteigen werden und die internationale Gemeinschaft vor zusätzliche Herausforderungen gestellt wird.

Neben der Zunahme von extremen Wetterereignissen verschärfen auch andere humanitäre Krisen und Konflikte die Anfälligkeit der lokalen Bevölkerungen gegenüber Naturgefahren. Mehr als 60 Prozent der weltweit durch Naturkatastrophen getöteten Menschen kommen derzeit in den 30 fragilsten Staaten ums Leben.

Gleichzeitig zeigen Studien auch, dass Investitionen in die Katastrophenvorsorge um ein vielfaches kostengünstiger sind, als Maßnahmen der Soforthilfe und des Wiederaufbaus nach einer Naturkatastrophe.

Was ist Katstrophenvorsorge?

Zur Katastrophenvorsorge gehören generell alle Maßnahmen, welche die Auswirkungen von extremen Naturereignissen auf die Menschen und die Wirtschaft in gefährdeten Regionen vermeiden oder mindern können.

Folgen eines Tropensturms auf den Philippinen
Folgen eines Tropensturms auf den Philippinen© Platform on Disaster Displacement

Die Katastrophenvorsorge besteht aus drei wesentlichen Elementen:

  • Die Risikoanalyse bildet die Grundlage der Katastrophenvorsorge, da sie die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von Naturkatastrophen in einem Gebiet aufzeigt. Sie umfasst die Analyse der physischen Bedrohungen durch Naturereignisse (Risikobewertung), der ihnen gegenüberstehenden gesellschaftlichen Anfälligkeiten (sogenannte Vulnerabilitätsbewertung) und gleichzeitig auch eine Analyse der bereits existierenden Selbsthilfekapazitäten der Menschen, um darauf aufbauend Maßnahmen zur Unterstützung umsetzen zu können.
  • Die Katastrophenvorbeugung und Katastrophenminderung bestehen aus allen geeigneten Maßnahmen, die mittel- bis langfristig die negativen Auswirkungen von Katastrophen verhindern oder vermindern. Hierzu zählen beispielsweise die Erarbeitung von Bauvorschriften für eine erdbeben- oder hochwasserresistente Bauweise und die Etablierung und Durchsetzung von Plänen der Landnutzung und Raumordnung. Sie umfasst auch die Förderung nationaler und länderübergreifender Netzwerke zur Erzielung weiträumiger Schutzvorkehrungen. Ebenfalls fallen hierunter Maßnahmen zur Absicherung von bspw. instabilen Hängen oder auch Bildungsprogramme und die Aufklärung der Bevölkerung über potentielle Katastrophenrisiken.
  • Bei der Vorbereitung auf den Katastrophenfall, der so genannten Preparedness, geht es in erster Linie darum, die Reaktionsfähigkeit der Gesellschaft gegenüber Naturkatastrophen zu stärken. Ziel ist, dass die gefährdeten Menschen und die verantwortlichen staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen bereits vor dem Eintreten einer Katastrophe die notwendigen logistischen und organisatorischen Vorbereitungen treffen und wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Dazu gehören etwa Aktivitäten wie der Aufbau von Frühwarnsystemen, das Erstellen von Notfallplänen, Evakuierungsübungen, die Einlagerung von Hilfsgütern, Schulungsmaßnahmen für die Bevölkerung in Erster Hilfe und die Ausbildung lokaler humanitärer Helfer vor Ort.

Das Sendai Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge

 Das am 18. März 2015 im japanischen Sendai verabschiedete Rahmenwerk zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (2015-2030), welches aus der 3. Weltkonferenz der Vereinten Nationen zur Risikoreduzierung von Katastrophen hervorging, ist der internationale Bezugspunkt für die Katastrophenvorsorge. Es löst den "Hyogo-Rahmenaktionsplan 2005-2015" ab.

Das Sendai Rahmenwerk konzentriert sich auf umfassendes Risikomanagement mit folgenden Prioritäten:

  • Verbessertes Verständnis von Katastrophenrisiken
  • Stärkung von lokalen, nationalen und internationalen Steuerungsmechanismen zum Management von Katastrophenrisiken
  • Investition in Katastrophenvorsorge zur Stärkung von Resilienz
  • Verbesserung der Vorbereitung auf den Katastrophenfall (Preparedness), um eine effektive Reaktion auf Katastrophen sowie präventiven Wiederaufbau zu ermöglichen ("Building Back Better")

Das Auswärtige Amt hat sich intensiv in die Erarbeitung des Sendai Rahmenwerks eingebracht. Deutschland zählte während den Verhandlungen zu den Staaten, die sich dafür eingesetzt haben, erstmalig Indikatoren zu entwickeln, um weltweit einheitlich die Fortschritte innerhalb der im Rahmenwerk vereinbarten Ziele messen zu können.

Deutsches Engagement für Katastrophenvorsorge

Rettungskräfte suchen nach Verschütteten
Rettungskräfte suchen nach Verschütteten© picture-alliance/dpa

Deutschland tritt seit langem in der Europäischen Union und in den Vereinten Nationen für die Stärkung internationaler Katastrophenvorsorge ein. Auf europäischer Ebene hat Deutschland intensiv an der Erarbeitung des Europäischen Konsenses über die Humanitäre Hilfe mitgewirkt, der die Notwendigkeit von Katastrophenvorsorge hervorhebt. Zudem hat Deutschland zur EU-Strategie zur Unterstützung der Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern von 2009 beigetragen und arbeitet eng mit demBüro der Vereinten Nationen für Katastrophenvorsorge (UNISDR) zusammen.

Bereits seit 2012 setzt sich das Auswärtige Amt dafür ein, Mechanismen zu etablieren, um beispielweise den Betroffenen von katastropheninduzierter Vertreibung adäquaten Schutz zukommen zu lassen. Seit dem 01. Juli 2016 hat Deutschland gemeinsam mit Bangladesh für anderthalb Jahre den Vorsitz der "Platform on Disaster Displacement" übernommen.

Mehr zur Platform on Disaster Displacement

2013 hat die Bundesregierung gemeinsam mit zahlreichen Regierungen und internationalen Hilfsorganisationen die deutsche Preparedness Initiative beschlossen. Darin sind konkrete Handlungsempfehlungen enthalten, die auf Erfahrungen zahlreicher Akteure im Bereich der effektiven Vorbereitung auf Katastrophen beruhen. Das Auswärtige Amt setzt sich seit der Verabschiedung dieser Handlungsempfehlungen am 11. Juni 2013 verstärkt für ihre Verbreitung, Umsetzung und Weiterentwicklung der Empfehlungen ein. Der mit der Preparedness Initiative begonnen Paradigmenwechsel innerhalb der internationalen humanitären Hilfe hat dazu beigetragen, den Fokus von der reaktiven hin zur vorausschauenden humanitären Hilfe zu lenken.

In diesem Zusammenhang hat das Auswärtige Amt 2014 in enger Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ein innovatives Maßnahmenpaket zur humanitär-geprägten Anpassung an den Klimawandel und steigende Extremwettergefahren entwickelt. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) koordiniert die Umsetzung des Maßnahmenpakets und arbeitet mit einer Vielzahl von Experten zum Thema Klimawandel im humanitären Kontext zusammen.

Mit diesem Maßnahmenpaket werden humanitäre Akteure in die Lage versetzt, vorhandene Extremwettervorhersagen besser zu nutzen und auf kurz- bis mittelfristig steigende Extremwetterrisiken in bestimmten Ländern und Regionen frühzeitig und besser zu reagieren. Gemäß dem Konzept der vorhersagenbasierten Finanzierung werden auf Grundlage von kurz- und mittelfristigen Vorhersagen in ausgewählten Pilotländern spezielle Schwellenwerte zur Frühwarnung entwickelt. Beim Eintritt dieser Schwellenwerte werden dann vorab erarbeitete Vorsorgemaßnahmen zur unmittelbaren Risikoreduktion finanziert und umgesetzt.

Seit 2016 hat das Auswärtige Amt das DRK zudem damit beauftragt, eine spezielle Fachberatung im Bereich der humanitären Katastrophenvorsorge sicherzustellen. Ziel der Fachberatung ist die Gewährleistung eines Erfahrungsaustauschs in Bezug auf die operative Umsetzung von Maßnahmen der Katastrophenvorsorge. Gleichzeitig zielt die Fachberatung darauf ab, die Zusammenarbeit der deutschen Akteure auf den unterschiedlichen Ebenen der Katastrophenvorsorge zu unterstützen. Dies wird durch unterschiedliche Netzwerke erreicht:

  • Fachtagung Katastrophenvorsorge: Die Fachtagung ermöglicht den Dialog zwischen deutschen Experten der nationalen und internationalen Katastrophenvorsorge. Auf der jährlich stattfindenden Fachtagung haben die Experten aus den jeweiligen Bereichen die Möglichkeit, sich zu aktuellen Entwicklungen, Ansätzen und Maßnahmen in den jeweiligen Bereichen der Katastrophenvorsorge auszutauschen.
  • Preparedness Arbeitsgruppe: Hier diskutieren relevante deutsche Akteure der humanitären Katastrophenvorsorge mit einem Fokus auf den Peparedness-Bereich. Die Arbeitsgruppe hat das Ziel, konkrete Handlungsempfehlungen zur operativen Umsetzung von Maßnahmen der Preparedness innerhalb der Katastrophenvorsorge zu entwickeln.
  • Regionale Workshops: Ergänzend zur Preparedness Arbeitsgruppe werden Workshops in Hochrisikoregionen mit den lokalen Partnern der deutschen Hilfsorganisationen durchgeführt. Hierdurch werden Erfahrungen und Ansätze vor Ort ausgetauscht und fließen dadurch in die Handlungsempfehlungen an das Auswärtige Amt ein.

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