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2017 – Ein Rekordjahr für die deutsche Humanitäre Hilfe

Dramatische Situation: Millionen Menschen sind weltweit auf Hilfe angewiesen.

Dramatische Situation: Millionen Menschen sind weltweit auf Hilfe angewiesen., © WFP

05.01.2018 - Artikel

Noch nie waren so viele Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen wie im letzten Jahr. Umso wichtiger ist die deutsche Unterstützung für Menschen in Not, die 2017 eine neue Rekordmarke erreicht hat. 

Mehr als 1,75 Milliarden Euro hat das Auswärtige Amt 2017 für humanitäre Hilfe weltweit zur Verfügung gestellt – so viel wie nie zuvor. Deutschland übernimmt damit Verantwortung für Menschen in Not. Auf Geberkonferenzen, im Dialog mit humanitären Partnern und politischen Entscheidungsträgern, im Kreis der EU und in den Vereinten Nationen setzt sich Deutschland für humanitäre Hilfe ein. Dabei ist deutsche humanitäre Hilfe dem Grundsatz der Menschlichkeit verpflichtet. Sie ist unparteilich, unabhängig und neutral.

Syrien und die Nachbarländer

Millionen Menschen sind innerhalb Syriens und in den Nachbarländern auf humanitäre Hilfe angewiesen. Neben der Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen Hilfsgütern stehen der Schutz besonders gefährdeter Gruppen wie von Kindern, Frauen und alten Menschen und der Zugang in die belagerten Gebiete im Vordergrund der humanitären Anstrengungen. Doch die Hilfspläne der Vereinten Nationen für Syrien und die Region sind immer noch deutlich unterfinanziert. Deutschland hilft aktiv: 2017 hat die Bundesregierung im Kontext der Syrienkrise insgesamt rund 720 Mio. Euro für die humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt und als Mitgestalter der Brüsseler Geber-Konferenz andere Geberbeiträge motiviert. Damit ist Deutschland zweitgrößter humanitärer Geber in der Region nach den USA

Akute humanitäre Krisen in Afrika

Mit dem „Berliner Humanitären Appell“ hat Außenminister Gabriel im April die Hungerkrisen in Nordost-Nigeria, Südsudan, am Horn von Afrika sowie in Jemen in den Fokus gerückt und umfassendes deutsches Engagement zugesagt. Zudem sind wegen anhaltender bewaffneter Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo mehr als vier Millionen Menschen aus ihrer Heimat in andere Landesteile oder Nachbarländer geflohen. Insbesondere in der zentralen Krisenregion Kasai ist die Lage angespannt. Mehr als drei Millionen Menschen sind dort auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, 400.000 Kinder von akuter Mangelernährung bedroht. Mit der Unterstützung aus Deutschland versuchen Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm, die Lebensgrundlage für die aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen sicherzustellen. Insgesamt hat Deutschland im Jahr 2017 mehr als 430 Millionen Euro für humanitäre Hilfe auf dem afrikanischen Kontinent zur Verfügung gestellt. 

Die humanitäre Großkrise in Jemen

In Jemen sind 22 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, viele von ihnen hungern, eine Choleraepidemie von erschreckendem Ausmaß trifft die notleidenden Menschen schwer. Anhaltende Kämpfe in vielen Landesteilen erschweren humanitären Helfern den Zugang zu Hilfsbedürftigen. Deutschland leistet einen wichtigen Beitrag, um die dramatische Not zu bekämpfen. In diesen Tagen wurden weitere 40 Millionen Euro für humanitäre Hilfsprogramme der Vereinten Nationen freigegeben. Damit werden zum Beispiel bedürftige Menschen mit Essensrationen versorgt Cholera-Behandlungszentren unterstützt und die Versorgung mit Trinkwasser verbessert. Das Auswärtige Amt stellt 2017 insgesamt 165 Mio. Euro für humanitäre Hilfsprojekte in Jemen zur Verfügung.
Auch nach der Befreiung vom IS notwendig: humanitäre Hilfe für Irak
Millionen Menschen sind innerhalb des Iraks aus ihrer Heimat geflohen. Nachdem die irakische Regierung den militärischen Sieg über den IS verkündet hat, sind weite Teile der Infrastruktur in den umkämpften Gebieten zerstört. 11 Millionen Menschen im Land benötigen humanitäre Hilfe. Unterkünfte, Gesundheitsversorgung und Zugang zu sauberem Trinkwasser bilden die Schwerpunkte der Hilfsprojekte, die das Auswärtige Amt unterstützt. Ebenso wichtig: die Räumung der in den Konfliktgebieten um Mossul verbliebenen Minen und Sprengfallen, ohne die eine sichere Rückkehr für die Vertriebenen nicht möglich ist. Allein hierfür stellt das Auswärtige Amt 11,5 Millionen Euro bereit. Deutschland ist der zweitgrößte humanitäre Geber im Irak. In den letzten drei Jahren hat das Auswärtige Amt die Menschen in Irak mit mehr als 500 Millionen Euro unterstützt. 

Die Rohingya-Krise

Es ist eine der Flüchtlingskrisen, die erst vor kurzem ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gerückt ist: Seit Ende August hat Bangladesch mehr als 650.000 Rohingya aufgenommen, die aus der Provinz North Rakhine im benachbarten Myanmar geflohen sind. Die muslimische Minderheit der Rohingya wird im mehrheitlich buddhistischen Myanmar nicht als Staatsbürger anerkannt, immer wieder kommt es zu Vertreibungen. Viele Flüchtlinge leben in äußerst schwierigen Verhältnissen in schnell wachsenden Lagern, deren Versorgung unter anderem mit Lebensmitteln und Trinkwasser zunehmend Probleme bereitet. Deutschland unterstützt Hilfsprojekte für die Rohingya seit Längerem. Außenminister Gabriel besuchte die Region im November und sagte weitere deutsche Unterstützung zu – 2017 hat Deutschland insgesamt 25,8 Millionen Euro bereitgestellt.

Eine vergessene humanitäre Krise in Europa – die Ostukraine

Vier Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen in der Ukraine auf humanitäre Hilfe angewiesen: Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneprodukte und Gegenstände des täglichen Lebens. Mehr als drei Millionen Menschen sind aus der Ostukraine geflohen. Die Zurückbleibenden sind oft ältere Menschen, Rentner, Kranke und Menschen mit Behinderungen. Doch viele Hilfsorganisationen können in den von den Separatisten kontrollierten Gebieten nicht mehr arbeiten: es gibt oft Probleme mit der Registrierung bei den de facto-Behörden. Internationalen Nichtregierungsorganisationen wird der Zugang zu den Hilfsbedürftigen von den Separatisten komplett verweigert. 

Zusammen mit deutschen und internationalen Partnern unterstützt das Auswärtige Amt Nahrungsmittellieferungen und die medizinische Versorgung der betroffenen Bevölkerung. Ebenso wichtig: die Sicherstellung der Trinkwasser- und Sanitärversorgung. Psychosoziale Programme helfen den Menschen, das im Krieg Erlebte zu verarbeiten. Ein weiterer Baustein des umfassenden deutschen Engagements ist die Beseitigung von Minen und Kampfmittelresten – allein in diesem Jahr sind durch Landminen oder Sprengfallen mehr als 85 Menschen ums Leben gekommen.  Deutschland unterstützt die Menschen in der Ukraine seit Ausbruch des Konflikts und ist zum größten Geber für die humanitäre Krise dort geworden. Mehr als 23 Millionen Euro sind allein 2017 in Hilfsprojekte geflossen. Außerdem setzt sich die Bundesregierung für eine Verbesserung des humanitären Zugangs für Helfer ein.

#nichtvergesser setzen sich für Menschen in vergessenen Krisen ein

Gerade die humanitären Notlagen, die nicht im Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, brauchen Unterstützung. Diese vergessenen humanitären Krisen sind meist langandauernde Konflikte mit großem humanitärem Bedarf, aber geringer medialer Berichterstattung und einem Mangel an Hilfsgütern und Spenden. Zusammen mit deutschen Hilfsorganisationen und Prominenten wirbt das Auswärtige Amt mit der #nichtvergesser-Initiative dafür, unbeachtete humanitäre Krisen stärker in den Fokus zu rücken. 

Die Gefahr nach dem Konflikt beseitigen – humanitäres Minenräumen 

Landminen, Blindgängermunition und Sprengfallen fordern weltweit jedes Jahr Tausende Opfer. Deutschland setzt sich nachdrücklich für eine globale Ächtung von Anti-Personenminen sowie von Streumunition ein und unterstützt weltweit Maßnahmen der Minen- und Kampfmittelräumung.  In diesem Bereich ist die Bundesregierung einer der größten internationalen Geber. Neben der eigentlichen Räumung und Entsorgung der Kampfmittel stehen insbesondere auch die Opferfürsorge und die Aufklärungsarbeit mit betroffenen Bevölkerungsgruppen im Vordergrund der Hilfsmaßnahmen. Schwerpunktländer sind unter anderem Afghanistan, Kolumbien, Myanmar, Irak, und die Ukraine. 2017 betrug der deutsche Beitrag rund 75 Millionen Euro und konnte damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt werden.  

Ziel all dieser Initiativen ist es, gemeinsam mit den betroffenen Staaten und anderen Geberländern eine Welt frei von Minen und Kampfmittelrückständen zu schaffen. Dies war auch ein wichtiges Thema auf der vom Auswärtigen Amt im September in Bonn organisierten Konferenz für humanitäres Minen- und Kampfmittelräumen.

Humanitäre Hilfe im Wandel – neue Instrumente, neue Partner  

Das humanitäre System ist im Umbruch begriffen. Immer weiter ansteigende Bedarfe verlangen nach neuen Ansätzen, um Hilfe auch in Zukunft effizient und bedarfsorientiert leisten zu können. Hierzu gehören eine stärkere Einbindung der lokalen humanitären Akteure und engerer Austausch zwischen humanitären Organisationen und Betroffenen. Wichtig ist außerdem eine noch passgenauere Ausrichtung der Hilfe auf die jeweiligen spezifischen Bedürfnisse von Menschen unterschiedlichen Alters, von Frauen und Männern und von Menschen mit Behinderungen.

Deutschland unterstützt darüber hinaus innovative Ansätze in der humanitären Hilfe. Zum Beispiel wenn es darum geht, humanitäre Krisen besser vorherzusagen und ihre Auswirkungen noch vor dem Entstehen bestmöglich einzugrenzen. So konnten beispielsweise im Frühjahr 2017 in Bangladesch aufgrund von detaillierten Extremwettervorhersagen Hilfsgelder an Betroffene ausgezahlt werden, noch bevor sie von der folgenden schweren Überschwemmung betroffen wurden. Damit konnten sie sich und ihr Hab und Gut rechtzeitig in Sicherheit bringen – noch vor der Flut. Infolge des Klimawandels wird die Zahl solcher Notlagen weiter zunehmen. Deshalb unterstützt das Auswärtige Amt innovative Vorsorgemaßnahmen in zahlreichen Risikogebieten. Das rettet Leben und verhindert überflüssiges Leiden.


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