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Beziehungen zu Deutschland Namibia

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Mehr zu den Beziehungen beider Länder in Politik, Wirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Kultur.

Stand: Juni 2018

Politische Beziehungen

Seit der Unabhängigkeit der Republik Namibia im Jahr 1990 haben sich besonders intensive bilaterale Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland entwickelt. Diese gehen zurück auf

  • die gemeinsame Kolonialgeschichte (1884-1915) und die daraus erwachsende besondere Verantwortung Deutschlands,

  • die enge kulturelle Verbindung zu der deutschsprachigen Gemeinschaft
    sowie auf

  • über zwei Jahrzehnte nachhaltiger und substantieller bilateraler Entwicklungszusammenarbeit im Umfang von rund 1 Mrd. Euro (höchste deutsche Leistung pro Kopf in Afrika).

Richtungweisend für die deutsche Namibia-Politik war eine Entschließung des Deutschen Bundestags 1989, in der die historische und politische Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia festgestellt wurde. In einer weiteren Entschließung 2004 gedachte der Bundestag der Opfer des Kolonialkrieges 1904-1907/8 und bekräftigte erneut seinen Willen, die guten bilateralen Beziehungen zu Namibia zu vertiefen. 2007 besuchte der namibische Parlamentspräsident Gurirab Berlin, 2008 reiste Bundestagspräsident Lammert nach Namibia. Weiter gefestigt wurden die parlamentarischen Beziehungen durch die Gründung einer Namibisch-Deutschen Freundschaftsgruppe im namibischen Parlament, die im März 2013 erstmals Berlin besuchte. Der Deutsche Bundestag pflegt die Beziehungen zum namibischen Parlament über die Parlamentariergruppe SADC-Staaten.

Das deutsch-namibische Sonderverhältnis fand seinen Ausdruck in zahlreichen weiteren hochrangigen politischen Kontakten auf Regierungsebene. Hervorzuheben sind die Besuche von Bundeskanzler Kohl (1995) und Bundespräsident Herzog (1998) in Namibia sowie die Deutschland-Besuche von Staatspräsident Nujoma (1996 und 2002) und Staatspräsident Pohamba (2005). Bundespräsident a. D. Köhler vertrat die Bundesrepublik Deutschland bei den Feierlichkeiten anlässlich des 25. Jahrestags der Unabhängigkeit Namibias und Amtseinführung des neuen Präsidenten Geingob im Jahr 2015.

An den zentralen Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Beginns des grausamen Kolonialkriegs in Namibia nahm 2004 die damalige Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Wieczorek-Zeul teil. Seit Dezember 2015 führen die deutsche und die namibische Regierung durch Sondergesandte Verhandlungen zur Bewältigung der Vergangenheit.

Auf Länder- und kommunaler Ebene gibt es rege Kontakte. Beispiele hierfür sind die Städtepartnerschaften Windhuks mit Berlin und Bremen. Zwischen kirchlichen Gruppen, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftlern beider Länder besteht ebenfalls ein intensiver Austausch.

Wirtschaftsbeziehungen

Der bilaterale Handelsaustausch zwischen Deutschland und Namibia belief sich 2017 auf rund 212 Millionen Euro. Haupteinfuhrgüter aus Namibia sind Nicht-Eisen-Metalle und sonstige Rohstoffe sowie Nahrungsmittel. Hauptausfuhrgüter nach Namibia waren Maschinen und Nahrungsmittel.

Besonderes Gewicht im Rahmen des Dienstleistungsexports kommt dem Tourismus zu: Die ca. 100.000 deutschen Reisenden im Jahr sind bei weitem die größte Gruppe nichtafrikanischer Touristen in Namibia.

Eine der größten Auslandsinvestitionen in Namibia kommt aus Deutschland: Im Februar 2011 nahm das zur Schwenk-Gruppe gehörende Werk "Ohorongo Cement" seinen Betrieb auf. Insgesamt wurden hier rund 250 Millionen Euro investiert. Das Werk bietet über 300 Arbeitsplätze und hat mittelbar zur Entstehung von weiteren 2000 Jobs in der Region geführt. Mit einer Produktionskapazität von 700.000 Tonnen pro Jahr ist das Werk darauf angelegt, weite Teile des Marktes im gesamten südlichen Afrika mitzuversorgen. Der Gesamtbestand deutscher Direktinvestitionen in Namibia liegt bei knapp 90 Millionen Euro.

Beide Regierungen streben an, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. Ein Investitionsförderungsvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen sind in Kraft.

Entwicklungszusammenarbeit

Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit ist integraler Bestandteil und eine tragende Säule der besonderen Beziehungen zwischen Namibia und Deutschland: Seit 1990 wurden hierfür rund 1 Milliarde Euro zur Verfügung gestellt. Kennzeichnend für das deutsche Engagement ist nicht nur die staatliche Entwicklungszusammenarbeit, sondern eine Vielfalt privater Initiativen und Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen.

Ziel bleibt es, die namibische Regierung in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Ungleichheiten, die die namibische Gesellschaft als Folge von Kolonialismus und Apartheid noch heute prägen und die ihren Ausdruck in weit verbreiteter Armut und hoher Arbeitslosigkeit finden, zu beseitigen und die Politik der nationalen Versöhnung zu unterstützen. Dabei arbeiten Deutschland und Namibia in drei Schwerpunkten zusammen:

  • Management natürlicher Ressourcen,
  • Transport und
  • Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.

Diese Schlüsselthemen beinhalten auch immer Maßnahmen zur beruflichen Bildung. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Universität von Namibia (UNAM) und der Fachhochschule (Polytechnic of Namibia) im Bereich des Straßenbaus, der Logistik und der Umweltwissenschaften sowie mit der "Namibia Training Authority" (NTA) in den Bereichen Straßenbau und Landwirtschaft. Da HIV/AIDS auf allen Ebenen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes gefährdet, unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Partner in den genannten Schwerpunkten bei der Präventionsarbeit. Zusätzlich kommen Mittel aus der "Initiative für Klima und Umweltschutz" (IKLU) zur Förderung erneuerbarer Energien zum Einsatz. Die Bundesregierung fördert seit 2008 zudem im Rahmen der "Internationalen Klimaschutzinitiative" (IKI) Projekte zum Klimaschutz in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern, so auch in Namibia.

Im Rahmen der Namibisch-Deutschen Sonderinitiative förderte die Bundesregierung Maßnahmen zur Kommunalentwicklung in den Landesteilen, die vom Kolonialismus besonders betroffen waren. Die Sonderinitiative wurde 2012 von ursprünglich 20 auf 36 Millionen Euro aufgestockt. Die Auswahl der Projekte erfolgt in enger Abstimmung mit den betroffenen Gemeinschaften. Die Nationale Planungskommission Namibias ist mit der Umsetzung betraut.

Bei den Regierungsverhandlungen im September 2017, die in Namibia stattfanden, verständigten sich beide Regierungen darauf, ihre Zusammenarbeit in den drei bestehenden Schwerpunkten Management natürlicher Ressourcen, Transport und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung fortzuführen.

Kulturelle Beziehungen

Völkerrechtliche Grundlage der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Namibia ist das bilaterale Kulturabkommen von 1991. Die deutschsprachige Gemeinschaft pflegt ein sehr aktives Kulturleben, verfügt über ein dichtes Netzwerk von Institutionen und spielt eine tragende Rolle im namibischen Wirtschaftsleben. Sie ist von der Regierung als integraler Bestandteil der Gesellschaft anerkannt. Die deutsche Sprache ist in Namibia noch sehr präsent – als Muttersprache der deutschsprachigen Namibierinnen und Namibier, in der "Allgemeinen Zeitung", im deutschen Rundfunkprogramm des öffentlich-rechtlichen Senders NBC, im privaten Radiosender "Hit-Radio", aber auch im Tourismussektor mit seiner immens wachsenden Bedeutung für die Zukunft der namibischen Wirtschaft.

Goethe-Institut

Zum 01.01.2016 wurde das bis dahin von der namibisch-Deutschen Stiftung getragene Goethe-Zentrum in ein Goethe-Institut umgewandelt. Die Bundesregierung löste damit ein bereits 1991 gegebenes Versprechen ein. Seit April 2017 ist das Institut voll arbeitsfähig, seine Deutschkurse sind sehr gut frequentiert. 

Deutsche Höhere Privatschule Windhuk (DHPS)

Die DHPS ist eine bilinguale Begegnungsschule. Sie führt nach 12 Jahren entweder zum namibischen Sekundarabschluss (ergänzt um das Deutsche Sprachdiplom DSD II) oder zur Deutschen Internationalen Abiturprüfung DIAP (mit starker fremdsprachlicher Komponente). Etwa 800 der rund eintausend Schülerinnen und Schüler sind namibische Staatsangehörige; 300 Schülerinnen und Schüler haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Das Auswärtige Amt fördert die Schule personell durch die Vermittlung von Lehrkräften sowie durch jährliche Schulbeihilfen.

Deutsche Sprache/PASCH-Netzwerk

Die deutsche Sprache genießt v.a. aus wirtschaftlichen Erwägungen eine hohe Attraktivität. Ende 2016 erlernten an 53 zumeist staatlichen Schulen ca. 9.000 Schülerinnen und Schüler Deutsch als Mutter- oder Fremdsprache. Botschaft, GI und ZfA fördern mittlerweile acht Partnerschulen (PASCH) in Namibia. Weitere Förderung der deutschen Sprache erfolgt u.a. durch: 

  • Mitfinanzierung von Schüleraustauschprogrammen und -stipendien

  • Entsendung einer Lektorin an die germanistische Abteilung der University of Namibia (UNAM)

  • Fortbildungen und Programmangebote der Deutschen Welle für das deutschsprachige Hörfunkprogramm der staatlichen "Namibia Broadcasting Corporation" (NBC).

Wissenschaft und Hochschulen

Seit 2004 betreibt das Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg, gemeinsam mit der University of Namibia UNAM sowie mehreren europäischen Partnern das "H.E.S.S. Teleskop" zur Erforschung hochenergetischer kosmischer Strahlung im zentralnamibischen Khomas-Hochland. Im September 2012 wurde das Teleskop im Beisein des namibischen Bildungsministers seiner Bestimmung übergeben. Mit den beiden namibischen Hochschulen University of Namibia (UNAM) und Polytechnikum kooperiert Deutschland in vielfältiger Weise, so durch die Entsendung von Dozenten, durch Hochschulpartnerschaften sowie durch gemeinsame Einrichtungen wie das Logistikzentrum des Polytechnikums mit der Fachhochschule Flensburg, das 2009 im Rahmen der "Aktion Afrika"-Exzellenzinitiative entstand. Während des Besuchs der damaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung Schavan im April 2012 in Windhuk wurde eine Absichtserklärung zur Schaffung eines regionalen "Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management" (SASSCAL) in Windhuk unterzeichnet, zu dessen Einrichtung Deutschland mit rund 50 Millionen Euro einen signifikanten Beitrag leistet.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt Postgraduiertenstipendien für namibische Nachwuchskräfte in Deutschland sowie "Sur-Place"-Stipendien.

Kulturerhalt

Im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts wurden seit 1985 über eine Million Euro in Namibia investiert. Das Spektrum reicht von der Restaurierung der Felsmalereien am Brandberg und von historischen Dampflokomotiven und Waggons über Projekte zum Erhalt und zur Dokumentation mündlicher Überlieferungen und musikalischer Zeugnisse bis hin zum Erhaltung deutscher Kolonialarchitektur (Estorffhaus, Offiziershaus Warmbad, Haus der Namibischen Wissenschaftlichen Gesellschaft Windhuk), die auch von Regierung und Gesellschaft Namibias als Teil der eigenen Geschichte und ihres kulturellen Erbes betrachtet wird.

Sport

Die deutsch-namibische Zusammenarbeit in der Sportförderung ist intensiv. Der Deutsche Olympische Sportbund entsendet mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts regelmäßig Experten nach Namibia, so zu Kurzzeitprojekten zur Förderung von Leichtathletik, Basketball und Frauenfußball. Zur Unterstützung der nachhaltigen Sportförderung sind regelmäßig deutsche Sport-Trainer im Rahmen von Langzeitprojekten in Namibia tätig. Schwerpunkte liegen in der Jugendförderung und in der Trainerausbildung. Außerdem werden jährlich namibische Übungsleiter in Deutschland weitergebildet. Mit regelmäßigen Sportgerätespenden fördert das Auswärtige Amt namibische Partner im Bereich des Breitensports.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Namibia ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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