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Beziehungen zu Deutschland Indien

Artikel

Stand: Mai 2018

Politische Beziehungen

Indien zählte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den ersten Staaten, die die Bundesrepublik Deutschland diplomatisch anerkannten. Heute sieht Indien in Deutschland einen wichtigen Partner auf der Suche nach seiner neuen weltpolitischen und regionalen Rolle und vor allem für seine ambitionierten wirtschaftlichen Reformprogramme und den Ausbau der indischen Industrie. Grundlage der Beziehungen ist die "Agenda für die Deutsch-Indische Partnerschaft im 21. Jahrhundert" vom Mai 2000, die seither durch weitere gemeinsame Erklärungen fortgeschrieben wurde.
Der anhaltende beiderseitige Besucheraustausch gibt den Beziehungen starke Impulse. Zuletzt besuchte Bundespräsident Steinmeier Indien im März 2018 und Premierminister Modi traf die Bundeskanzlerin einen Monat später in Berlin. Besonders wichtig sind auch  die Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen, zu denen die Kabinette beider Länder seit 2011 im Zweijahresrhythmus abwechselnd in Deutschland und Indien zusammenkommen. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf Bereiche  wie Energie, Wirtschaft, Berufsbildung, Kultur- und Wissenschaft, Sicherheit und Landwirtschaft. Deutschland und Indien verbindet das gemeinsame Interesse an der Aufrechterhaltung regelbasierter internationaler Ordnung, vor allem auch im maritimen Bereich. Der gemeinsame Kampf gegen internationalen Terrorismus gewinnt immer mehr an Bedeutung. Sicherheit des Cyberraums ist ein Themenfeld, bei dem deutsche und indische Positionen oft eng beieinanderliegen. In den Vereinten Nationen und anderen multilateralen Foren haben sich bewährte Kooperationsformen entwickelt, unter anderem gemeinsam mit Japan und Brasilien in der Gruppe der „G4“ zur Reform der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrats. Indien versteht sich aufgrund seiner Bevölkerungszahl und seines sehr schnellen wirtschaftlichen Wachstums als regionale und immer mehr auch globale Gestaltungsmacht. Für Deutschland und Indien ergeben sich daraus aufgrund häufig konvergierender Interessen immer mehr Ansatzpunkte zur Zusammenarbeit.   

Wirtschaft

Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU und (in absoluten Zahlen) sechstwichtigster Handelspartner im weltweiten Vergleich. Seit Beginn der indischen Reformpolitik und Öffnung der indischen Wirtschaft 1991 hat das bilaterale Handelsvolumen rasant zugenommen.  Der bilaterale Handel zwischen Indien und Deutschland hat im Jahr 2017 weiter zugelegt und liegt nun bei einem Volumen von rund 19,2 Mrd. Euro.  Deutschen Ausfuhren im Wert von 10,7 Mrd. Euro standen Einfuhren aus Indien im Wert von etwa 8,5 Mrd. Euro gegenüber.
In der Rangfolge der deutschen Handelspartner steht Indien auf Platz 26, bei Einfuhren auf Platz 27 und bei Ausfuhren auf Platz 25. Umgekehrt steht Deutschland in Indien als Lieferant an 9. Stelle und als Abnehmer indischer Waren an 7. Stelle. Der Anteil der deutsch-indischen Handelsbeziehungen am deutschen Gesamthandelsvolumen beträgt jedoch weniger als 1%. Der nach wie vor bestehende deutsche Handelsüberschuss von rund 2,2 Milliarden Euro (2017) basiert auf hoher indischer Nachfrage insbesondere nach deutschen Investitionsgütern (Maschinen, die etwa ein Drittel am Gesamtexport nach Indien ausmachen, sowie Elektrotechnologie, Metallwaren, Chemie, Automobile und Automobilteile).
Der Schwerpunkt indischer Exporte nach Deutschland liegt im Textilbereich, gefolgt von chemischen Erzeugnissen, Elektrotechnologie, Metallwaren, Leder und Nahrungsmitteln.

Zu den wichtigsten deutsch-indischen Wirtschaftsabkommen zählen:

    Abkommen über Soziale Sicherheit von 2011, in Kraft ab 05.04.2018
    Doppelbesteuerungsabkommen, am 19.12.1996 in Kraft getreten;
    Handelsabkommen vom 31.03.1955;
    Vereinbarungen über die Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung von 1971 und 1974.

Direktinvestitionen

Deutschland zählt seit Jahrzehnten zu den zehn wichtigsten ausländischen Direktinvestoren in Indien, deutsche Investitionen lagen Dezember 2017 bei einer Gesamthöhe von 10,7 Mrd. US-Dollar. Schwerpunktbereiche der Investitionen waren die Verkehrs-, Elektro- und Metallbranche. Über die letzten Jahre führte der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von circa 26% (insbesondere Versicherungen), gefolgt von der Bauwirtschaft und der Automobilindustrie. Die neuen Direktinvestitionen im Finanzjahr 2016/2017 aus Deutschland betrugen rund 1069 Millionen USD-Dollar (im Vorjahr: 986 Millionen US-Dollar). Diese Zahl steht für unmittelbare Geldflüsse. Sie umfasst keine indirekten Investitionen und entspricht damit bei weitem nicht dem tatsächlichen Engagement deutscher Firmen. Umgekehrt erreichen die Direktinvestitionen indischer Unternehmen in Deutschland mittlerweile 6,5 Mrd. Euro.

Entwicklungszusammenarbeit

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit Deutschlands mit Indien ist ein wichtiger Bestandteil der bilateralen Beziehungen. Indien ist "Globaler Entwicklungspartner" und hat eine Schlüsselrolle bei globalen Entwicklungsfragen, dem Schutz globaler öffentlicher Güter, dem Erreichen nachhaltiger Entwicklungsziele (SDG) sowie bei internationalen Prozessen (G20, WTO-Doha-Runde, Klimaverhandlungen, Habitat III). Indien ist zudem ein Land extremer wirtschaftlicher und sozialer Gegensätze und hat weltweit mit 450 Millionen die größte Zahl absolut armer Menschen. Auf der anderen Seite führt die rasante wirtschaftliche Entwicklung dazu, dass mehrere hundert Millionen Menschen in den letzten beiden Jahrzehnten der Armut entkommen konnten. Gleichzeitig führen Industrialisierung und Urbanisierung auch zu gravierenden Umweltschäden. Indien ist inzwischen weltweit drittgrößter Emittent klimaschädlicher Gase.
Indien ist ein selbstbewusster Entwicklungspartner und weit entfernt von einer finanziellen ODA-Abhängigkeit (Official Development Assistance). Der ODA-Anteil am Bruttonationaleinkommen beträgt lediglich 0,1%. Trotz weiterhin immenser Herausforderungen werden nur noch wenige Geber akzeptiert. Deutschland ist nach Japan der zweitgrößte bilaterale Geber und setzt fast alle Instrumente der entwicklungspolitischen Gestaltungmöglichkeiten ein. Unter anderem fördert die Entwicklungszusammenarbeit mit Indien auch privatwirtschaftliches Engagement, z.B. über die Deutsche Investitions- und Entwicklungsbank (DEG), Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft (develoPPP) oder im Rahmen des Kammer- und Verbandspartnerschaftsprogrammes.
2016 wurde vereinbart, die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit auf folgende Schwerpunkte auszurichten:

    Energie: Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Zugang zu Energie zur Armutsminderung;
    Nachhaltige Stadtentwicklung: Verbesserung des städtischen und industriellen Umweltschutzes und der städtischen Infrastruktur, Klimaanpassung und Emissionsminderung, Verbesserung der Lebensbedingungen der armen Bevölkerung;
    Umwelt- und Ressourcenschutz: Schutz der natürlichen Ressourcenbasis, Stärkung von Klimaanpassungskapazitäten sowie Steigerung der Produktivität und Einkommen in ländlichen Regionen. Dazu tragen auch die Maßnahmen der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ bei, in die Indien als erstes Land in Asien eingebettet ist.

Daneben unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit den Zugang zu Finanzierung und Innovationsförderung für Kleinst-, kleine und mittelständische Unternehmen für Wirtschaft- und Beschäftigungsförderung, den Aufbau eines praxisorientierten (dualen) Berufsbildungssystems und leistet Anschub für innovative Ansätze z.B. in der Sozialpolitik oder bei der Förderung von „Start-Up-Unternehmen“.

Bildung und Kultur

In Indien gibt es sechs Goethe-Institute, die unter dem Namen "Max Mueller Bhavan" - benannt nach dem deutschen Indologen Max Müller (1823-1900) - arbeiten. Die Institute leisten Programm-, Sprach- und Informationsarbeit in New Delhi, Kalkutta, Chennai, Bangalore, Mumbai und Pune. Das Institutsnetzwerk wird ergänzt durch fünf Goethe-Zentren in Ahmedabad, Chandigarh, Coimbatore, Hyderabad und Trivandrum. Neben der Veranstaltung und Organisation von Kulturprogrammen bildet die Spracharbeit einen wichtigen Schwerpunkt. Derzeit nehmen jährlich etwa 18.000 Personen an Deutschkursen der Goethe-Institute und -Zentren in Indien teil.
Im Rahmen der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) werden in Indien derzeit 47 Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird, durch das Goethe-Institut und sechs Schulen durch die Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA) unterstützt. Zusätzlich gibt es zwei Deutsche Schulen in Neu-Delhi und Mumbai. Die Zahl der Deutschschüler/innen an diesen Schulen liegt bei circa 12.800. Durch die ZfA werden zusätzlich fünf weitere Schulen betreut, die noch keinen PASCH-Status besitzen. Erstmals konnte im vergangenen Schuljahr mit Sondergenehmigung der Kultusministerkonferenz durch die ZfA auch das Deutsche Sprachdiplom Niveaustufe II abgenommen werden.
Das Goethe-Institut arbeitet seit Jahren mit der landesweit tätigen Schulkette Kendriya Vidyalaya Sangathan (KVS) zusammen - die Zahl der Schüler, die an ca. 320 Schulen dieser Schulkette Deutsch lernen, liegt bei mehr als 60.000. Ein Hemmschuh ist nach wie vor die fehlende Deutschlehrerausbildung an indischen Universitäten. Darüber hinaus gibt es im Rahmen der „Bildungskooperation Deutsch“ des Goethe Instituts etwa 170 weitere Schulen in Indien, die mit großem Erfolg Deutsch als Fremdsprache anbieten.
Bei den Regierungskonsultationen im Oktober 2015 wurde eine gemeinsame Absichtserklärung zur Förderung von Deutsch als Fremdsprache in Indien und zur Förderung des Unterrichts in modernen indischen Sprachen in Deutschland unterzeichnet. An der Umsetzung wird von beiden Seiten gearbeitet. Vertretern des National Council for Educational Research and Training (NCERT) wurde bei einer Themenreise im September 2017das deutsche Schulsystem näher gebracht.
Die Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in New Delhi fördert die bilaterale Hochschul- und Forschungskooperation und bietet Stipendienprogramme und Studienberatung an. Dazu gehören alle regulären Förderprogramme sowie eine Reihe von indienspezifischen, zum Teil ko-finanzierten Sonderprogrammen. Im Wintersemester 2016/2017 waren rund 15.500 indische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Das entspricht einer Steigerung um 13% gegenüber dem Vorjahr.

Wissenschaft und Technologie

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit mit Indien reicht bis Ende der fünfziger Jahre zurück und gründet unter anderem auf zwei Regierungsabkommen von 1971 und 1974. Langjährige und tiefgreifende wissenschaftliche Kooperation gibt es auf vielen verschiedenen Feldern. Seit den neunziger Jahren finden regelmäßig Treffen auf Staatssekretärsebene statt. 
Im Oktober 2012 wurde in New Delhi das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) eingeweiht. Die Zusammenführung deutscher Wissenschafts- und Forschungsinstitutionen unter einem Dach soll indischen und deutschen Wissenschaftlern und Studierenden den Aufbau von Kontakten erleichtern und die Sichtbarkeit Deutschlands als Wissenschafts- und Forschungsstandort erhöhen. Die Entscheidung des Auswärtigen Amts, in Delhi eines von fünf Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäusern weltweit einzurichten, unterstreicht den hohen Stellenwert, der Indien als Partner für Wissenschaft und Forschung beigemessen wird. Mit seinen 15 Konsortialmitgliedern ist das DWIH in New Delhi das größte der fünf Häuser.
Deutschland unterhält mit Indien ein bilaterales Forschungsförderzentrum - ein für Deutschland einzigartiges Modell. Dieses "Indo-German Science and Technology Center" (IGSTC) in Gurgaon wird seit 2008 von Deutschland und Indien zu gleichen Teilen finanziert, zunächst mit jährlich je 2 Millionen Euro, seit 2017 mit der doppelten Summe: je 4 Millionen Euro jährlich. Es fördert bilaterale, anwendungsorientierte Forschungsprojekte unter Einbeziehung von Unternehmen auf beiden Seiten.
Indien ist an mehreren Großforschungseinrichtungen in Deutschland maßgeblich beteiligt. Der indische Beitrag zum multinationalen Teilchenbeschleuniger FAIR in Darmstadt beträgt rund 30 Millionen Euro. Auch in Nutzungsrechte des Teilchenbeschleunigers DESY in Hamburg hat Indien erheblich investiert.
Für Indien ist Deutschland weltweit der zweitwichtigste Forschungspartner hinter den USA. Das zeigt die große Zahl gemeinsamer deutsch-indischer wissenschaftlicher Publikationen. In Deutschland bilden über 1.000 indische Doktoranden die zweitgrößte Gruppe ausländischer Promotionsstudenten hinter China. Die Zusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit Indien entwickelt sich auf Grundlage eines Abkommens mit dem indischen Forschungsministerium sehr dynamisch: Im Jahr 2016 kamen über 800 Wissenschaftler aus Indien an Max-Planck-Institute. 
Für die Alexander-von-Humboldt-Stiftung ist Indien nach den USA, Russland und Chinas das wichtigste Partnerland. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist seit 2006 mit einem Büro in New Delhi vertreten. 
Im November 2012 hat die Fraunhofer-Gesellschaft eine permanente Repräsentanz in Bangalore eröffnet. 2015 hat das indische Ministerium für Schwerindustrie mit Fraunhofer ein Abkommen geschlossen, in dessen Rahmen Fraunhofer umfassende Beratungsleistungen erbringt. Das Südasien-Institut der Universität Heidelberg ist seit 1962 mit einer Außenstelle in New Delhi vertreten und hat eine wichtige Brückenfunktion für Indologen deutscher und indischer Forschungsinstitutionen. In den vergangenen Jahren haben weitere deutsche Universitäten Repräsentanzen in Indien eröffnet: FU Berlin, Universität Göttingen, Universität Köln und TU München.

Umwelt

Indien steht vor massiven Herausforderungen hinsichtlich des städtischen und industriellen Umweltschutzes. Der langfristige und nachhaltige Schutz der Böden, die Bekämpfung von Lärm, die Reinhaltung des Wassers und der Luft sowie der Erhalt der Artenvielfalt sind grundlegend, um Gesundheit und Lebensqualität vor Ort zu sichern. Sie sind auch Fragen von globaler Bedeutung. Indien und Deutschland arbeiten gemeinsam daran, international vereinbarte Umweltziele zu erreichen.
Angesichts der Herausforderungen im Umwelt- und Klimabereich setzt Deutschland auf einen verstärkten politischen Dialog mit Indien. Das 2. Deutsch-Indische Umweltforum hat 2015 eine Reihe von gemeinsamen Arbeitsgruppen auf den Weg gebracht, die zu den Themen Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung, Wasser Abfall/Kreislaufwirtschaft sowie zur biologischen Vielfalt tagen. Das nächste Deutsch-Indische Umweltforum soll voraussichtlich im Herbst 2018 in New Delhi stattfinden.
Die Bereiche Umwelt- und Klimaschutz sind traditionell Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit (siehe dort). 
Im Rahmen der 2008 von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) werden auch Projekte in Indien gefördert. Diese beschäftigen sich u.a. mit erneuerbaren Energien, biologischer Vielfalt, Abfallmanagement sowie der nachhaltigen Stadtentwicklung. 
Als erstes großes Schwellenland trat Indien im März 2009 der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) bei. Ergänzend zur IRENA-Mitgliedschaft ist Indien Gründungsmitglied des im Juni 2013 in Berlin gegründeten "Clubs der Energiewendestaaten". Am 2. Oktober 2016 ratifizierte Indien das Pariser Klimaschutzabkommen. Am 11. März fand in Neu Delhi auf Einladung von Premierminister Modi der Gründungsgipfel der Internationalen Solar Alliance (ISA) statt. Die Allianz will international dafür werben, dass weltweit hinreichend Mittel für erneuerbare Energien bereitgestellt werden.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


Weitere Informationen

Indien ist ein Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
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