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Inlandspraktikum als IT-Girl (Jana, RSA 11)

IT-Girl Jana im Einsatz

IT-Girl Jana im Einsatz, © AA

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„Jedes Problem ist individuell“ weiß Jana nach ihrem Inlandspraktikum im IT-Referat des Auswärtigen Amts.

„Wer von Ihnen hätte denn Lust, das Inlandspraktikum im IT-Referat zu verbringen?“ fragte uns unsere Ausbildungsleiterin Frau Barnhusen bei einem Lehrgangstreffen zum Thema Inlandspraktikum. Niemand meldete sich auf diese Frage, was Frau Barnhusen dazu veranlasste, zu betonen, dass für dieses sechswöchige Praktikum keinerlei IT-Kenntnisse oder Erfahrungen im IT-Bereich nötig seien.

In der darauffolgenden Stille überlegte ich „Warum eigentlich nicht?“ und aus dem Moment heraus hob ich die Hand und meldete mich. Damit war ich für das Referat der Anwenderbetreuung eingeteilt.

Bis zum Praktikumsbeginn Mitte Oktober vergingen noch einige Wochen und ich hatte Zeit mir Fragen zu stellen, wie „Wie kommt man im IT-Referat klar, wenn man nur normale Anwenderkenntnisse in Word und Excel hat?“, „Was macht man eigentlich in einem Referat, wenn man keine Ahnung von dem hat, was sie dort tun?“ und vor allen Dingen „Wieso überhaupt habe ich mich bloß gemeldet, anstatt das Praktikum einfach wie viele andere in einer Registratur zu verbringen?“

Ich stellte mir vor, dass mir schon nach dem ersten Vormittag vor lauter Fachbegriffen wie Browsern, Servern, Clients, Grafikkarten und Netzwerken die Ohren rauschen würden und dass ich bis zum Ende des Praktikums nur Bahnhof verstehen würde. Würde ich außerdem die einzige Frau unter jeder Menge bebrillter Computerverrückter sein, die sich anschweigen und nur auf ihre verschiedenen Bildschirme starren? Trotz der Zweifel an meinen eigenen Fähigkeiten war ich auch gespannt auf den Blick hinter die Kulissen der IT und habe mich gefreut, alle oben genannten (eventuell übertriebenen?!) Vorurteile selbst prüfen zu können und mir mein eigenes Bild machen zu dürfen.

Nun hat schon die vierte Woche des Praktikums begonnen. Erste gute Nachricht: Ich lebe noch und liege nicht in einem der vielen Serverräume unter Metern von Kabeln begraben. Zweite gute Nachricht: Fachchinesisch? Keine Spur. Bisher war alles, was mir erklärt wurde, absolut verständlich und logisch.

Inzwischen habe ich schon sehr viel gelernt und in viele Bereiche einen Einblick bekommen. Die ersten zwei Wochen war ich hauptsächlich im Bereich der Ticketbearbeitung involviert. Jeder Anwender hat die Möglichkeit seine Probleme telefonisch oder per Mail darzustellen, welche dann jeweils in einem sogenannten Ticket verwaltet und bearbeitet werden. Falls die IT-Betreuer in den Auslandsvertretungen nicht weiterkommen, wenden auch sie sich an den IT-Service. Somit habe ich bei der Installation von referats-spezifischen Programmen (z.B. zur Abrechnung von Reisekosten) geholfen und bei der Reparatur von defekten Druckern oder Faxgeräten, flackernden oder plötzlich pinkfarbenen Bildschirmen zugeschaut.

Anwenderbetreuung im IT-Referat
Anwenderbetreuung im IT-Referat© AA

Jedes Problem ist individuell. Mal hakt es hier, mal hakt es da. Gerade das macht es spannend und abwechselungsreich. Natürlich gibt es auch Routinearbeiten, wie die Verwaltung der Benutzer - das heißt die Zuteilung von neuen Rechten und Rollen. Nach dem einheitlichen Versetzungstermin jedes Jahr sitzt in etwa ein Viertel der Bediensteten an einem anderen Arbeitsplatz mit anderen Aufgaben. Das wirkt sich natürlich auch auf die Arbeit am PC und somit in der IT aus.

Die Arbeitsfelder in der IT-Abteilung sind vielfältig : Es werden zum Beispiel Notebooks und Smartphones für Dienstreisen, Abordnungen oder Teleheimarbeitsplätze ausgegeben. Außerdem wird auch auf individuelle Ansprüche körperlich behinderter Mitarbeiter geachtet und Rücksicht genommen. Die Möglichkeiten reichen hier von einfachen Bildschirmlupen für Sehbehinderte bis zu komplett ausgestatten mobilen Blindenarbeitsplätze mit Braillezeile (ein Gerät, welches Zeichen in Brailleschrift darstellt) und Vorleser.

Einen Tag lang habe ich in der Akademie in Tegel beim Aufbau einiger Computer in den Unterkünften mitgeholfen und die Bereinigung der Internetrechner durchgeführt (durch die Anmeldung vieler verschiedener Anwender an dem gleichen Computer werden diese immer langsamer – aus diesem Grund müssen sie ab und an „bereinigt“ werden).

An einem anderen Nachmittag durfte ich den neuen Internet Terminal Server testen, welcher demnächst allen Anwendern zur Verfügung stehen wird.

Auch die Referatssitzungen sind interessant. Ein Teil der Belegschaft sitzt in Bonn - aber was wäre eine IT-Abteilung, wenn es hierfür keine technische Lösung geben würde? Also wird regelmäßig eine Videokonferenz mit den Kollegen in Bonn geschaltet.

In den nächsten zwei Wochen darf ich in der Registratur und der Verwaltung reinschnuppern und dort sicherlich vieles lernen. Anschließend werde ich die letzte Woche noch einmal in der Anwenderbetreuung verbringen

In anderthalb Monaten wird man natürlich kein ausgebildeter Fachinformatiker, pardon, Fachinformatikerin - wobei mir noch einfällt, welches Vorurteil in den letzten Wochen auch widerlegt wurde – Frauen sind hier nämlich sehr wohl vertreten! Und Brillenträger gibt es auch nicht mehr als in der Durchschnittsbevölkerung. Die Kollegen sind sehr nett, hilfsbereit und werden nicht ungeduldig, mir alles genau zu erklären. Und wenn ich dann zum Beispiel zu einem defekten Faxgerät im Haus geschickt werde, dann bauen wir vorher auch schon einmal ein funktionierendes auseinander und es werden mir häufig auftauchende Probleme erklärt. Nach solch einer Einweisung kann man dann oft schon den Defekt beheben.

Würde Frau Barnhusen heute nochmal fragen : „Wer von Ihnen hätte Lust, das Inlandspraktikum im IT-Referat zu verbringen?“, ich würde mich wieder melden. Die Ausbildung ist nicht nur interessant, sie hilft einem sowohl im beruflichen Bereich als IT-Betreuer an den Auslandsvertretungen wie auch im privaten Bereich weiter.

Die Aufgaben in der IT sind abwechselungsreich und vielfältig. Die Scheu, die viele davor haben, habe ich vollkommen verloren. Und wenn man sich vorstellt, dass alles, was die Computer zum Laufen bringt, nur auf 1 und 0 basiert, kann man nur noch staunen!

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