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Rede von Außenminister Johann Wadephul in São Paulo bei der AHK-Konferenz „EU-Mercosur-Abkommen – Chancen für eine grüne und digitale Zukunft“

02.07.2026 - Rede

Ich freue mich wirklich sehr, hier zu sein!

Vor allem, weil ich eigentlich schon Anfang März nach Brasilien kommen wollte und meine Reise wegen des Kriegs in Iran verschieben musste.

Damals wollte ich mit einem herzlichen Glückwunsch an Lucas Pinheiro Braathen einsteigen. Nun liegt sein Olympia-Sieg im Riesenskislalom ja bereits einige Monate zurück. Und heute sprechen aller über die Fußball-WM – für uns Deutsche gerade nichts das einfachste Thema.

Aber ich bin nach wie vor beeindruckt von seiner Leistung: der erste Südamerikaner ganz oben auf dem Treppchen bei den Olympischen Winterspielen. Das zeigt: Es ist immer möglich, etwas Unerwartetes zu erreichen!

Meine Damen und Herren, eine weitere herausragende Leistung Anfang dieses Jahres war der Abschluss des EU-MECOSUR-Abkommens!

Manch ein Beobachter hielt diesen Abschluss auch bereits für unterwartet. Denn die Widerstände waren groß, 25 Jahre lang ist verhandelt worden.

Aber am Ende einte uns der gemeinsame Wille zum Erfolg, die Unterschriften sind geleistet worden und das Abkommen ist da!

Wir handelten in einer globalen Lage, die keine weiteren Verzögerungen mehr zuließ: Wie wichtig freier Handel für die Unternehmen unserer Regionen ist, hat der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus zuletzt schmerzhaft verdeutlicht. Und das Problem ist nach wie vor nicht gelöst.

Denn, wenn Containerschiffe und Tanker plötzlich wochenlang feststecken, wenn lang etablierte globale Abläufe von heute auf morgen enden, wird das – in vernetzten Industrieländern wie Deutschland und Brasilien – zur Zerreißprobe für die unternehmerische Planbarkeit.

Gar nicht zu sprechen von der gleichzeitigen Herausforderung durch volatile Zölle für wichtige Exportmärkte und dem steigenden Druck auf internationale Handelsregeln.

Das ist keine einfache Ausgangslage, vor der wir alle miteinander stehen!

Ich übertreibe also nicht, wenn ich sage: Unser Abkommen ist ein historischer Meilenstein für unsere beiden Regionen.

Weil wir zusammen eine der größten Freihandelszonen der Welt bilden – mit einem Markt von über 700 Millionen Verbrauchern!

Weil wir als EU- und MERCOSUR-Staaten in schwierigen Zeiten ein strategisches Zeichen gesetzt haben: für offenen, regelbasierten und beidseitig vorteilhaften Handel.

Und weil wir gleichzeitig zeigen: Wir stehen als Demokratien und Rechtsstaaten zusammen und verbinden unsere Gesellschaften, die von denselben Werten getragen werden!
Meine Damen und Herren, 2026 feiern wir 75 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern! Beziehungen, die sich auch in einem starken wirtschaftlichen Band zeigen:

Brasilien ist – mit einem bilateralen Warenhandelsvolumen von ca. 21 Milliarden Euro im Jahr 2025 – mit Abstand Deutschlands wichtigster Handelspartner in Südamerika. Deutsche Unternehmen exportieren jährlich Waren für fast 13 Milliarden Euro nach Brasilien.

Deshalb begleitet mich auf dieser Reise auch eine größere Wirtschaftsdelegation – aus wichtigen deutschen Industriebereichen wie Energie, Rohstoffen und Verteidigung.

Gleichzeitig ist auch Deutschland Brasiliens wichtigster Handelspartner in Europa. Hierzulande gibt es mehr als tausend deutsch-brasilianische Unternehmen, die erheblich zum brasilianischen BIP beitragen und tausende von Arbeitsplätzen schaffen.

Deutsche Unternehmen investieren in Maschinenbau, in der Automobilbranche, in der chemischen und der Elektroindustrie – und zunehmend auch in zukunftsorientierte Bereiche wie Wasserstoff und erneuerbare Energien.

Brasilien wiederum ist nicht nur ein wichtiger Lieferant für kritische Rohstoffe, sondern verfügt auch über einen der saubersten Strommixe der Welt und hat enormes Potenzial für Wind-, Solar- und Biomasseenergie. Ihr Land ist also auch für grünen Wasserstoff ein wichtiger Partner für uns.

Meine Damen und Herren, das aktuelle Gesamthandelsvolumen zwischen der Europäischen Union und MERCOSUR beträgt 111 Milliarden Euro pro Jahr – davon entfallen bei Waren ca. 25 Prozent auf Deutschland.

Das EU-MERCOSUR-Abkommen ermöglicht unseren Unternehmen nun, ihre Handelsströme weiter zu diversifizieren, gegenseitige Investitionen zu steigern und somit auch Innovation zu beschleunigen. Denn es senkt Zölle, verringert Investitionshemmnisse und sorgt für Rechtssicherheit und Planbarkeit für Unternehmen auf beiden Seiten!

Nicht ohne Grund gehörten Deutschland und Brasilien zu den stärksten Befürwortern des Abkommens.

An dieser Stelle mein herzlicher Dank für die starke Führungsrolle Brasiliens! Danke, dass Sie bei der Schnelligkeit der Ratifizierung dem Vorbild von Lucas Pinheiro Braathen gefolgt sind!

Ich persönlich habe innerhalb der Europäischen Union für das vorläufige Inkrafttreten ab dem 1. Mai dieses Jahres geworben. Denn ich bin überzeugt davon, dass wir die beidseitigen Vorteile nun schnell ausschöpfen müssen und damit bestehende Zweifel beseitigen können!

Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer, liebe Verbandsvertreterinnen und Vertreter, machen Sie Gebrauch von diesem Abkommen! Lassen Sie es uns gemeinsam nutzen, um unsere Wirtschaftsbeziehungen weiter auszubauen und die industrielle Basis unserer Volkswirtschaften zu stärken – von kritischen Rohstoffen und grüner Energie bis hin zu High-Tech-Sektoren.

Jetzt freue ich mich darauf, von Ihnen zu hören, welche Erwartungen Sie haben und wie Sie die Vorteile des Abkommens schon heute nutzen. Und natürlich auch auf Ihre Einschätzung, wie die Vereinbarung künftig noch verbessert werden kann!

Ich danke Ihnen.

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