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Rede von Außenminister Johann Wadephul anlässlich seiner Reise nach Lateinamerika beim Empfang in der Deutschen Botschaft in Buenos Aires

30.06.2026 - Rede

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, sehr geehrter Herr Botschafter, lieber Herr Lamlé!

Zunächst einmal mein herzlicher Dank an Sie persönlich für Ihren Dienst und natürlich auch an Ihre Frau für die Gastfreundschaft. Danke, dass Sie extra Ihren Ruhestand nach hinten verschoben haben, um mich heute hier zu empfangen!

Es ist mir wirklich eine große Freude, hier in Buenos Aires zu sein. Diese Reise wollte ich eigentlich schon im Frühjahr antreten; sie musste dann wegen des Krieges in Iran leider verschoben werden.

Und jetzt muss ich zugeben: Während einer Fußball-Weltmeisterschaft nach Argentinien zu kommen, ist nicht unbedingt der einfachste Zeitpunkt für einen deutschen Außenminister. Aber in Paraguay gestern war es sogar noch ein bisschen schwieriger.

Hier in Argentinien dreht sich ja gerade alles um Lionel Messi, den wir alle bewundern. Er hat gerade Miroslav Klose als Rekordhalter der meisten WM-Tore abgelöst hat.

Aber natürlich wissen wir alle: Titel gewinnt man nicht allein, ein Star allein reicht nicht aus.

Titel gewinnt man mit einer Mannschaft!

Mit Mitspielern, die alle ihren Teil beitragen.

Mit Partnern, auf die man sich verlassen kann.

Und das, meine Damen und Herren, gilt nicht nur im Fußball, sondern auch für die internationale Politik. Auch Staaten brauchen verlässliche Partner.

Nicht nur für die guten Zeiten. Sondern gerade dann, wenn die Herausforderungen – wie wir es im Moment auf der Weltbühne sehen – größer werden: In einer Zeit, in der Demokratien von innen und von außen unter Druck stehen. In einer Zeit, in denen Krisen und Kriege den politischen Alltag beherrschen. In einer Zeit, in der internationale Handelsrouten fragmentierter werden und es immer weniger internationale Regeln zu geben scheint.

Genau jetzt braucht es Partner, die langfristig denken. Die Vertrauen aufbauen. Partner, die nicht nur kommen, wenn es etwas zu gewinnen gibt, sondern die dauerhaft bleiben.

Argentinien ist für Deutschland ein solcher Partner.

Und Deutschland auch umgekehrt für Argentinien. Dafür sind wir dankbar.

Meine Damen und Herren, die historisch-kulturellen Beziehungen unserer beiden Länder sind untrennbar miteinander verwoben.

Letztes Jahr haben wir zusammen ein besonderes Jubiläum gefeiert: „200 Jahre deutsche Einwanderung nach Argentinien“. Denn schon 1825 kamen die ersten deutschen Siedler hierher.

Das war der Beginn einer langfristigen Migrationsgeschichte, die dieses Land bis heute in vielen Bereichen prägt: In den Cafés von Buenos Aires sieht man auch 2026 noch Bücher von Kafka, Freud und Goethe; allabendlich erklingt beim Tango porteño das Bandoneon – ein deutsches Instrument. Und ich habe gehört, – als gelernten Juristen freut mich das natürlich besonders – dass argentinischen Rechtsanwälten auch die deutschen Strafrechtler Jakobs und Roxin ein Begriff sind.

Aber uns verbinden auch schwierige Kapitel unserer jeweiligen Vergangenheit: Unsere Länder eint das Bewusstsein, dass sich Geschichte nicht umschreiben lässt. Dass Erinnerungsarbeit und geschichtliche Aufarbeitung einen dauerhaften Platz in unserer Gesellschaft benötigen – gerade, wenn es um die jüngere Generation geht.

An dieser Stelle möchte ich Argentinien – auch im Namen der jüdischen Gemeinde – dafür danken, dass Sie dieses Jahr den Vorsitz der International Holocaust Remembrance Alliance übernehmen. Als erstes lateinamerikanisches Land, das diesen Vorsitz innehat, sind Sie damit ein Vorbild für die ganze Region.

Meine Damen und Herren, wir Deutschen haben manchmal den Ruf verschlossen zu sein. Das mag insbesondere für die Norddeutschen, wie mich, gelten.

Wir brauchen – anders als Argentinier – oft eine gewisse Zeit, bis wir uns öffnen und Freundschaften schließen. Aber wenn wir einmal eine Freundschaft geschlossen haben, dann hält die auch!

Lassen Sie mich zwei Beispiele nennen: Das deutsch-argentinische Hochschulzentrum ist für Deutschland etwas ganz Besonderes. Nur mit unserem europäischen Nachbarn und engen Partner Frankreich besitzen wir eine vergleichbare Struktur – wie mit Argentinien.

Mehr als 40 Universitäten aus Argentinien und Deutschland bieten binationale Studiengänge mit Doppelabschlüssen an. Das heißt, dass die Studierenden nach ihrem Abschluss direkt für beide Arbeitsmärkte qualifiziert und einsatzbereit sind. Wenn unsere Universitäten also zusammenarbeiten, denken sie bereits an die nächste Generation.

Und wenn deutsche Unternehmen investieren, tun sie das für Jahrzehnte. Siemens führte bereits 1857 sein erstes Projekt in Argentinien durch: die Installation einer Telegrafenlinie entlang der ersten Strecke der Ferrocarril del Oeste. Und auch am Bau des Obelisken, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen von Buenos Aires, war das deutsche Unternehmen maßgeblich beteiligt.

Heute, nach unseren gemeinsamen – und man muss schon sagen historischen – Fortschritten in diesem Jahr beim EU-MERCOSUR-Abkommen – ist es an uns allen, dieses mit Leben zu füllen und unsere wirtschaftliche Partnerschaft weiter zu stärken!

Argentinien verfügt über wichtige Rohstoffe – wie Kupfer und Lithium. Deutschland hingegen hat die nötige Spitzentechnologie, um diese Rohstoffe zu verarbeiten.

Das macht uns zu natürlichen Partnern!

Dafür steht auch das langfristige Abkommen über den Export von argentinischem Flüssigerdgas nach Deutschland, das vor kurzem abgeschlossen wurde. Genauso wie das neue Daimler-Truck-Werk in Zárate.

Aber – und damit richte ich mich besonders an die anwesenden Unternehmensvertreterinnen und Vertreter – wir können und müssen diese Partnerschaft noch weiter ausbauen. So können wir gegenseitig voneinander profitieren!

Meine Damen und Herren, Deutschland ist leider nicht mehr Teil der Weltmeisterschaft, aber wir werden die lateinamerikanischen Teams anfeuern und mit Ihnen fiebern. Wir freuen uns auf eine weiterhin spannende WM!

An dieser Stelle möchte ich mit den Worten von Botschafter Lamlé: Argentinien gehört mit uns zur westlichen Familie.

In diesem Sinne: Auf einen schönen Abend! Ich freue mich nun auf die persönlichen Gespräche mit Ihnen.

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