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Rede von Europa-Staatsminister Michael Roth anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki, Herrn David Saltiel

02.11.2017 - Rede

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Saltiel,
lieber David,
sehr verehrte Frau Saltiel,
sehr geehrte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und des Zentralrats,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

es ist mir ein persönliches Anliegen gewesen, heute nach Thessaloniki zu reisen, um Ihnen, lieber David Saltiel, den höchsten Orden zu überreichen, den die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat entschieden, Sie mit der Ordensverleihung für Ihre Verdienste um die Versöhnung zwischen unseren Völkern zu ehren.

Diese Auszeichnung gebührt einem Mann, der mit Mut und Willenskraft die Hand ausgestreckt hat zur Zusammenarbeit und sich dabei auch über Zweifel und Zurückhaltung in den eigenen Reihen hinweg gesetzt hat. Und vermutlich auch über seine eigenen Bedenken. Denn David Saltiel hat selbst Familienangehörige im Holocaust verloren. Er ist seit über zwanzig Jahren in der jüdischen Gemeinde Thessalonikis aktiv, zu deren Vorsitzenden er 2001 gewählt wurde.

Diese Gemeinde ist klein, denn nahezu alle der 50.000 Menschen, die sie vor dem Zweiten Weltkrieg umfasste, wurden in Auschwitz umgebracht. Umso mehr bewundere ich die vielfältigen Aktivitäten, die von der jüdischen Gemeinde Thessalonikis ausgehen.

Danke, lieber David Saltiel, dass Sie sich für die Zusammenarbeit mit Deutschland geöffnet haben: ob bei internationalen Sommerlagern für Jugendliche, bei der Restaurierung der traditionsreichen Monastirioten-Synagoge in Thessaloniki oder insbesondere beim Projekt eines Holocaust-Museums in Thessaloniki.

Das Projekt wird gemeinsam von der jüdischen Gemeinde und der Stadt Thessaloniki realisiert und soll nahezu vollständig von Deutschland und der griechischen Stavros-Niarchos-Stiftung finanziert werden. Es wird die Erinnerung nicht nur an das Schicksal der jüdischen Gemeinde im Holocaust bewahren, sondern auch den wichtigen Beitrag dieser größten sephardischen Gemeinde auf dem Balkan zu Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur der Stadt würdigen. Der Opfer gedenken, Sie niemals zu vergessen, aus der Geschichte lernen, Begegnungen und Austausch schaffen - darum soll es gehen.

David Saltiel hat seine Bereitschaft zur Versöhnung und Zusammenarbeit mit Deutschland immer wieder auch ganz persönlich gezeigt – durch seine Teilnahme am Besuch von Vertretern der Juden Griechenlands bei Bundespräsident Rau im Jahr 2003 in Berlin, durch die Einladung an Bundesaußenminister Joschka Fischer, am Holocaust Gedenktag 2005 in Thessaloniki zu sprechen, durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der jüdischen Gemeinde Thessalonikis an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, oder durch seine Präsenz bei einem Gedenkkonzert für die im Holocaust ermordeten Juden Thessalonikis am 10. März dieses Jahres in München.

Der Erfolg unseres Miteinanders gibt Ihrem couragierten Einsatz Recht. Manch Gutes ist bislang daraus erwachsen: für die jüdischen Gemeinden in Griechenland, vor allem aber für Ihre Heimatstadt Thessaloniki.

Und da ich die Sorgen und Vorbehalte mancher kenne, lassen Sie mich abermals klarstellen: es geht meinem Land nicht um Vereinnahmung. Keine Auszeichnung, kein Geld der Welt, vermag irgendetwas wieder gut zu machen oder individuelle Schuld zu sühnen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

gestatten Sie mir ein ganz persönliches Wort: in meiner Amtszeit als Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt habe ich in den vergangenen vier Jahren kein Land so oft besucht wie Griechenland. Ich war insgesamt 14 Mal hier, nicht nur in Athen, sondern viele Mal auch in Thessaloniki. Das war kein Zufall.

Denn in den vergangenen Krisenjahren mussten viele Menschen in Griechenland schwere Zeiten durchleben. Die traditionell engen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland waren schweren Belastungsproben ausgesetzt. In den vergangenen Jahren habe ich mich darum bemüht, dass neues Vertrauen und Verständnis füreinander wachsen kann.

Es war für mich eine große Ehre, die Holocaustgedenkrede am 27. Januar 2014, nur wenige Wochen nach meinem Amtsantritt hier in Thessaloniki halten zu dürfen. In diesem Rahmen sind wir uns erstmals begegnet. Umso erfreulicher und wichtiger ist es für mich, heute Abend Ihnen, verehrter David Saltiel, einem Freund und Mitstreiter, im Auftrag des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen.

Herzlichen Glückwunsch!

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