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Rede von Staatsministerin Böhmer anlässlich der Übergabe der UNESCO-Urkunde zur Aufnahme des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald in das Netzwerk der "UNESCO Global Geoparks" in Lorsch

15.04.2016 - Rede

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Volker Bouffier,
Herr Landrat Engelhardt,
Frau Dr. Patzak,
Herr Professor Lütke,
Herr Professor Leonhard,
sehr geehrte Herren Landräte,
meine Damen und Herren!

Die Weltgemeinschaft hat sich letztes Jahr in New York mit der Agenda 2030 auf siebzehn ehrgeizige Ziele für eine nachhaltige Entwicklung unseres Planeten geeinigt. Wir wollen unter anderem Hunger und Armut beseitigen, hochwertige Bildung für alle ermöglichen, unsere natürlichen Lebensgrundlagen bewahren und den Klimawandel bekämpfen. Der Kampf gegen den Klimawandel wurde auf der Weltklimakonferenz von Paris im Dezember durch ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen ergänzt. Warum erwähne ich das hier?

Die Gründung des UNESCO-Geoparkprogramms im letzten Jahr reiht sich ein in diese Bemühungen, zukünftigen Generationen einen lebenswerten Planeten zu überlassen. Die UNESCO kann nun Regionen auszeichnen, die sich besonders für ihr geologisches Erbe einsetzen,

es bewahren und schützen, seinen Wert für die Menschen vor Ort und Touristen sichtbar machen und damit dazu beitragen, dass nicht nur die Kenntnis über die Region wächst, sondern auch die Erkenntnis über die Entwicklung unseres Planeten.

Geoparks sollen über die erdgeschichtliche Entwicklung einer Region informieren. Sie sollen Wissen über globale Phänomene vermitteln, die oftmals nur im regionalen und lokalen Kontext sichtbar gemacht werden können. Damit verbindet sich eine große Hoffnung: Wer um die Entwicklung unseres Planeten weiß, wird zukünftig sensibler mit unserer Natur und Umwelt umgehen.

Von zentraler Bedeutung sind dabei die Fragen: Wie nutzen wir die Ressourcen unseres Planeten so, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder über die Grundlagen verfügen, die sie für ein selbstbestimmtes Leben in Sicherheit und Wohlstand benötigen? Wie können wir unsere Lebensqualität halten, ohne negative Folgen in anderen Weltregionen zu verursachen? Wie kann unser Planet eine Weltbevölkerung ernähren, die bis zur Mitte des Jahrhunderts auf ca. 10 Mrd. ansteigen wird?“

Die Herausforderungen, denen wir im 21. Jahrhundert gegenüberstehen, sind gewaltig. Um sie zu meistern, brauchen wir Vorbild-Regionen. Regionen, die zeigen, wie nachhaltige Entwicklung auf kommunaler und regionaler Ebene gelingen und von Menschen vor Ort vorangetrieben werden kann. Diesen Fokus, der Regionen in den Blick nimmt, in denen Millionen Menschen leben und arbeiten, hat es bislang in keinem UNESCO-Programm gegeben.

Das Geoparkprogramm geht zurück auf eine Initiative der Menschen vor Ort. Diese Verankerung an der Basis ist ein großes Plus. Ich bin überzeugt, dass wir vor allem in Gemeinden und Regionen Antworten auf globale Herausforderungen finden können, ja müssen! Denn die Ziele der Agenda 2030 können nur dann umgesetzt werden, wenn sie von der Bevölkerung getragen werden.

Als weltumspannendes Netzwerk leistet das Geoparkprogramm auch einen wichtigen Beitrag zum internationalen Dialog. Dort, wo Menschen über ihre Heimat ins Gespräch kommen, wo sie sich gemeinsam fragen, wie sie ihre Region für Besucher attraktiv machen und sie für kommende Generationen bewahren können – dort entstehen Verbindungen und Vertrauen jenseits der fachlichen Dimension.

Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald steht auch für eine besonders reizvolle Verbindung zwischen Geologie und Kultur. Im Park liegen drei wunderbare UNESCO-Welterbestätten: die Grube Messel, der Limes und das Kloster Lorsch. Ich möchte Sie ermuntern, das Potential zu nutzen, das in dieser spannenden Beziehung zu Kulturorten von außergewöhnlichem universellem Wert liegt.

Wenn wir heute die Aufnahme des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald in das Netzwerk der UNESCO Global Geoparks beurkunden, dann ist das ein wirklicher Grund zur Freude. Wenn wir im Auswärtigen Amt ein wenig dazu beitragen konnten, würde uns das sehr freuen. Wir wollen Sie auch gern in Zukunft unterstützen! Daher haben wir eine Beratungsstelle bei der Deutschen UNESCO-Kommission eingerichtet und ein Nationalkomitee berufen, das in der nächsten Woche zum ersten Mal tagen wird. Führende Experten für Umweltschutz und Umweltbildung, für regionale und für nachhaltige Entwicklung und für Tourismus werden gemeinsam beraten, wie die Qualitätskriterien für Geoparks der UNESCO in Deutschland weiter spezifiziert und an den Standort Deutschland angepasst werden können.

Sie haben Großes geleistet und erreicht! Deutschland darf stolz sein. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute! Entwickeln Sie Ihren Geopark weiter, machen Sie Ihre Region zu einer Modellregion des 21. Jahrhunderts!

Herzlichen Glückwunsch!

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