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Ansprache von Außenminister Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Einweihung der Glasfenster des Künstlers Imi Knoebel in der Kathedrale von Reims

11.05.2015 - Rede

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Lieber Laurent,
verehrter Erzbischof,
Herr Bürgermeister,
lieber Imi Knoebel,
Bürgerinnen und Bürger von Reims!

Dieser Raum ist ein französisches Heiligtum.

In diesem Raum wurde die gotische Kunst zur Vollendung geführt.

In diesem Raum wurden die Könige gekrönt.

In diesem Raum schlägt das schöne und stolze Herz Frankreichs.

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Als Deutscher stehe ich in diesem Raum und bin voll Demut und voll Dankbarkeit, dass Sie, verehrter Herr Erzbischof, und Sie, liebe Bürger dieser Stadt, mich hier empfangen.

Deutsche haben tiefe Wunden in dieses Heiligtum geschlagen.

„Das Geschütz schleudert weiterhin unablässig seine Blitze in die Stadt…Was macht das jetzt noch aus? Die Kathedrale von Reims ist bloß noch eine Wunde“, schreibt Albert Londres in seinen Frontdepeschen 1914.

In Ihrem Kriegswahn glaubten die Deutschen gar, Gott sei ihr Verbündeter. Doch wer wie Sie, die Bürger von Reims, die Wunden dieser Kathedrale gesehen hat, der weiß für alle Zeiten: Der Krieg ist niemals heilig. Allein der Frieden ist es.

Liebe Freunde, lasst uns gemeinsam den heiligen Frieden in Europa bewahren – gerade in diesen Tagen, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs!

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„Ihr Künstler von einst, die ihr euren Glauben diesen Steinen eingeflößt habt, jetzt seid Ihr gestorben“, schreibt Londres nach der Zerstörung 1914.

Heute sind die alten Künstler auferstanden. Der Engel am Westportal lächelt wieder. Die Wunden sind verheilt.

Und neue Künstler sind hinzugetreten – erst Brigitte Simon, dann Marc Chagall, schließlich Imi Knoebel. Dank Imi Knoebel schließt sich nun die letzte Narbe des Krieges. Heute enthüllen wir die neuen Fenster der Fenster der Jeanne-d’Arc-Kapelle.

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Ich danke dem Künstler Imi Knoebel für seine Initiative. Für die Leidenschaft, mit der es über drei Jahre hinweg vollendet hat. Für die Großzügigkeit seiner Schenkung, die mit Hilfe des Auswärtigen Amtes und der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen Wirklichkeit wurde.

Zugleich danke ich der Großzügigkeit der Franzosen, die dieses Geschenk aus Deutschland annehmen – nach allen Wunden, die Deutsche diesem Heiligtum zugefügt haben.

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Mit dieser Großzügigkeit –der des Schenkenden, der des Empfängers– eröffnen Sie die Chance für Neues. Im Licht dieser Fenster strahlt eine neue Qualität der deutsch-französischen Freundschaft.

In meinen Augen sind dies nicht einfach deutsche Fenster in einem französischen Bauwerk. Sondern wenn hier ein deutscher Künstler eintaucht in ein französisches Heiligtum, dann verschwimmen alte Konturen. In diesem Raum der gemeinsamen Erinnerung öffnet sich ein neuer Ort, den wir gemeinsam mit Leben füllen.

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Charles De Gaulle und Konrad Adenauer haben diesen Ort erschlossen. Hier, in diesem Bauwerk legten sie den Grundstein für ein neues Bauwerk: die deutsch-französische Freundschaft.

Heute fügen wir dem Bauwerk leuchtende Fenster hinzu – französisch-deutsche Fenster. Heute ist die deutsch-französische Freundschaft viel mehr als die Beziehung zwischen zwei Ländern. Sie erschöpft sich nicht im Geben und Nehmen der Politik. Sondern sie ist ein Gemeinsames, ein Eigenes geworden, das Herz Europas.

Davon, liebe Freunde, zeugen diese Fenster: Ihre Farben leuchten weder blau-weiß-rot, noch schwarz-rot-gold. Es sind neue Farben. Es erstrahlt ein neues, gemeinsames Licht. Möge uns dieses Licht den deutsch-französischen Weg erhellen! Vielen Dank, liebe Freunde.

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