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"Briefmarken sind Botschafter"

01.09.2014 - Interview

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beschäftigt sich täglich mit Themen aus Deutschland und der Welt. Wie sein Kabinettskollege, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der für die Herausgabe der deutschen Postwertzeichen und Münzen zuständig ist, schätzt er deshalb auch die thematische Vielfalt von Briefmarken und Münzen und ihre enorme Bedeutung als internationale Botschafter. Das nachstehende Interview ist erschienen in der Ausgabe 05.2014 der Zeitschrift „Postfrisch“.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beschäftigt sich täglich mit Themen aus Deutschland und der Welt. Wie sein Kabinettskollege, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der für die Herausgabe der deutschen Postwertzeichen und Münzen zuständig ist, schätzt er deshalb auch die thematische Vielfalt von Briefmarken und Münzen und ihre enorme Bedeutung als internationale Botschafter. Das nachstehende Interview ist erschienen in der Ausgabe 05.2014 der Zeitschrift „Postfrisch“.

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Herr Außenminister Steinmeier, vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. Warum ist es so wichtig, dass Deutschland mit einer Briefmarke daran erinnert?

Die Briefmarke erinnert uns daran, mit welchem Leid die Menschen die »Urkatastrophe« des 20. Jahrhunderts erlebt haben. »Nie wieder Krieg« war ein Wunsch und eine politische Forderung, die aus dem Blut der Schlachtfelder und der Not in der Heimat geboren wurde. Und doch versank die Welt nur wenige Jahre später darauf wieder in Krieg und Mord. Erst nach dem Schrecken der NS-Zeit, nach jahrzehntelangem Ringen um die europäische Einheit scheint uns heute ein Krieg mit unseren europäischen Nachbarn unvorstellbar. Eine kleine Briefmarke bringt uns ins Bewusstsein zurück, dass dieser Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Die vielen Konflikte gerade auch in der unmittelbaren Nachbarschaft der Europäischen Union mahnen zugleich, dass woanders »Nie wieder Krieg« leider auch heute mehr Traum als Wirklichkeit ist.

2014 jährt sich aber auch ein positives Ereignis: Vor 25 Jahren fiel die Berliner Mauer. Welche Erinnerungen haben Sie an diese historische Stunde?

Wie viele andere auch war für mich der Fall der Mauer, der zur Wiedervereinigung führte, anfangs ein unerwartetes Glück. Für mich war immer klar, dass diese beiden Deutschlands zusammengehören, aber im Alltag war die Teilung vielen doch eine Selbstverständlichkeit. Wenn Willy Brandt damals dann sagte »Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört«, dann war das also auch eine Mahnung daran, nach dem Fall der Mauer die historische Verpflichtung zur deutschen Einheit einzulösen. Ich weiß noch gut: Bei den Bildern von den tanzenden Menschen auf der Mauer wandelte sich auch bei mir das Staunen ganz schnell in große Freude. Und auch nach 25 Jahren bleibt es ein Freudentag, nicht nur für Deutschland.

Welche Bedeutung haben Briefmarken für Sie?

Briefmarken sind Botschafter Deutschlands im Ausland. Das Auswärtige Amt ist mit der ganzen Welt verbunden, mit unendlich vielen Menschen weltweit im Kontakt, und vieles wird auch heute noch mit Briefen mitgeteilt. Klar werden Postsendungen in großer Zahl heute eher maschinell frankiert, weil es Zeit spart. Ich freue mich jedenfalls sehr, wenn ich einen handgeschriebenen Brief mit einer schönen Briefmarke erhalte.

Haben Sie aktuell Favoriten?

Die Briefmarke zur WM mit dem Text »Deutschland Fußball Weltmeister 2014« ist natürlich großartig. Die macht gute Laune und zeigt übrigens auch, wie nah am Geschehen das Medium Briefmarke sein kann. Es gibt auch viele andere interessante Marken. Ich finde es sehr gut, dass die Arbeit des Roten Kreuzes mit einer Briefmarke und einer parallel erscheinenden 10-Euro-Gedenkmünze gewürdigt wird. Ganz generell versuchen wir darauf zu achten, dass Briefe möglichst mit Marken frankiert werden, die zur Botschaft des Schreibens passen. Das deutsche Ausgabeprogramm bietet hier viele Möglichkeiten.

Interessieren Sie sich auch für Münzen?

Es wird für manchen eine Überraschung sein: Gedenkmünzen sind auch Teil meines Berufsalltags als Minister. Da Münzausgaben von der Bundesregierung beschlossen werden, finden sich neue Prägungen regelmäßig auf den Beschlusslisten des Kabinetts. Aber neben den Gedenkmünzen, sind es doch die ganz normalen Eurostücke, die uns jeden Tag mit ihren Motiven eine Geschichte erzählen können. Die Persönlichkeiten, Städte oder Ereignisse, an die zwischen Portugal und Finnland auf den Euro-Münzen gedacht wird, spannen den reichen Kultur- und Geschichtsraum Europas in unserem Geldbeutel auf.

Herr Außenminister, vielen Dank für dieses Gespräch.

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