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Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung der neuen Kanzlei der Deutschen Botschaft, Tunis

24.04.2014 - Rede

-- Es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Außenminister,

lieber Laurent, Herr Botschafter,

sehr geehrte Damen und Herren,

Seien Sie in der neuen Kanzlei der Bundesrepublik Deutschland in Tunesien herzlich willkommen. Das neue Gebäude ist ebenso schön wie notwendig! Der Architekt, Herr Slim Kebir, hat ein helles und freundliches Gebäude geschaffen, das Offenheit und Transparenz widerspiegelt – gleich zwei Leitmotive, nach denen wir unsere Beziehungen gegenüber Tunesien gestalten wollen und werden!

Notwendig ist das Gebäude auch! Deutschland hat seit der Revolution sein Botschaftspersonal verdoppelt und den Umfang seiner Zusammenarbeit mit Tunesien vervierfacht. Dieses neue Botschaftsgebäude in Tunis versinnbildlicht somit auch das intensive Engagement Deutschlands für ein modernes, demokratisches und rechtstaatliches Tunesien und seine Bürgerinnen und Bürger.

Ich freue mich sehr, dass mein Freund Laurent Fabius heute bei dieser Einweihung anwesend ist. Wir haben eine gemeinsame Reise durch Moldau und Georgien hinter uns und gerade unsere Gespräche hier in Tunis begonnen. Wir unterstreichen damit unser gemeinsames Engagement für die südlichen und östlichen Nachbarn der Europäischen Union.

Tunesien stand seit der Revolution vor harten Bewährungsproben. Sie – Politiker, Parteien und zivilgesellschaftliche Akteure gemeinsam – haben das Gemeinwohl vorangestellt und damit die Verabschiedung der neuen Verfassung ermöglicht.

Hier in Tunesien begann vieles, was die arabisch-muslimische Welt seit 2011 verändert hat. Nicht überall hat die Veränderung zu mehr Freiheit und Demokratie geführt. Das tunesische Modell dagegen ist ein beeindruckendes Beispiel für Entschiedenheit über den eingeschlagenen Weg wie auch Besonnenheit in der Umsetzung des gemeinsamen Ziels. Es hat Vorbildfunktion für die ganze Region – und darüber hinaus.

Sehr geehrter Herr Außenminister,

diese Botschaft vertritt die Interessen der Bundesrepublik Deutschland in Tunesien. Sie hat aber gerade in diesen Zeiten auch die besondere Aufgabe, Sie, Ihre Regierung und das ganze tunesische Volk bei dem weiteren Reformprozess nach vollen Kräften zu unterstützen.

Wirtschaftliche Stabilisierung und die Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen sind maßgeblich für den politischen Erfolg in Tunesien. Deutschland und Frankreich setzen sich deshalb gemeinsam dafür ein, hier einen besonderen Schwerpunkt des europäischen Engagements in den nächsten Jahren zu setzen.

An dieser Stelle möchte ich einigen Personen danken, ohne die die schnelle Umsetzung dieses Bauvorhabens nicht möglich gewesen wäre. Ich danke dem Bauherrn, Herrn Fathi Neiffar, für sein Engagement.

Mein Dank gilt auch den beiden Vorgängern des neuen Hausherrn, Herrn Reinicke – Botschafter aD Wolfram Kerll und Jens Plötner. Der Einsatz aller beteiligten Kolleginnen und Kollegen ermöglichte die Verwirklichung in nur 2 Jahren.

Vor 100 Jahren bereisten die berühmten deutschen Maler Paul Klee und August Macke zusammen Tunesien. Dies wollen wir mit einer Reihe von Veranstaltungen in diesem Jahr würdigen. Bei Ankunft in Tunis am 7. April 1914 notierte sich Paul Klee in sein Tagebuch: „Wir wissen, dass wir hier gut arbeiten werden“.

Ich wünsche allen Mitarbeitern der deutschen Botschaft, dass Sie Ihren Tagebüchern dieselbe Erfahrung anvertrauen können!

Viel Freude in dieser neuen Behausung.

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