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Rede von Staatsministerin Cornelia Pieper auf der Abschlussveranstaltung des Wirtschaftstages der Botschafterkonferenz

07.09.2010 - Rede

-- es gilt das gesprochene Wort --

Exzellenzen,

liebe Leiter und Leiterinnen der deutschen Auslandsvertretungen,

sehr geehrter Herr Kopf,

sehr verehrte Gäste,

es ist mir eine große Freude, Sie alle heute Abend zum Abschluss des Wirtschaftstages unserer „BoKo“ begrüßen zu dürfen. Wenn man so tolle Gastgeber wie die Deutsche Telekom hat, ist das ja auch nicht weiter verwunderlich.

Ganz herzlich möchte ich aber auch die in Deutschland akkreditierten Botschafterinnen und Botschafter begrüßen. Über tausend Repräsentanten deutscher Unternehmen und Wirtschaftsinstitutionen sind mit Ihnen unserer Einladung zu diesem „Wirtschaftstag“ gefolgt. Ihnen allen, unseren Gästen und unseren Botschafterinnen und Botschaftern sowie den Generalkonsulinnen und Generalkonsulen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich danken. Deutschlands Ansehen in der Welt gründet sich auch auf das Ansehen der deutschen Wirtschaft bei unseren internationalen Partnern.

Mein ganz besonderer Dank gilt denen, die den heutigen Abend erst möglich gemacht haben. Ich möchte der Deutschen Telekom und insbesondere Herrn Kopf und Herrn Ropers danken, dass wir in Ihrer historischen und zugleich so wunderbar modernen Hauptstadtvertretung zu Gast sein dürfen. Das ehemalige Kaiserliche Telegraphenamt nutzten bereits vor hundert Jahren die Botschaften in Berlin, um mit ihren Heimatländern zu kommunizieren. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde es in seiner ursprünglichen architektonischen Schönheit wiederhergestellt. Sie werden es nachher zum Ausklang des Abends noch sehen.

Schließlich möchte ich auch noch der Allianz als Sponsor und Herrn Ischinger persönlich ganz herzlich danken. Ich finde, es ist ein richtig gutes Zeichen, dass wir für heute Abend so tolle Sponsoren gefunden haben. Das zeigt doch, dass die Arbeit unserer Botschaften der Wirtschaft etwas wert ist – und ist insofern der beste Beweis für den Erfolg unserer Außenwirtschaftsförderung.

In einer globalisierten Welt ist unser Wohlstand nicht ohne unsere wirtschaftliche Leistungsstärke denkbar. Der Erfolg deutscher Unternehmen im Ausland betrifft nicht nur einzelne geschäftliche Transaktionen, sondern beeinflusst letztlich unsere Gesellschaft. Exporte und Auslandsinvestitionen schaffen Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland. Doch nicht nur das: Deutschlands außenpolitische Stellung in der Welt ist in ganz wesentlichem Maße auch vom Erfolg seiner Wirtschaft abhängig! Viele Partnerländer interessiert Deutschland besonders in seiner Rolle als Handelspartner und Investor. Durch den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen hat auch die deutsche Außenpolitik bessere Möglichkeiten, deutsche Werte und Interessen im Ausland zu vertreten.

Die Förderung des deutschen Außenhandels und der internationalen Investitionstätigkeit ist ein außerordentlich wichtiges Thema: Immer mehr Ressorts innerhalb der Bundesregierung, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die Regierungen und Parlamente der Bundesländer, Kommunen, Wirtschaftsverbände und etliche weitere Institutionen beschäftigen sich gezielt mit unserer Außenwirtschaft.

Eine Grundvoraussetzung für geschäftlichen Erfolg bilden Netzwerke. Netzwerke, die der deutsche Auswärtige Dienst wie nur Wenige andere besitzt und auch aktiv einsetzt: Wir haben ein weltumspannendes Netz mit 232 deutschen Auslandsvertretungen. Damit dürfen wir uns zurecht als Global Player für die deutsche Außenwirtschaft bezeichnen!

Unsere besondere Stärke ist die politische und wirtschaftspolitische Analysefähigkeit der Bedingungen, Entwicklungen und Perspektiven in unseren Partnerländern:

Egal, ob es sich um ein expandierendes mittelständisches Maschinenbau-Unternehmen aus Sachsen-Anhalt, oder ein wachsendes Stromkonsortium aus Nordrhein-Westfalen handelt: in der globalisierten Welt haben beide neue Zielmärkte vor Augen. Über Marktbedingungen und Geschäftsaussichten in einer neuen Destination wollen sie bestens informiert sein. Da sind wir auskunftsfähig!

Vor allem auch in Gastländern mit starker staatlicher Wirtschaftsbeteiligung können wir deutschen Unternehmen schnell und effizient Rat geben und für sie Türen öffnen. Türen, die zu wichtigen staatlichen Entscheidungsträgern führen. Ebenso können wir durch unsere persönlichen Netzwerke vor Ort Zugang zu Gesprächspartnern aus der Privatwirtschaft vermitteln.

Darüber hinaus arbeiten wir eng mit weiteren Partnern zusammen: zum Beispiel mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ich bin überzeugt, dass erfolgreiche Geschäfte deutscher Unternehmen auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung in den Partnerländern leisten können. Denken wir etwa an Projekte aus den Bereichen Infrastruktur und Städteentwicklung, so lässt sich eindeutig sagen: Neben den Geschäftspartnern sind es die Menschen vor Ort, die von solchen Projekten profitieren können.

Deshalb mein Appell: Lassen Sie uns Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammen-arbeit mit ihren gemeinsamen Zielen und Instrumenten noch näher zusammenführen!

Zum Wirtschaftstag unserer Botschafterkonferenz wollten weit über tausend Gäste kommen. Einigen hundert mussten wir absagen, weil unsere Räume dafür einfach nicht groß genug gewesen wären.

Ein Grund für die hohe Gästezahl ist bestimmt auch, dass zum ersten Mal mit Guido Westerwelle und Rainer Brüderle die beiden Hauptakteure der Außenwirtschaftsförderung gemeinsam den Wirtschaftstag eröffnet haben. Ich danke allen, die hier mitgewirkt haben. Die Gäste unseres Außenwirtschaftstages hatten die Chance, die gesamte Breite außenwirtschaftlicher Unterstützung der Bundesregierung kennen zu lernen.

Zum ersten Mal haben wir in zahlreichen Diskussionsrunden, an Arbeitstischen und in Podiumsdiskussionen die Möglichkeit genutzt, die Kompetenz der Leiterinnen und Leiter der deutschen Auslandsvertretungen und der deutscher Unternehmen einzubinden. Gemeinsam waren und sind wir auf der Suche nach Antworten auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen der deutschen Außenwirtschaft.

Als Zwischenbilanz der sehr fruchtbaren Gespräche des heutigen Tages möchte ich Ihnen vorstellen: „Werte“ wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Zuverlässigkeit und viele andere werden von unseren Partnern mit Deutschland, mit deutschen Unternehmen und mit deutscher Politik verbunden und sind wichtige Wettbewerbsvorteile. Den deutschen Einfluss in der Welt bewerten laut BBC-Studie vom März 2010 im Schnitt 59% der Menschen in 28 Staaten positiv. Damit liegen wir ganz klar auf Platz 1, in deutlichem Abstand gefolgt von Japan und Großbritannien. Deutschland ist also attraktiv und beliebt, darüber können wir uns freuen! Auch hier zeigt sich: Wo Vertrauen herrscht, ist man erfolgreicher als anderswo.

Kein anderes Land ist so auf funktionierenden freien Welthandel angewiesen und leidet stärker unter Protektionismus wie Deutschland. In vielen Ländern schädigt allzuoft vermeintlicher Schutz vor internationalem Wettbewerb sogar nachhaltig die heimischen Strukturen. Deshalb setzen wir uns im multilateralem Rahmen (G8/G20/WTO) und bilateral gegen Protektionismus ein!

Es gibt noch wichtige Bereiche des Auslandsgeschäfts, in denen wir Reserven heben können. Beim Betrieb komplexer Verkehrssysteme, beim Krankenhausbau, beim Management vieler Infrastruktur-Versorgungsstrukturen, bei Energieeffizienztechnologien, bei Stadt- und Regionalplanung, überall, wo es besonders komplex und anspruchsvoll wird, gehört das Know-how deutscher Unternehmen zum Besten auf der ganzen Welt. Deutschlands Ruf in der Welt ist, ein Land der Ideen zu sein, ein modernes Land, das in die Köpfe der Menschen investiert, Wissen als wichtigste Ressource sieht und Innovationen als Quelle für Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Deshalb setzen wir in der Außenwissenschaftspolitik auf Wissenschaftshäuser, die nicht nur dieses Image vermitteln, sondern auch neueste Technologien und Forschungsergebnisse vermitteln. Diese Leuchttürme stehen in New York, Sao Paulo, New Delhi, Moskau, Tokio. Sie sind Botschafter für die deutsche Wissenschaft und Wirtschaft und werden um so wichtiger, je mehr die Auslandsinvestitionen in Frankreich, England und Deutschland zurückgehen (lt. DIW).

J.W. Goethe hat einmal gesagt: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun!“

Viele deutsche Unternehmen scheuen die für sie schwer überschaubaren Risiken internationaler Märkte und überlassen deshalb oft anderen Wettbewerbern das Feld. Flankierung durch unseren Auswärtigen Dienst kann hier entscheidend helfen! Gemeinsam mit Auslandshandelskammern und Verbänden wollen wir nach Wegen suchen, diese Geschäftsfelder noch besser für die deutsche Wirtschaft zu erschließen.

Ich selbst werde mich in nächster Zeit aktiv für den weiteren Ausbau internationaler Energie- und Rohstoffpartnerschaften einsetzen. Mit einer Wirtschaftsdelegation werde ich deshalb demnächst nach Moskau, Zentralasien und in den Südkaukasus reisen. Eine gute Rohstoff-Außenpolitik, aber auch Energiepolitik gehören zu den Schlüsselfragen für eine erfolgreiche deutsche Wirtschaft.

Das deutsche Handwerk wird international immer erfolgreicher. Immer mehr fortschrittliche Handwerksbetriebe machen Geschäfte im Ausland, gründen Kompetenzzentren mit dualer Ausbildung, technologischer Kompetenz, Zuverlässigkeit und hoher Qualität. Unser Auswärtiger Dienst wird deutsche Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen im Ausland in Zusammenarbeit mit den anderen Akteuren der Außenwirtschaftsförderung künftig noch nachdrücklicher unterstützen.

Wir haben beim heutigen Wirtschaftstag unser Konzept für interaktive Außenwirtschaftsförderung eingeführt, dabei neue Formate erprobt und wichtige Erkenntnisse gewonnen. Der Fokus der Botschafterkonferenz lag in diesem Jahr auf Lateinamerika. Unser südlicher Nachbarkontinent, Afrika, stand bei der letzten weltweiten Berliner Botschafterkonferenz im Mittelpunkt.

Morgen Vormittag wird ein Regionalforum mit dem Thema „Wirtschaftspartner Afrika“ stattfinden, bei dem deutsche Unternehmen und die in Berlin akkreditierten Botschafter afrikanischer Staaten miteinander den Kontakt pflegen werden.

Mein Fazit: Das Interesse der deutschen Wirtschaft, eng mit dem Auswärtigen Amt zusammen zu arbeiten, ist ungebrochen und wächst weiter. Wir haben unser Dienstleistungs- und Dialogangebot erweitert. Wir stoßen in Sektoren vor, die auch für uns Neuland bedeuten, die aber an Bedeutung zunehmen. Und: Wir haben - so hoffe ich - deutlich machen können, dass im Zeitalter der Globalisierung die Wirtschaftsförderung im absoluten Fokus des Auswärtigen Amts steht.

Martin Walser hat einmal gesagt: „Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.“

Deutschland ist ein Land in Bewegung, Deutschland ist ein ein Land des Sports.“

2011 werden wir Gastgeber der Frauenfußball-Weltmeisterschaft sein. Das lässt uns hoffen, meine Herren, dass wir doch noch Fußballweltmeister werden!

Ich komme zum zweiten Hauptpunkt des heutigen Abends: Der deutschen Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018.

Die Olympischen Spiele, wie der Sport insgesamt, stehen für Fairness, Toleranz und friedlichen Wettkampf.

Über den Sport lässt sich der interkulturelle Dialog ideal befördern. Sport bringt Menschen zusammen. Sport baut Brücken über sprachliche, politische und kulturelle Grenzen hinweg. Sport schafft Vertrauen und Toleranz. Seit über 50 Jahren ist die Internationale Sportförderung ist deshalb ein elementarer Bestandteil unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Sport ist aber auch ein ganz wichtiger Sympathieträger für ein Land. Das hat auch die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gezeigt. Ob auf Fanmeilen, in Biergärten, Fussballstadien oder zuhause mit Freunden vor dem Bildschirm:

Überall haben wir hautnah miterlebt, wie viel positive Energie freigesetzt wird, wenn Millionen Menschen sich weltweit gemeinsam für eine Sache begeistern.

In erster Linie ging es natürlich um den Fußball. Zugleich aber war das „Sommermärchen 2006“ ein beeindruckender Beleg: Deutschland ist ein weltoffenes, ein kreatives und ein innovatives Land voller Lebensfreude!

Ich bin überzeugt, dass sich dies bei der Fußballweltmeisterschaften der Frauen im nächsten Jahr in Deutschland wiederholen wird. Unseren Fußballerinnen sowie den Organisatoren drücke ich schon jetzt die Daumen.

Die Männer haben in Südafrika ja wieder den ausgezeichneten dritten Platz geschafft – Also, liebe Gäste: Machen Sie bitte im In- und Ausland tatkräftig Werbung für die Frauenfußball-WM – und damit für Deutschland !

Die nächste große Gelegenheit, über den Sport weltweit Sympathien für Deutschland einzuwerben, wären dann die Olympischen Winterspiele 2018. Dafür muss München den Zuschlag erhalten!

Ich gebe zu: Ich habe noch keinen Terminkalender für 2018, dafür aber ein dickes „Save the Date“ für den 6. Juli 2011 vermerkt! Denn an diesem Tag bestimmen die persönlichen Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees im südafrikanischen Durban, welche Stadt den Zuschlag bekommt. Das südkoreanische Pyeongchang sowie Annecy in Frankreich sind ebenfalls Kandidaten.

Bis dahin steht die Bewerbungsgesellschaft vor großen Herausforderungen:

Die rund 110 IOC-Mitglieder müssen von den Vorzügen der deutschen Olympiabewerbung überzeugt werden, dürfen aber nicht nach Bayern eingeladen werden. Daher reisen Katarina Witt mit ihrem Team als „Botschafter“ der deutschen Olympiabewerbung um die Welt, um für Deutschland zu werben.

Liebe Katarina Witt, lieber Herr Vesper und Herr Schwank, ich begrüße Sie herzlich unter uns.

Die Bundesregierung – allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel – unterstützt diese Bewerbung mit Nachdruck. Ich glaube, noch nie waren die Chancen so gut und Deutschland international so gut aufgestellt, wie bei dieser Bewerbung für die Winterspiele 2018.

Für die so schöne Stadt München und seine Umgebung ist dies eine wunderbare Chance. Die Stadt wäre die erste, die dann sowohl Sommerspiele und Winterspiele ausrichten würde. Also: ein echter Superlativ!

Ernest Hemingway hat einmal gesagt: „Fahren Sie gar nicht erst woanders hin, ich sage Ihnen, es geht nichts über München. Alles andere in Deutschland ist Zweitverschwendung“

das war die Pflicht, ich gebe nun ab für die Kür : Frau Witt, Herr Vesper, Herr Schwank – Sie haben das Wort!

Und viel Erfolg weiterhin!

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