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Grußwort des Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe anlässlich eines Vortrags des Dalai Lama in Nürnberg

18.05.2008 - Rede

Grußwort von Günter Nooke, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, anlässlich eines Vortrags Seiner Heiligkeit, des 14. Dalai Lama in Nürnberg ("Menschenrechte als Verpflichtung - Lehren aus der Geschichte")

-- Es gilt das gesprochene Wort --

Eure Heiligkeit, Herr Oberbürgermeister, sehr verehrte Damen und Herren!

Die Bilder der Zerstörung und die Nachrichten über Tote und Verletzte in Tibet haben mich mit tiefer Trauer erfüllt. Sie haben uns die Verzweiflung der Menschen in Tibet und den Ernst der Lage vor Augen geführt. Sie haben aber auch deutlich gezeigt, dass Gewalt keine Lösung ist, nirgendwo und auf keiner Seite.

Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, den wir gern und herzlich in Deutschland begrüßen, steht wie kaum ein anderer für eine Politik der Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Dialogbereitschaft. Für mich sind Sie im besten Sinne des Wortes ein Botschafter des Friedens. Daran ändert auch die unsägliche Rhetorik der chinesischen Führung nichts. Auch für das Verhältnis von tibetischer und chinesischer Bevölkerung gilt: Kein Frieden ohne Menschenrechte. Ihr Einsatz für kulturelle und religiöse Autonomie Ihres Volkes findet meine ganz persönliche Unterstützung und die der Bundesregierung.

Dabei haben Sie stets die Integrität des chinesischen Staatsgebiets als Grundlage von Gesprächen betont und dies auch heute früh bei unserem gemeinsamen Gespräch wieder getan. Wie Sie, Eure Heiligkeit, wissen, unterstützt die Bundesregierung dies ausdrücklich.

Ihr unermüdliches und geduldiges Festhalten am Dialog hat zusammen mit dem Engagement vieler in Deutschland und überall auf der Welt dazu geführt, dass die chinesische Regierung sich zur Wiederaufnahme des Dialogs bereit erklärt hat. Dies ist ein Zeichen, dem nun - vor dem Beginn der Olympischen Spiele - konkrete Fortschritte in der Sache folgen müssen. Das Engagement Deutschlands und der Europäischen Union darf jetzt nicht aufhören, es braucht diplomatisches Geschick und öffentlichen Druck. Ich möchte mich an dieser Stelle auch für die Arbeit der Tibet-Initiative hier in Deutschland bedanken.

Damit Fortschritte erreicht werden, muss ein Klima des Vertrauens, der Ehrlichkeit und der Transparenz hergestellt werden, in dem die legitimen Interessen der jeweils anderen Seite anerkannt werden. Dazu bedarf es auch der Möglichkeit einer freien Berichterstattung vor Ort aus Tibet. Respekt für Dich selbst, Respekt für andere und Verantwortung für alle Deine Handlungen - wenn dieser Weisheit Seiner Heiligkeit gefolgt wird, dann, glaube ich, sind wir auf dem richtigen Weg.

Als Bundesregierung wollen wir den bilateralen Menschenrechtsdialog mit China fortsetzen, dabei geht es neben der Menschenrechtssituation insgesamt auch um die Verbesserung der Lage der Tibeter und anderer Minderheiten in China, und ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich auch die Uighuren erwähnen.

Eure Heiligkeit, verehrte Anwesende, wenn ich hier an alle Opfer von Menschenrechtsverletzungen in China erinnere und hier von der chinesischen Führung fordere, die Lage wenigstens schrittweise zu verbessern und nicht zu verschlechtern, dann will ich aber auch gleichzeitig mein Mitgefühl für die zehntausenden Opfer des Erdbebens in Sichuan und die vielen Betroffenen in China äußern und der Regierung in Peking für ihren Einsatz danken.

Eure Heiligkeit, Ihre Schwester, Jetsun Pema, hat kürzlich in einem Interview verraten, dass das Leben als Kind im Potala-Palast zuweilen langweilig war, weil man nicht spielen durfte, sondern sich auf seine Aufgaben vorzubereiten hatte. Sie hätten deshalb manchmal heimlich mit den Putzleuten gespielt oder spielende Kinder auf den Straßen von Lhasa mit einem Fernrohr beobachtet. Ich wünsche Ihnen, dass Sie schon bald wieder den Kindern in Lhasa beim Spielen zuschauen können und eine Lösung im Einvernehmen beider Seite gefunden wird, die die freie und friedliche Entwicklung des tibetischen Volkes ermöglicht. Ich bin fest überzeugt, dass eine solche Lösung mit Ihnen auch im chinesischen Interesse ist.

Wie Sie wissen, nehmen viele Menschen in Deutschland seit langem schon großen Anteil am Schicksal Ihres Volkes und sind interessiert an Ihren Lehren. Als religiöser Führer ihres Volkes erinnern sie uns im Westen auch daran, welche Bedeutung persönlicher Glaube für unser Leben und Zusammenleben hat. Auch in diesem Sinne freue ich mich persönlich als Christ, Sie heute hier begrüßen zu dürfen.

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