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Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Auftaktveranstaltung zum Start des European Medical Corps

Rede

Sehr geehrter Kommissar Stylianides, lieber Christos,
lieber Jean-Marc,
General-Direktorin Dr. Chan,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich sehr, heute hier zu sein, zu einem guten, einem ganz besonderen Anlass!

Es ist noch nicht lange her: Als die Außenminister der EU-Mitgliedstaaten im Oktober 2014 zusammenkamen, steckten wir inmitten der schwersten globalen Gesundheitskrise der heutigen Zeit.

In West-Afrika hatten sich bereits Tausende Menschen mit dem Ebola-Virus infiziert. Auch in Europa und den USA gab es erste Fälle.

Wir haben reagiert, aber wir mussten uns eingestehen, dass wir zu spät waren. Zu spät jedenfalls für die über 11.000 Frauen, Männer und Kinder, die der Seuche zum Opfer gefallen sind.

Eines war uns allen klar: Es darf nicht wieder passieren, dass uns eine Krise so unvorbereitet trifft. Die Opfer können wir nicht ins Leben zurückholen. Aber wir können verhindern, dass sich eine solche Katastrophe wiederholt, weil wir Monate zu spät kommen.

Die Ebola-Krise hat deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, vorbereitet zu sein, die richtigen Kapazitäten vorzuhalten und schnell und koordiniert zu agieren.

Nationale Maßnahmen alleine sind dafür nicht ausreichend. Vielmehr haben wir gelernt, dass wir in einer ernsten Krisensituation nur dann wirklich etwas bewirken können, wenn wir unsere Instrumente planvoll und abgestimmt zum Einsatz bringen.

Dazu braucht es Koordination. Und dazu braucht es gemeinsames Engagement.

So haben mein damaliger französischer Amtskollege Laurent Fabius und ich den Aufbau einer europäischen Einsatzeinheit mit spezifischer medizinischer Expertise angeregt – wir haben sie damals „Weißhelme“ genannt: Einen Pool von medizinischen und logistischen Experten, die sich vorbereiten und vernetzen, und weltweit und jederzeit bereitstehen, um gefährlichen Epidemien frühzeitig zu begegnen, mit dem Ziel, sie im Keim zu ersticken und Leben zu retten.

Ich freue mich sehr, dass diese Idee jetzt mit dem European Medical Corps umgesetzt ist. Und ich danke allen, die daran beteiligt waren!

Mit dem European Medical Corps haben wir jetzt ein Instrument, das unsere Fähigkeiten zusammenführt, so dass wir koordiniert auf Epidemien reagieren können – schnell und effektiv.

Deutschland bringt sich dabei vor allem in drei Bereichen ein:

- Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) richtet ein Isolationskrankenhaus zur Versorgung hochinfektiöser Patienten ein.

- Das Bernhard-Nocht Institut für Tropenmedizin (BNITM) stellt ein mobiles Labor, in dem hochinfektiöse Krankheitserreger vor Ort identifiziert werden können.

- Im technisch-logistischen Bereich unterstützt das Technische Hilfswerk (THW). Es ermöglicht kurzfristig den Aufbau von Camps und sichert zum Beispiel die Strom– und Wasserversorgung.

Unsere europäische Initiative bettet sich ein in die Krisenreaktionsmechanismen der WHO, insbesondere in die „Global Health Emergency Workforce“. Wir wollen die WHO stärken als die zentrale und koordinierende Institution in Gesundheitskrisen.

Gemeinsam sind wir effektiv. Ich bin daher froh, dass Frankreich, Spanien, Belgien, die Niederlande, Schweden, Norwegen, Finnland und die Tschechische Republik zum europäischen Pool beitragen. Gleichzeitig appelliere ich an andere Mitgliedstaaten, auch ihre Expertise für dieses wichtige Instrument anzubieten.

Das European Medical Corps ist ein Zeichen der Solidarität innerhalb der EU. Aber ist auch Ausdruck unserer gemeinsamen politischen Verantwortung in der Welt.

Und es zeigt für mich noch etwas anderes: Es unterstreicht die Handlungsfähigkeit der EU! Auch und gerade in komplexen Krisensituationen! Es zeigt, dass wir in der Lage sind, unsere Instrumente ständig anzupassen und zu verbessern, um weltweit agieren zu können. Und das ist ein Zeichen, dass Hoffnung stiftet!

Vielen Dank.

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