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Rede von Staatssekretär Stephan Steinlein zur Eröffnung des XXI. Symposium Reise- und Impfmedizin im Auswärtigen Amt

22.04.2016 - Rede

Lieber Herr Dr. Jonitz,
Lieber Dr. Boecken,
Lieber Dr. von Laer,

im Namen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier darf ich Sie hier im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin ganz herzlich willkommen heißen.

Das 20. Symposium, das wir vor einem Jahr abgehalten haben, stand noch ganz unter dem Eindruck einer sich verschärfenden Ebola-Krise.

In diesem Jahr ist es eine andere Krise, die sich im Programm dieser Tagung niederschlägt.

Die Flüchtlingskrise, die Flucht von Millionen Menschen vor Terror und Krieg stellt auch die Tropen- und Reisemedizin ungewollt und unerwartet vor besondere Aufgabe. In diesen Tagen müssen Sie sich alle um gesundheitliche Probleme kümmern, die plötzlich ganz nahe liegen. Es sind die medizinischen Probleme, die die Flüchtlinge mitbringen.

Sie als Ärzte haben sich seit jeher um Reisende aller Art zu kümmern, sei es vor, während oder nach der Reise in Ländern mit mehr oder weniger exotischen Infektionskrankheiten. Sie kennen die möglichen gesundheitlichen Probleme, die mit diesen Menschen reisen und Sie haben die Erkrankungen schon einmal gesehen und wissen, wie man damit umgeht. Ich bin unserem Gesundheitsdienst daher sehr dankbar, dass das Thema Flüchtlingsmedizin, als ein ganz besonderer Teil der Reisemedizin zum Schwerpunkt des diesjährigen Symposiums gewählt wurde.

Die Versorgung von Hundertausenden von Flüchtlingen im eigenen Land hat neben den Kommunen und den Grenzbehörden auch unser Gesundheitssystem erheblich gefordert. Der öffentliche Gesundheitsdienst war in weiten Strecken bei der Versorgung der vielen Menschen extrem be- und oft auch überlastet. Nur durch die spontane, ehrenamtliche Hilfe professioneller und Laien-Helfer, wurde die Situation beherrschbar. Viele von Ihnen waren und sind noch daran beteiligt, dafür an dieser Stelle mein Dank!

Die Flüchtlinge bringen ungewöhnliche Erkrankungen aus ihren Herkunftsländern mit („Hautleishmaniose“), sie akquirieren sie durch die oft furchtbaren Fluchtumstände („Läuserückfallfieber“) und sie sind durch Infektionen bedroht, die wir in Europa durch Impfungen längst zurück gedrängt haben („Kinderlähmung“). Sie treffen daher jetzt wieder auf Krankheiten, die wir hier im heutigen Europa normalerweise nicht sehen. Auffrischung unseres Wissens tut also Not, und auch darum sind alle von Ihnen hier.

In der Flüchtlingsmedizin gibt es zusätzliche Schwierigkeiten. Am prominentesten sind die oft erheblichen psychischen Traumatisierungen der Flüchtlinge und die bestehenden hohen Sprachbarrieren. Auch hierzu wurde Ihnen ein interessanter Programmteil zusammengestellt.

Wir alle müssen uns klar darüber sein, dass es Abschottung und Ausgrenzung in der Medizin nicht geben darf und auch nicht kann. Fast jede Erkrankung, die es irgendwo in der Welt gibt, kann durch die vernetzten Flug- und Reiseverbindungen auch bei uns auftreten. Ebola hat das in den letzten beiden Jahren überdeutlich gemacht und uns gelehrt, wie wichtig es ist, frühzeitig und qualifiziert auch in Deutschland vorbereitet zu sein. Die Globalisierung der Krankheiten ist schon lange Wirklichkeit.

Das zeigt sich jetzt auch wieder in Südamerika. Unser Gesundheitsdienst ist seit Monaten mit der regelmäßigen Aktualisierung der Reisehinweise und Merkblätter beschäftigt. Wir müssen fast wöchentlich ein weiteres Land auf die Liste der Zika-Infektionsgebiete setzen. Bis vor ein paar Monaten hat niemand diesen Namen gekannt. Jetzt machen sich besonders schwangere Frauen, und sogar die Organisatoren der Olympiade in Brasilien große Sorgen. Verantwortungsvolle und adäquate Reiseberatung ist hier gefragt, gute Information die Grundlage - wie so oft.

Unsere tägliche diplomatische Arbeit dreht sich oft Krisen: Syrien, Libyen, Ukraine, Afghanistan. Auch auf die Medizin scheint dies mehr und mehr zuzutreffen: Ebola, Zika, MERS und wieder Gelbfieber - neue und alte Seuchen müssen mit guten Strategien bekäpft werden. Wichtig ist für Diplomaten und Ärzte gleichermaßen: rasches Erkennen, schneller und ungefilterter Informationsfluss, gute Analyse und die dann die richtigen Mittel der Krisenprävention finden. Im Programm kann ich sehen, dass viele dieser Themen abgedeckt werden.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir freuen wir uns auf ein Symposium, das auch von Ihren Diskussionsbeiträgen und Fragen lebt. Gehen Sie in den Pausen zu unseren Ärztinnen und Ärzten im Gesundheitsdienst und diskutieren Sie mit ihnen die Themen, die Ihnen auf den Nägeln brennen.

Ich wünsche Ihnen einen für Ihre Arbeit hilfreichen Ablauf dieses 21. Symposiums für Reise- und Impfmedizin im Auswärtigen Amt. Ich hoffe, Sie sammeln viele wertvolle neue Eindrücke und fachlich inspirierende Hinweise.

Alles Gute für Sie und Ihre wichtige Arbeit.

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