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Coronavirus: Internationale Gesundheitspolitik

Die chinesische Stadt Wuhan: dort trat das neuartige Coronavirus zuerst auf

Die chinesische Stadt Wuhan: dort trat das neuartige Coronavirus zuerst auf, © dpa/picture-alliance

11.02.2020 - Artikel

Wie reagiert die internationale Gemeinschaft, wenn neuartige Krankheitserreger auftreten? Der Ausbruch des Coronavirus beschäftigt auch die internationale Gesundheitspolitik. Ein Expertengipfel der WHO soll nun Ursprung und Therapiemöglichkeiten des Erregers beleuchten. 

Wie ist die aktuelle Lage?

Der Ausbruch wird laut Weltgesundheitsorganisation durch das neuartige Coronavirus 2019-nCoV verursacht, das genetisch mit dem SARS-Coronavirus verwandt ist.  Die Datenlage zu dem neuen Virus ist derzeit noch begrenzt, wodurch die Risikoeinschätzung erschwert ist. Regional ist insbesondere die Metropole Wuhan in China betroffen, auch andere Länder haben inzwischen über Fälle berichtet. Weltweit wurden inzwischen mehr als 41.000 Infektionen gezählt, über 99 % davon in China. 

Am 30. Januar hat die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, damit die Länder besser auf den Erreger reagieren können und die Krankheit eingedämmt werden kann. Ende letzter Woche hat die WHO einen Maßnahmenkatalog präsentiert, der insbesondere Ländern mit schwächeren Gesundheitssystemen Empfehlungen an die Hand gibt, wie sie ihre Gesundheitssysteme mit Vorsorgemaßnahmen gegen eine mögliche Verbreitung des Coronavirus schützen können. Die WHO schätzt, dass diese weltweiten Maßnahmen rund 675 Millionen Dollar kosten können.  Heute und morgen richtet die Weltgesundheitsorganisation nun einen Gipfel aus, auf dem sich Expertinnen und Experten mit Therapien, der möglichen Quelle des Virus und seiner Übertragbarkeit befassen. Auch mögliche Impfungen sollen thematisiert werden. 

Wer kümmert sich auf internationaler Ebene um Gesundheitspolitik? 

Zuständig für globale Gesundheit: die WHO
Zuständig für globale Gesundheit: die WHO© dpa/picture alliance

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)  ist die wichtigste internationale Organisation im Bereich der globalen Gesundheit. Als Sonderorganisation der Vereinten Nationen ist das Ziel der WHO, die allgemeine Gesundheit unter Menschen auf der Welt zu fördern und das bestmögliche Gesundheitsniveau für alle zu erreichen. Dabei spielt insbesondere die Bekämpfung von Krankheiten, vor allem Infektionskrankheiten, eine große Rolle. Die WHO wurde 1948 gegründet und umfasst heute 196 Mitgliedstaaten. Die Ständige Vertretung  der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in Genf steht in ständigem Kontakt mit der WHO.

Was passiert auf internationaler Ebene, wenn ein neuer Krankheitserreger auftaucht?

Für die Mitgliedsstaaten der WHO regeln international verbindliche Vorschriften – die Internationalen Gesundheitsvorschriften – was auf internationaler Ebene passieren muss, wenn ein neuer Erreger auftritt. Demnach ist jeder Mitgliedsstaat verpflichtet, die WHO umgehend zu informieren, wenn es einen Vorfall gibt, der zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite führen könnte. 

Im Fall des Coronavirus hat China dies am 31.12.2019 getan: die WHO wurde auf einige Fälle von Lungenentzündung aufmerksam gemacht, die von einem bislang nicht bekannten Virustyp ausgelöst wurden. Anfang Januar bestätigten die chinesischen Behörden, dass es sich tatsächlich um ein neuartiges Virus aus der Familie der Coronaviren handelt. 

Wie reagiert dann die WHO

Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO
Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO© dpa

Auf Grundlage der Informationen aus den betroffenen Ländern entscheidet die WHO, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen wird. Dazu beruft der Generaldirektor der WHO, derzeit der Äthiopier Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, ein Notfall-Gremium aus Expertinnen und Experten ein, das darüber berät, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand vorliegt. 

Um einen internationalen Gesundheitsnotstand ausrufen zu können, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein: es muss ein außergewöhnliches Ereignis vorliegen, das ernsthaft, plötzlich, ungewöhnlich oder unerwartet ist. Es muss die Gesundheit von Menschen auch über die Grenzen des betroffenen Staates gefährden und eine prompte internationale Reaktion erfordern können. 

Kommt das Gremium zu dem Schluss, dass ein internationaler Gesundheitsnotstand vorliegt, kann der Generaldirektor der WHO diesen ausrufen. Gleichzeitig berät das Gremium auch über mögliche Maßnahmen, die die Länder treffen müssen, um die Verbreitung des Erregers einzudämmen. Die Mitgliedsstaaten sind daran gebunden, die im Vertragstext aufgestellten Regeln zu befolgen und die Empfehlungen des Generaldirektors umzusetzen. 

Inzwischen wurde im Fall des Coronavirus der Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Wann wurde schon einmal ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen? 

Die Internationalen Gesundheitsvorschriften stammen aus dem Jahr 1969. Nach dem Ausbruch von SARS Anfang der 2000er Jahre wurden sie aktualisiert – seit 2005 regelt eine neue Fassung die Reaktion auf internationale Gesundheitsvorfälle. 

In der jüngeren Vergangenheit gab es drei Fälle, in denen der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen wurde: am 8. August 2014 wegen des Ebola-Ausbruchs in West-Afrika, am 1. Februar 2016 wegen des Zika-Virus in Südamerika. Am 17. Juli 2019 führte erneut Ebola zu einem Gesundheitsnotstand: der Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo wurde als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite eingestuft. 

Wo finde ich aktuelle Informationen der WHO zu Corona?

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