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Südostasien: Chancen und Herausforderungen

10.10.2017 - Artikel

Megastädte, wirtschaftlicher Aufschwung, aber auch der Umgang mit Ressourcenmangel und dem Klimawandel: die Region Südostasien, Heimat für mehr als 650 Millionen Menschen, entwickelt sich rasant, steht aber auch vor großen Herausforderungen.

Dynamische Entwicklung: Urbanisierung und Wirtschaftswachstum

Zentrum von Jakarta
Zentrum von Jakarta© picture alliance/prisma

Südostasien zählt zu den Regionen der Welt, die sich an dynamischsten entwickeln. Die Volkswirtschaften wachsen seit der Jahrtausendwende zumeist mit Raten von über 5%. Mit steigenden Bevölkerungszahlen wachsen auch die Städte: schon jetzt ist die indonesische Hauptstadt Jakarta mit 31 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Metropolregion der Welt. Kulturell und religiös ist die Region von Vielfalt geprägt. Muslime und Buddhisten sind ebenso vertreten wie Hinduisten, Christen und Anhänger weiterer Religionen.

Herausforderungen: Klimawandel und natürliche Ressourcen

Die rasante Entwicklung stellt die Region auch vor große Herausforderungen. Das schnelle Bevölkerungswachstum führt zu einer hohen Beanspruchung natürlicher Ressourcen – die Deckung des Energie-und Rohstoffbedarfs und die Bekämpfung der Armut sind wichtige Themen. Zudem ist Südostasien schon heute stark vom Klimawandel betroffen. Dennoch hat sich in den letzten Jahren ein neues Selbstbewusstsein in der Region entwickelt, das auch durch die bleibenden Herausforderungen nicht geschmälert wird.

Regionale Kooperation: 50 Jahre ASEAN

Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen von ASEAN im August 2017 in Manila
Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen von ASEAN im August 2017 in Manila© picture alliance/ZUMA Press

Entsprechend gewachsen ist das außen- und sicherheitspolitische Gewicht der Staaten, die sich in der der regionalen ASEAN-Gruppe (Association of Southeast Asian Nations) zusammengeschlossen haben. 1967 wurde der Verbund gegründet, inzwischen umfasst er die zehn Staaten der Region. Die Mitgliedsstaaten bekennen sich zu friedlicher Konfliktbeilegung und zu einem regelbasierten, multilateralen System der internationalen Kooperation.

Die Errichtung der ASEAN Wirtschaftsgemeinschaft (ASEAN Economic Community, AEC) stellt einen Meilenstein in der Entwicklung dar, die in den kommenden Jahren zu zunehmender Integration der ASEAN-Märkte führen soll. Alle ASEAN-Staaten haben sich zudem im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet, ihren Treibgasausstoß zu verringern. Mit der EU arbeiten die ASEAN-Staaten seit inzwischen vierzig Jahren eng zusammen.

Deutsches Engagement in der Region

Deutschland ist in allen Ländern Südostasiens – mit Ausnahme von Timor Leste - mit Botschaften und Generalkonsulaten vertreten, auch Auslandshandelskammern existieren in einigen Ländern. Die Bundesregierung fördert Entwicklungszusammenarbeit und andere Projekte unter anderem in den Bereichen der guten Regierungsführung (Demokratie- und Rechtsstaatlichkeit, Friedenssicherung und friedliche Konfliktbeilegung), der Armutsbekämpfung, der Förderung erneuerbarer Energiequellen, der beruflichen Bildung und der maritimen Zusammenarbeit. Je nach Land variieren die Schwerpunkte des Engagements.

Das Sultanat Brunei ist das kleinste Land Südostasiens. Aufgrund seines Ressourcenreichtums stehen wirtschaftspolitische Beziehungen sowie die Integration des Landes in ASEAN im Vordergrund.

Indonesien ist der weltweit größte Inselstaat und das bevölkerungsreichste Land in Südostasien. Indonesien pflegt enge Beziehungen zu Deutschland und nimmt eine entscheidende Rolle in der Zusammenarbeit mit der EU ein. Beide Länder sind seit 2012 durch eine strategische Partnerschaft verbunden. Deutschland unterstützt Bemühungen um den Ausbau des maritimen Sektors und strebt an, die deutsch-indonesischen Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. Energie, Klimawandel und Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, berufliche Bildung und Urbanisierung sind wichtige Themen der bilateralen Zusammenarbeit.

Kambodscha ist eines der Schwerpunktländer deutscher Entwicklungszusammenarbeit in Südostasien. Zurzeit steht die innenpolitische Lage des Landes mit den bevorstehenden Kommunalwahlen 2017 und den Parlamentswahlen 2018 sowie die Situation der Opposition und Menschenrechtsgruppen im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Marktverkäuferin in den Markthallen von Luang Namtha, Laos
Marktverkäuferin in den Markthallen von Luang Namtha, Laos

Auch in Laos werden besondere Akzente in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gesetzt, insbesondere in den Bereichen ländliche Entwicklung, wirtschaftliche Integration in ASEAN sowie Klima- und Umweltschutz. Zudem engagiert sich Deutschland verstärkt für den Kulturerhalt in Laos, zum Beispiel durch die Restaurierung von Wandmalereien und Tempeln.

Die Zusammenarbeit mit Malaysia, einem der wichtigsten Handelspartner der ASEAN-Staaten, ist besonders intensiv im wirtschaftlich-technologischen Bereich sowie beim akademischen Austausch. Viele deutsche Unternehmen schätzen Malaysia als regionale Produktions- und Vertriebsdrehscheibe und engagieren sich für den Ausbau der beruflichen Bildung im Land. Im Zentrum des außenpolitischen Interesses stehen die regionale Stabilitätspolitik Malaysias, die Rolle des Islams sowie Menschenrechtsthemen.

Myanmar hat seit 2011 einen tiefgreifenden Transitions- und Demokratisierungsprozess durchlaufen. Im Zentrum der deutschen Politik und der EU stehen die Unterstützung dieses Prozesses sowie Beiträge zur Entwicklung des Landes zu einer föderalistischen Gesellschaft. Für Deutschland ist außerdem der Friedensprozess mit den ethnischen Minderheiten entscheidend.

Die Beziehungen zu den Philippinen sind vor allem angesichts des Potentials der philippinischen Volkswirtschaft noch ausbaufähig. Die Entwicklungszusammenarbeit ist auf die Unterstützung des internen Bangsamoro-Friedensprozesses und auf Klimapolitik fokussiert. Darüber hinaus leistet die Bundesregierung humanitäre Hilfe nach Naturkatastrophen, wovon das Land häufig betroffen ist. Unter besonderer Beobachtung steht die Entwicklung der Menschenrechtslage, die sich mit zahlreichen Tötungen im Rahmen des sogenannten „Krieges gegen Drogen“ dramatisch zugespitzt hat.

Mit dem Stadtstaat Singapur pflegt Deutschland seit dessen Gründung 1965 enge Beziehungen. Singapur ist einer der zentralen Handelspartner in Südostasien mit über 1500 dort tätigen deutschen Unternehmen, ein wichtiges Finanzzentrum und ein herausragender Partner in der Wissenschaft und Forschung. Seiner regionalen Bedeutung, seiner Stabilität und seinem Einsatz für die Regionalorganisation ASEAN trägt ein enger außen- und sicherheitspolitischer Dialog Rechnung.

Goldene Buddha Statuen, Wat Arun, Bangkok
Goldene Buddha Statuen, Wat Arun, Bangkok© picture alliance / Peter Schickert

Deutschland ist Thailand seit über 150 Jahren durch diplomatische Beziehungen freundschaftlich verbunden. In Abstimmung mit unseren Partnern in der EU wurden die bilateralen politischen Begegnungen seit dem Militärputsch im Jahr 2014 jedoch eingeschränkt. Aus deutscher Sicht ist Thailand darüber hinaus ein wichtiger Partner innerhalb ASEANs. Umgekehrt ist Deutschland für Thailand wichtigster Handelspartner innerhalb der Europäischen Union. Circa 700.000 deutsche Touristen besuchen Thailand pro Jahr.

Seit 1975 bestehen diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam. Mit dem Beschluss der Kommunistischen Partei im Jahr 1986, das Land wirtschaftlich zu öffnen, begann das „vietnamesische Wirtschaftswunder“. Im Jahr 2011 vereinbarten beide Länder eine strategische Partnerschaft zur Stärkung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Eine wichtige Brücke zwischen Deutschland und Vietnam bilden die rund 100.000 Vietnamesen, die in Deutschland gearbeitet oder studiert haben.

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