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Militärische Fähigkeiten

12.08.2026 - Artikel

Die NATO muss jederzeit handlungsfähig sein. Nur so kann sie für Sicherheit sorgen. Das erfordert unter anderem moderne und einsatzbereite Streitkräfte der Alliierten, die in einem breiten Spektrum möglicher Szenarien einsetzbar sind.

Seit dem NATO-Gipfel 2022 in Madrid hat die NATO wichtige Maßnahmen zur Stärkung von Abschreckung und Verteidigung – u.a. neue Verteidigungspläne und eine neue Streitkräftestruktur (NATO Force Model) – beschlossen. Diese berücksichtigen umfassend die durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa. Durch eine höhere Präsenz an der NATO-Ostflanke und die Fähigkeit zu schnellen Verlegungen werden Abschreckung und Verteidigung gestärkt.

Beim NATO-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 haben sich die Alliierten auf ein neues Ziel für jährliche nationale Verteidigungsausgaben geeinigt („New Defence Investment Pledge“). Bis spätestens 2035 soll jede Nation jährlich mindestens 3,5% des BIP an Kernverteidigungsausgaben sowie jährlich bis zu 1,5% des BIP an verteidigungs- und sicherheitsrelevanten Investitionen nachweisen können. Dabei sind die 3,5% des BIP an Kernverteidigungsausgaben aus den Aufwendungen zur Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele abgeleitet. Letztere leiten sich wiederum aus der Bedrohungslage, insbesondere durch Russland, ab.

Bereits zum NATO-Gipfel in Ankara am 8. Juli 2026 konnten die Alliierten konkrete Fortschritte bei der Steigerung der Verteidigungsausgaben und militärischen Fähigkeiten vorweisen. Im Jahr 2025 steigerten Kanada und die europäischen Alliierten ihre Verteidigungsausgaben um mehr als 139 Milliarden US-Dollar und gaben neue Rüstungsbeschaffungsvorhaben im Umfang von 50 Milliarden US-Dollar bekannt. Damit stellten diese Alliierten unter Beweis, dass sie bereit sind, deutlich mehr Verantwortung für die Sicherheit im euroatlantischen Raum zu übernehmen – im Sinne eines stärkeren Europas in einer stärkeren NATO. Die Staats- und Regierungschefs bekräftigten beim Gipfel ihr unverbrüchliches Bekenntnis zur kollektiven Verteidigung gemäß Artikel 5 des Nordatlantikvertrags.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat gezeigt, dass auch in Zeiten angespannter Haushaltslage langfristig ausreichend Mittel für die Bereitstellung der notwendigen militärischen Fähigkeiten aufgewendet werden müssen.

Doch auch die Frage, wie Ressourcen am effektivsten eingesetzt werden können, ist kontinuierlich Thema in der Allianz. Dabei wird vor allem an einer stärkeren Verzahnung der Streitkräfte in Europa und dem Identifizieren von Synergieeffekten gearbeitet. So arbeiten die NATO-Staaten u.a. daran, gemeinsame Standards (Stichwort: Interoperabilität) zu schaffen. Beim NATO-Gipfel 2024 in Washington verständigten sich die Alliierten zuletzt beispielweise auf Maßnahmen zur Stärkung der Rüstungsindustrie und gaben eine gemeinsame Erklärung ab, die auch eine Selbstverpflichtung zur Erstellung nationaler Pläne erhält.

Das Rahmennationenkonzept

Das von Deutschland entwickelte Rahmennationenkonzept (engl. Framework Nations Concept – FNC) wurde beim NATO-Gipfeltreffen in Wales 2014 verabschiedet. Das deutsche FNC wurde seitdem kontinuierlich an die sicherheitspolitischen Erfordernisse und die operationellen Bedarfe angepasst.

Kern des Konzeptes bleibt es durch multinationale Zusammenarbeit Mitgliedsstaaten bei der Erfüllung von NATO-Fähigkeitszielen zu unterstützen, zur Ausführbarkeit der NATO-Verteidigungspläne beizutragen und die Zusammenarbeit zwischen EU und NATO zu fördern. Die deutsche Gruppierung umfasst 20 europäische Staaten (auch Nicht-NATO Mitglieder). Weitere NATO-Staaten beteiligen sich an einzelnen Aktivitäten. Diese adressieren unterschiedliche Bereiche wie die gemeinsame Aufstellung und Bereitstellung von Truppen, Ausbildung und Übung, Ausrüstung, die Entwicklung von gemeinsamen Grundsätzen oder die Weiterentwicklung in Fachbereichen. Hierdurch wird insbesondere die Interoperabilität zwischen den teilnehmenden Streitkräften gestärkt.

Das Konzept leistet dabei einen deutlichen Beitrag zu mehr transatlantischer Lastenteilung: Durch eine strukturierte Zusammenführung von militärischen Fähigkeiten und deren gemeinsame Entwicklung in Europa steigern die europäischen Mitgliedstaaten die Effektivität ihrer Verteidigungsanstrengungen.

Zudem enthält das Konzept eine europapolitische Dimension: Ziel ist ein schrittweises sicherheitspolitisches und militärisches Zusammenwachsen Europas und die Stärkung des europäischen Pfeilers in der Allianz.

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