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Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika und der Karibik

21.07.2026 - Artikel

Die Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika sind traditionell eng. Viele deutsche Unternehmen sind seit über 100 Jahren vor Ort und genießen hohes Ansehen.

Mitarbeiterinnen der Firma Beiersdorf, Silao, Mexiko (Archiv)
Mitarbeiterinnen der Firma Beiersdorf, Silao, Mexiko (Archiv) © Th. Koehler / photothek.net

In vielen Staaten wie etwa Brasilien, Argentinien und Mexiko sind dynamische Volkswirtschaften mit erheblichem Potenzial für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit entstanden. Dennoch stellen hohe Inflation, strukturelle Schwächen und schwierige globale Rahmenbedingungen die Staaten der Region vor große Herausforderungen. Gleichwohl spielt Lateinamerika eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung globaler wirtschaftlicher Transformationsprozesse, z.B. beim Ausbau Erneuerbarer Energien, für die einzelne Länder der Region wichtige Rohstoffe liefern.

Bevölkerungswachstum, zunehmende Urbanisierung und die Bestrebungen zur Diversifizierung von Wirtschaftsstrukturen bieten Chancen für die deutsche Wirtschaft. Der Bedarf an Modernisierung und Erweiterung der Infrastruktur in Lateinamerika ist beachtlich und eröffnet Perspektiven für Transport- und Logistikunternehmen. Auch in anderen Bereichen ist deutsche Spitzentechnologie gefragt, etwa im Bergbau, bei Erneuerbaren Energien, im Bereich Umwelttechnik und in der Gesundheitswirtschaft. Umgekehrt profitiert Deutschland von Impulsen für die eigene wirtschaftliche und technologische Weiterentwicklung, beispielsweise bei der Digitalisierung.

Umfassende Wirtschaftspartnerschaften mit Lateinamerika

Ziel der Bundesregierung ist nicht nur die engmaschige Zusammenarbeit in Schlüsselsektoren, sondern die Schaffung einer umfassenden Wirtschaftspartnerschaft mit Lateinamerika. Dafür unterstützt die Bundesregierung nachdrücklich die umfangreichen Bemühungen der Europäischen Union zum Abschluss ambitionierter Partnerschaftsabkommen. Neben weitreichenden Handelsabkommen mit Peru, Kolumbien und Chile wurde schon 2008 ein umfassendes Freihandels- und Wirtschaftsabkommen mit dem Karibischen Forum (CARIFORUM) unterzeichnet. Eine Modernisierung des bereits seit 2000 bestehende Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mexiko wurde im Mai 2026 unterzeichnet. Im Juni 2012 unterzeichnete die EU ein wegweisendes Assoziierungsabkommen mit den zentralamerikanischen Staaten Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama – das erste interregionale Abkommen dieser Art. Zentraler Bestandteil des am 1. Mai 2024 vollständig in Kraft getretenen Abkommens ist die Liberalisierung des Handels mit Industriegütern und Fischereiprodukten sowie der Abbau der meisten Zölle auf Agrarerzeugnisse.

Den wohl entscheidendsten Meilenstein bildet die Intensivierung der Handelsbeziehungen zu Lateinamerika durch das EU-MERCOSUR-Abkommen. Mit dem Abkommen entsteht eine der weltweit größten Freihandelszonen mit über 700 Millionen Einwohnern. Die Länder des MERCOSUR (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) sind wichtige Absatzmärkte für die deutsche Wirtschaft. Das Abkommen eröffnet deutschen und EU-Unternehmen die Möglichkeit, an der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung der Region verstärkt teilzuhaben. Vor allem innovative kleine und mittlere Unternehmen erlangen durch das Abkommen eine höhere Rechtssicherheit bei ihren unternehmerischen Aktivitäten.

Abkommen zwischen der EU und den MERCOSUR-Staaten

Deutsche Wirtschaft: Engagement unterstützen

VW-Werk in Buenos Aires/Argentinien.
VW-Werk in Buenos Aires/Argentinien. © Thomas Imo/photothek.de

Die Bundesregierung unterstützt die deutsche Wirtschaft bei der Erschließung des Potenzials Lateinamerikas. Die Auslandshandelskammern (AHK) bilden zusammen mit der bundeseigenen Germany Trade and Invest (GTAI) und den deutschen Auslandsvertretungen die drei Säulen der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Kleinere und mittlere Unternehmen stellen dabei die wesentliche Zielgruppe dar. Auch der Lateinamerika-Verein leistet als Unternehmensnetzwerk und Informationsplattform für die deutsche Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zum Auf- und Ausbau von Geschäftsaktivitäten in der Region. Der Lateinamerika-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (LADW) ist ein beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) angesiedeltes Unternehmensgremium, das den Blick der Industrie auf die deutsch-lateinamerikanische Wirtschaftskooperation repräsentiert. In der Lateinamerika-Initiative der deutschen Wirtschaft (LAI) haben sich die Wirtschaftsverbände zusammengeschlossen.

Energie und Rohstoffe nachhaltig gewinnen und nutzen

Fabrik der Firma Schaeffler in Irapuato, Mexiko (Archiv)
Fabrik der Firma Schaeffler in Irapuato, Mexiko (Archiv) © Th. Koehler / photothek.net

Die Energie- und Rohstoffpolitik ist in der Zusammenarbeit Deutschlands mit Lateinamerika ein bedeutendes Thema. Deutschland ist als rohstoffarmes Land stark von Importen abhängig. Für die Rohstoffpolitik der Bundesregierung spielen neben der Versorgungssicherheit auch die Wirtschaftlichkeit der Produktion und die Umweltverträglichkeit eine zentrale Rolle.

Deutschland ist im Energiebereich bereits einer der wichtigsten bilateralen Kooperationspartner in der Region. Das Potenzial zur Erhöhung der Energieeffizienz ist in Lateinamerika erheblich und längst nicht ausgeschöpft. Das gleiche gilt für die Effizienz bei der Erzeugung und dem Transport von Energie. Auch eine nachhaltige, sichere und kostenadäquate Energie- und Rohstoffversorgung Deutschlands ist wichtiger Gegenstand der Zusammenarbeit.

Die Bundesregierung steht deshalb den Staaten der Region beim Aufbau nachhaltiger Energiesysteme durch Beratung, Finanzierung von Vorhaben sowie durch Energie- und Klimaschutzabkommen zur Seite. Deutsche Unternehmen haben beste Voraussetzungen, um an der Modernisierung der Energieerzeugung in Lateinamerika teilzunehmen. Es gilt, auch neue Märkte insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und der Umwelttechnologie sowie der Rohstoffförderung zu erschließen.

In Lateinamerika finden sich große Vorkommen an mineralischen Rohstoffen wie Eisen, Kupfer, Zinn und Lithium. Knapp 60 Prozent der weltweiten Produktion von Lithium, das für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus zum Beispiel für Elektroautos wichtig ist, kommen aus Lateinamerika. Das zeigt, dass die Zusammenarbeit mit Lateinamerika für die Entwicklung und den Einsatz von Zukunftstechnologien am Hightech-Standort Deutschland von großer Bedeutung ist.

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