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Deutschland und China: bilaterale Beziehungen China

21.03.2019 - Artikel

Politik

Die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen. 

Seitdem haben sich diese Beziehungen zu großer Vielfalt, beachtlicher Dichte und zunehmender politischer Substanz entwickelt - sie sind freundschaftlich und gut. Deutschland vertritt ebenso wie alle EU-Partner eine Ein-China-Politik. China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Angesichts der wachsenden Unsicherheitsfaktoren, internationalen Krisen und globalen Herausforderungen kommt der Zusammenarbeit und Abstimmung der beiden strategischen Partner Deutschland und China eine immer größere Bedeutung zu. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als seinen Schlüsselpartner in Europa. Regelmäßige hochrangige politische Abstimmung und dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, kultur- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit prägen die Beziehungen. 

Seit 2004 werden die deutsch-chinesischen Beziehungen daher als ‘Strategische Partnerschaft in globaler Verantwortung‘ bezeichnet, die mit dem Staatsbesuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Deutschland Ende März 2014 zu einer 'umfassenden strategischen Partnerschaft' angehoben wurden. Seit 2011 finden regelmäßige Regierungskonsultationen statt, zuletzt im Juli 2018, bei denen beide Kabinette unter Leitung der Regierungschefs zusammenkommen. 

Darüber hinaus gibt es insgesamt rund 80 Dialogmechanismen, davon viele auf hoher Regierungsebene, zwischen Fachministern, Staatssekretären, Abteilungsleitern und Leitern von Regierungsbehörden. Wichtige Abstimmungsformate sind der Strategische Außen- und Sicherheitspolitische Dialog der Außenminister und der hochrangige finanzpolitische Dialog der Finanzminister und Notenbankchefs. 

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung unserer bilateralen Beziehungen bestehen weiterhin grundsätzliche Meinungsunterschiede im Bereich der Menschenrechte, insbesondere zu den persönlichen Freiheitsrechten. Es bleibt ein wichtiges Interesse Deutschlands, dass China sich innenpolitisch weiterentwickelt, rechtsstaatliche Strukturen und Sozialsysteme entwickelt, mehr politische und ökonomische Gerechtigkeit, vor allem auch grundlegende Freiheitsrechte, zulässt und Minderheitenfragen friedlich löst. Ein wichtiges Kooperationsinstrument zur Entwicklung von mehr Rechtsstaatlichkeit ist der Rechtsstaatsdialog. Ebenso wichtig ist der jährliche geplante bilaterale Menschenrechtsdialog.

Rechtsstaatsdialog und Menschenrechtsdialog

Der deutsch-chinesische Rechtsstaatsdialog geht auf eine Vereinbarung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji vom November 1999 zurück. Er soll für den Aufbau eines Rechtsstaats und die Durchsetzung der Menschenrechte in China einen langfristigen Ansatz bieten. Koordinatoren des Rechtsstaatsdialogs sind auf deutscher Seite das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, auf chinesischer Seite das Justizministerium.

Einmal im Jahr findet ein Symposium statt, bei dem deutsche und chinesische Regierungsvertreter und Experten über ein aktuelles rechtliches Thema debattieren. Das letzte deutsch-chinesische Rechtsstaatssymposium fand unter Leitung der Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz Barley und des chinesischen Justizministers Fu, im August 2018 in Deutschland zu dem Thema „Entwicklung eines staatlichen Systems der Rechtsdienstleistungen“ statt.

Die aus diesem Dialog herrührenden Erkenntnisse und Anregungen haben Einfluss auf die Ausgestaltung von Rechtsnormen in China gehabt und unterstützen damit auch die Bestrebungen der chinesischen Regierung, Rechtsnormen in bestimmten Bereichen durchzusetzen.

Der Menschenrechtsdialog fand zuletzt am 7. und 8. Dezember 2018 in Lhasa/ Tibet statt. Im Vordergrund der Gespräche standen die Menschenrechtslage in Xinjiang und Tibet, einschließlich Einzelfälle, und die Zusammenarbeit in den Menschenrechtsgremien der Vereinten Nationen.

Wirtschaft

Mit einem Handelsvolumen von 199,3 Mrd. Euro war China 2018 zum dritten Mal in Folge der wichtigste Handelspartner Deutschlands, vor den Niederlanden (189,4 Mrd. EUR) und den Vereinigten Staaten (178,0 Mrd. EUR). Im Jahr 2018 wurden Güter im Wert von 93,1 Mrd. EUR von Deutschland nach China exportiert (2017: 86,2 Mrd.). Somit ist China das drittgrößte Abnehmerland deutscher Waren im Jahr 2018, nach den Vereinigten Staaten (113,5 Mrd. EUR) und Frankreich (105,3 Mrd. EUR). Mit einem Importvolumen von 106,2 Mrd. EUR ist China das wichtigste deutsche Lieferland im Jahr 2018 (2017 100,5 Mrd.), gefolgt von Niederlanden (98,2 Mrd. EUR) und Frankreich und den USA (jeweils rund 65 Mrd. EUR). (Quelle: destatis). 

Der Umbau der bisher exportgetriebenen chinesischen Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, innovationsgetriebenen Wachstum und einer Stärkung des Binnenkonsums bietet für die deutsche Wirtschaft große Chancen: China ist für die deutschen Automobilhersteller der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. BMW, Daimler und Volkswagen haben hier 2018 rund 5,5 Mio. Neufahrzeuge abgesetzt und bis zu 50% ihres weltweiten Gewinns erwirtschaftet.  Allein die Volkswagengruppe verkaufte 2018  4,21 Mio. Fahrzeuge. In keinem anderen Land werden mehr deutsche Kraftfahrzeugteile veräußert als in China. Auch für den deutschen Maschinenbau ist China der weltweit wichtigste Absatzmarkt. Laut VDMA wurden 2018 Maschinen im Wert von 19,06 Mrd. EUR verkauft. Die deutschen Elektrotechnik-Ausfuhren nach China betrugen 2018 laut ZVEI 21,0 Mrd. EUR.

Investitionen

Die deutsche Wirtschaft engagiert sich bis heute deutlich stärker in China als China in Deutschland. Derzeit sind in Deutschland rund 900 chinesische Unternehmen tätig. Dem stehen ca. 5.200 deutsche Unternehmen in China gegenüber, die 1,1 Millionen Personen beschäftigen. Insgesamt haben deutsche Unternehmen bis heute um ein Vielfaches mehr in China investiert als umgekehrt, allerdings sind stark gestiegene chinesische Aktivitäten in Deutschland feststellbar, auch aufgrund der globalen Investitionsstrategie der chinesischen Regierung („Going-Global-Strategie“), die ausländische Investitionen der chinesischen Wirtschaft in ausgewählten Sektoren ermutigt und flankiert. Trotz der zurückgegangenen Anzahl der gekauften deutschen Unternehmen (54 gegenüber 68 im Vorjahr) haben chinesischen Investoren mit 13,7 Mrd. USD im Jahr 2017 in größerem Umfang als im Vorjahr investiert. Für Investitionen in Deutschland spielt dabei ferner die Erfüllung der industriepolitischen „Made in China 2025“-Strategie eine zentrale Rolle, die sich eine weitgehende industriepolitische Autonomie bzw. Weltmarktführerschaft in zehn Schlüsseltechnologien zum Ziel gesetzt hat.

Schwerpunkte des chinesischen Engagements in Deutschland sind deshalb die Bereiche Maschinenbau, Elektronik, Konsumgüter und Informations- und Kommunikationstechnologie. 

China hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich ausländische Direktinvestitionen eingeworben, gleichwohl müssen noch immer Transparenz und Investitionssicherheit erhöht werden, um den Investitionsstandort auch für mittelständische Unternehmen attraktiv zu machen. Investoren erwarten mehr Vertragsfreiheit und gleiche Marktzugangsbedingungen, insbesondere denselben Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen wie chinesische Unternehmen. Vor allem auch im bisher stark reglementierten, aber auch stark wachsenden Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Logistik und Handel) wird sich zeigen, ob die Reformpläne der chinesischen Regierung eine Verbesserung bringen.

Bislang ist ausländischen Unternehmen der Zugang zu vielen interessanten Tätigkeitsfeldern rechtlich verschlossen und/oder faktisch nicht möglich. Denn in China regelt bis heute ein ausführlicher Investitionskatalog für ausländische Unternehmen für jedes Marktsegment, ob und in welcher Form ausländische Investitionen willkommen sind.  ). Die aktuelle Fassung der „Special Management Measures for Foreign Investment Access (Negative List 2018 Edition)“ enthält Investitionsverbote für ausl. Unternehmen sowie Beschränkungen und Obergrenzen für ausl. Beteiligungen. Nicht aufgezählte Vorhaben sind grundsätzlich erlaubt, auch als rein ausländisch finanzierte Unternehmung (kein Joint-Venture Zwang). Allerdings enthält der Katalog keine gesetzlich verbindlichen und zudem auch keine abschließenden Vorgaben. Seit Inkrafttreten wurde der Katalog mehrfach überarbeitet, wobei Investitionsverbote und –beschränkungen in der Summe reduziert wurden,  z.B. bis 2022 stufenweise auslaufender JV-Zwang im Automobil- und Finanzsektor). Vergleicht man allerdings die Zugangsmöglichkeiten von EU-Unternehmen in China mit den entsprechenden Möglichkeiten CHN-Unternehmen in Europa wird eine massive Asymmetrie  erkennbar, die noch verstärkt wird, wenn Unternehmenskäufe in der EU von CHN-Marktteilnehmer durch vergünstigte staatliche CHN-Kredite gefördert werden.

Seit 2005 gibt es ein bilaterales deutsch-chinesisches Investitionsschutzabkommen, das die Rahmenbedingungen für beiderseitige Investitionen regelt und eine gleichberechtigte Investitionslage herstellen soll. Zwischen der EU und China wurden im November 2013 Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen aufgenommen, das neben Regelungen zum Investitionsschutz auch Verbesserungen im Marktzugang erhalten soll. Die Verhandlungen darüber dauern an.

Außenwirtschaftsförderung

Im Rahmen der Förderung deutscher Außenwirtschaftsinteressen in China sind neben der Deutschen Botschaft Peking und den Generalkonsulaten in Chengdu, Guangzhou (Kanton), Shanghai, Shenyang und Hongkong auch Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft (unter dem Dach des Auslandskammerwesens des Deutschen Industrie- und Handelskammertags - DIHK) tätig, ferner Auslandsmitarbeiter von „Germany Trade and Invest“ (GTAI) für den Außenwirtschaftsbereich in Peking, Shanghai und Hongkong sowie für den Investitionsförderbereich in Peking und Shanghai. 

Delegiertenbüros und die Büros von „Germany Trade and Invest“ arbeiten eng mit der Deutschen Botschaft in Peking und den deutschen Generalkonsulaten zusammen. Deutsche Unternehmen in (Festland-) China haben sich in einer Kammer organisiert, deren Geschäftsführung in Personalunion von den Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Peking wahrgenommen wird. In Hongkong besteht eine „German Business Association“.

Energie, Umwelt und Klima

Der Aufbau einer „ökologischen Zivilisation“ ist ein Leitbild der aktuellen Führung unter Xi Jinping. Diese soll angesichts der Umwelt- und Ressourcenprobleme wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung, Industrie, Landwirtschaft, Urbanisierung und Ökologie besser als bislang miteinander verbinden. Die chinesische Zentralregierung setzt daher in ihrem aktuellen Fünf-Jahresplan stärker auf nachhaltiges und qualitatives statt auf rein quantitatives Wachstum. 

Zentrale Fragen, denen sich die Volksrepublik China daher stärker widmet, sind die Modernisierung der Umweltpolitik, die Verbesserung der Luftqualität, eine umweltfreundlichere Energiepolitik einschließlich des Ausbaus nicht-fossiler Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen, Maßnahmen zum Klimaschutz (Emissionsreduzierung sowie Anpassung an den Klimawandel) und die Bewältigung der aus dem nach wie vor hohen Urbanisierungsdruck innerhalb Chinas resultierenden Probleme. Der Zustand von Umweltgütern macht diese Notwendigkeit deutlich: anhaltend hohe Luftverschmutzung in weiten Teilen Chinas, zunehmend sichtbare Probleme der Wasserverfügbarkeit und -qualität und deren negativer Einfluss auf die Landwirtschaft sowie schlechte Bodenqualitäten  (40 % der landwirtschaftlichen Flächen sind – legt man deutsche Maßstäbe zugrunde- durch Schwermetalle und Überdüngung derart belastet, dass sie eigentlich für die Lebensmittelherstellung ungeeignet sind). Der absehbar in den nächsten Jahren steigende Energieverbrauch verstärkt den Handlungsdruck. 

Durch die Vorreiterrolle, die Deutschland in vielen Bereichen des Klima- und Umweltschutzes sowie der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz einnimmt, ergibt sich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für eine Partnerschaft mit China. 

Zwischen Deutschland und China besteht seit 2006 eine Energiepartnerschaft, die 2013 mit zwei Abkommen vertieft worden ist. Ziel ist es, den politischen Dialog zu fördern und eine Plattform für fachlichen Informations- und Erfahrungsaustausch zu bieten. Mit der Internationalen Klimainitiative unterstützt die Bundesregierung zahlreiche Klimaschutzprojekte. Dies umfasst unter anderem die Beratung Chinas zur Einführung eines Emissionshandelssystems, zum Aufbau karbonarmer Transportsysteme, kohlenstoffarmer Landnutzung sowie Fortbildungsmaßnahmen für Entscheidungsträger. Im Rahmen einer jährlich stattfindenden Arbeitsgruppe zum Klimaschutz tauschen sich beide Länder intensiv über aktuelle Entwicklungen und Maßnahmen aus. Grundlage ist ein zwischen beiden Ländern 2009 vereinbartes 'Memorandum of Understanding' über eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Klimaänderungen. 

Seit 2013 besteht eine bilaterale Urbanisierungspartnerschaft, um den Urbanisierungsprozess in China über konkrete Projekte nachhaltig zu gestalten. Hieraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte und Chancen für die Wirtschaft.

Verkehr

Im Verkehrsbereich bestehen zahlreiche Vereinbarungen über bilaterale Kooperationen zwischen Deutschland und China.

Deutschland hat bereits im Jahr 1984 eine bilaterale Vereinbarung mit China über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Binnenschifffahrt abgeschlossen, die 2003 auf eine Zusammenarbeit auf den Gebieten Binnenschifffahrt und Wasserstraßen erweitert wurde und durch regelmäßige Konsultationen aktiv ausgestaltet wird.

Zur Vertiefung der internationalen Kooperation mit China im Bereich Logistik wurde 2011 ein Aktionsplan „Grüne Logistik“ unterzeichnet. Grüne Logistik zielt auf die Schaffung umweltgerechter und ressourceneffizienter Logistikprozesse unter Beachtung der drei Nachhaltigkeitssäulen Ökonomie, Ökologie und Soziales ab und stellt insofern ein wichtiges Zukunftsthema für Unternehmen weltweit dar. Zur Umsetzung des Aktionsplans findet einmal im Jahr abwechselnd in Deutschland und in China eine Konferenz statt, die von beiden Regierungen gemeinsam durchgeführt wird. Sie verfolgt das Ziel, deutschen und chinesischen Unternehmen sowie Forschungsinstituten und sonstigen Einrichtungen die Gelegenheit zu geben, Projekte und Aktivitäten zur Grünen Logistik vorzustellen sowie die entsprechenden Ansprechpartner im Partnerland anzutreffen und so Kooperationen anzustoßen.

Mit der Regierungsvereinbarung vom 28. Juni 2011 wurde die Deutsch-Chinesische Plattform Elektromobilität ins Leben gerufen, welche die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen der Bundes- und der chinesischen Zentralregierung darstellt. Ein starkes deutsches Interesse an der Kooperation mit China auf den Schlüsselfeldern der Mobilität ergibt sich insbesondere daraus, dass die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien und Kraftstoffe stark von internationaler Nachfrage und Technologieentwicklung abhängig ist und China hierbei einen weltweit entscheidenden Akteur darstellt. Dazu wurde im Rahmen der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen 2016 eine Gemeinsame Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie unterzeichnet.

Für die Zukunft der Mobilität wird insbesondere automatisiertes und vernetztes Fahren eine zentrale Rolle spielen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China bei der Entwicklung und Einführung des automatisierten und vernetzten Fahrens wurde durch eine Gemeinsame Absichtserklärung im Juli 2018 vereinbart. 

Entwicklungszusammenarbeit

Als arm gilt in China, wer weniger als 3.300 RMB (im Februar 2019 ca. 420 Euro) pro Jahr zur Verfügung hat . Mit der 1978 eingeleiteten Öffnungspolitik und den schrittweisen Wirtschaftsreformen wurde die Armut in China massiv zurückgedrängt. Nach offiziellen Zahlen konnten sich in diesem Zeitraum  600 Mio. Menschen aus der Armut befreit. 2017 lebten in China allerdings noch 30 Mio. Menschen unter der Armutsgrenze, Ende 2018 noch 17 Mio. . Der. laufende Fünfjahresplan sieht vor, dass bis 2020 kein Chinese  unterhalb der Armutsgrenze leben soll.

Die Bundesregierung beendete 2009  die klassische Entwicklungszusammenarbeit mit China. China ist selbst  mittlerweile  einer der größten Kreditgeber in Entwicklungs- und Schwellenländern. In Zukunft kommt es deshalb darauf an, China stärker in die Lösung globaler Entwicklungsfragen (Agenda 2030) und in internationale Verantwortungssysteme einzubinden. Die Bundesregierung will mit China verstärkt in Dialoge über globale Entwicklungsfragen eintreten und neue Formen der Zusammenarbeit, etwa trilaterale Kooperationen, etablieren. Zu diesem Zweck wurde im Mai 2017 das Zentrum für nachhaltige Entwicklung in Peking eingerichtet.

Wissenschaft und Technologie

Im Jahr 2018 ist die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China 40 Jahre alt geworden. Sie ist seit dem Jahr 1978 immer weiter ausgebaut und intensiviert worden. Mit Veröffentlichung einer eigenen China-Strategie im Oktober 2015 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschland-Strategie des chinesischen Forschungsministeriums im Herbst 2016 haben beide Länder einen kohärenten und systematischen Rahmen für ihre wissenschaftliche Partnerschaft entwickelt. Auch in der beruflichen und akademischen Bildung arbeiten Deutschland und China seit vielen Jahren erfolgreich zusammen.

Für die nachhaltige Restrukturierung der Wirtschaft hat die chinesische Regierung die Rolle der Innovation ins Zentrum gestellt. Passend dazu steigen die Gelder, die für F&E aufgewendet werden, kontinuierlich an, zahlreiche staatliche Initiativen geben mit ambitionierten Zielen den Weg vor. Hierzu zählen z. B. die Strategie „Made in China 2025“ und die Einrichtung von Innovationszonen und -clustern. Deutschland ist auch in diesen Bereichen häufig Präferenzpartner. Die 2017 neu gestartete strategische Innovationspartnerschaft fokussiert mit der Deutsch-Chinesischen Plattform Innovation auf den Erfahrungsaustausch von Experten sowie die Identifizierung gemeinsamer Zielen im Bereich Innovationspolitik.

Eine wichtige Rolle in der Wissenschaftskooperation spielen die deutschen Wissenschaftsorganisationen. In China sind vor allem die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG, die Fraunhofer-Gesellschaft FhG und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren HGF aktiv.

Ernährung und Landwirtschaft

China ist seit 2011 der weltgrößte Markt für Lebensmittel, noch vor den USA. Seit 2004 ist China zunehmend auf Importe angewiesen und vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur von Agrar- und Nahrungsmittelprodukten geworden. Vor allem Getreide und Soja als Futtermittel für die Erzeugung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs wurden verstärkt importiert, aber in immer größerem Umfang auch verarbeitete Lebensmittel selbst, wie hochwertige Milchprodukte in Form von Babymilchpulver und Jogurt aus Deutschland, die in sehr gutem Ruf stehen.  

Der chinesische Markt bleibt für die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft weiterhin ein attraktiver Absatzmarkt, obwohl der Anteil der Exporte deutscher Ernährungsgüter an den Gesamtexporten Deutschlands nach China im Jahr 2017 auf 1,8 % sank. Absolut waren die Exporte mit 1,6 Mrd. Euro ebenfalls leicht rückläufig. Auch 2018 hat sich der Umfang der Exporte nach China kaum verändert, wobei die Einbußen vorwiegend im Fleischsektor liegen. Ursache hierfür sind hohe EU- und Weltmarktpreise, die Preiskonkurrenz zu Substituten und konkurrierende Exporteure, aber auch ein schwieriger Marktzugang. Welche nachhaltige Dynamik der Ausbruch des Afrikanischen Schweinefiebers seit August 2018 für China haben wird, ist nur schwer abzusehen. Mittelfristig ist ein spürbarer Rückgang der heimischen Erzeugung und ein Nachfrageschub für Importware zu erwarten. Die wichtigsten Exportfelder  für Deutschland sind Erzeugnisse tierischen Ursprungs (0,9 Mrd. €, -24 %), hierunter insbesondere Fleisch und Fleischwaren (507 Mio. EUR, -43 %), Milch und Milcherzeugnisse (331 Mio. EUR, +29 %), aber auch Backwaren (272 Mio. EUR, +66 %), sowie Bierexporte (129 Mio. EUR; - 25 %), die sehr unter der Konkurrenz bei stagnierendem inländischem Verbrauch litten.

Die bilateralen Projekte des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden von dem im Jahr 2015 gegründeten Deutsch-Chinesischen Agrarzentrum (DCZ) koordiniert. Das DCZ dient als Plattform für den agrarpolitischen, -wirtschaftlichen sowie -wissenschaftlichen Dialog. Hierzu zählen auch die Durchführung von Workshops und Seminaren über Fachthemen wie die Förderpolitik, Digitalisierung in der Landwirtschaft und Fragen zur ländlichen Entwicklung sowie Fachinformationsreisen nach Deutschland. Die Ausrichtung der jährlich stattfindenden deutsch-chinesischen Agrartage sind zu einem vielbeachteten und festen Bestandteil der Arbeit des DCZs geworden. 2018 begann die zweite Projektphase des DCZ. BMEL führt auch das seit 2017 laufende Forstprojekt fort, um die Umgestaltung von Wäldern zu einer nachhaltigen Forstwirtschaft in Pilotregionen modellhaft aufzuzeigen. Ergänzt werden diese Initiativen durch gemeinsame, erfolgreiche Agrarforschungsaktivitäten und Projekte im nachhaltigen Pflanzenbau mit moderner Landtechnik, Tiermanagement und -genetik, in deren Rahmen ein reger Wissensaustausch auch unter Einbeziehung von Partnern relevanter Industrien stattfindet. Der rein wissenschaftliche Austausch zwischen deutschen und chinesischen Forschungseinrichtungen wird auch 2019 im Rahmen von BMEL geförderten bilateralen Forschungskooperationen seit Jahren sehr fruchtbar und effizient betrieben.

Kultur

Mit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik hat sich China schrittweise auch für ausländische Kultur geöffnet. Auch die chinesische Regierung engagiert sich seit einigen Jahren verstärkt dafür, die eigene Sprache und Kultur im Ausland zu verbreiten; sie sieht hierin einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Verbesserung des China-Bildes im Ausland. Diese Aufgabe nehmen sowohl staatliche Kulturinstitute ('Kulturzentren') als auch die meist als Universitätskooperationen organisierten Konfuzius-Institute wahr.

Deutschland richtet in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik besondere Aufmerksamkeit auf China. Zahlreiche deutsche Kultur- und Bildungsmittler sind in China vertreten, darunter das Goethe-Institut in Peking und Shanghai sowie neun Goethe-Sprachlernzentren als Kooperationen zwischen dem Goethe-Institut und chinesischen Bildungseinrichtungen, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Deutsche Archäologische Institut, das Buchinformationszentrum, die Akademische Prüfstelle sowie verschiedene private Stiftungen. 

Der privat organisierte Kulturaustausch gewinnt an Bedeutung: So sind im Bereich der darstellenden Kunst zahlreiche hervorragende deutsche Orchester, Opern und Ballettcompagnien in den letzten Jahren auf Tournee in China gewesen. Gleiches gilt für die bildende Kunst; neben großen Ausstellungen mit staatlicher Unterstützung leisten private Galerien und Kunstmessen einen wichtigen Beitrag. Aber auch der staatlich unterstützte Kulturaustausch wurde im September 2017 durch die Ausstellung „Deutschland8“ in Peking fortgesetzt, nachdem im Jahr 2015 die Ausstellung „China8“ in Nordrhein-Westfalen gastierte. 

Am 24. Mai 2017 fand in Peking die erste Sitzung des „Hochrangigen deutsch-chinesischen Dialogs zur Förderung und Unterstützung des gesellschaftlich-kulturellen Austauschs“ (People-to-People-Dialog) unter dem Ko-Vorsitz des ehemaligen Bundesaußenministers Sigmar Gabriel und der ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidentin Liu Yandong mit über 500 Teilnehmern statt. Durch den Dialog sollen die Rahmenbedingungen für den zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und China in den Bereichen Bildung, Kultur, Sprache, Medien, Sport und Jugend verbessert werden.

Bildung

Die Initiative 'Schulen: Partner der Zukunft' (PASCH) wird in China sehr erfolgreich umgesetzt. Gegenwärtig werden mehr als 120 chinesische Schulen mit verstärktem Deutschunterricht durch das Goethe-Institut und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen mit eigenen Fachkräften vor Ort betreut. Der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz unterstützt diese Initiative durch jährlichen Schüleraustausch und Lehrerfortbildungen. 

In Peking, Shanghai, Changchun und Hongkong gibt es von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen zertifizierte Deutsche Auslandsschulen. 

Aktuell bestehen laut Hochschulkompass über 1.200 bilaterale Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) koordiniert und unterstützt den akademischen Austausch in beide Richtungen mit Stipendien- und Beratungsangeboten für Studierende und Wissenschaftler. Der DAAD ist in China mit einer Außenstelle in Peking, Informationszentren in Shanghai, Kanton und Hongkong, sowie mehr als dreißig Lektoren und Sprachassistenten an chinesischen Universitäten vertreten. 

Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Stipendien an hochbegabte Wissenschaftler vergibt, unterhält in China ein Netzwerk von mehr als 1350 Humboldtianern. Laut der letzten verfügbaren Statistik des chinesischen Bildungsministeriums studierten im Jahr 2016 rund 8.150 Deutsche in China. Dem stehen etwa 37.600 Chinesinnen und Chinesen gegenüber, die 2017 an deutschen Hochschulen studierten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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