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Südostasien: Im Herzen des Indopazifiks
Megastädte, wirtschaftlicher Aufschwung, aber auch der Umgang mit Ressourcenmangel und dem Klimawandel: die Region Südostasien, Heimat für mehr als 650 Millionen Menschen, entwickelt sich rasant, steht aber auch vor großen Herausforderungen.
Dynamische Entwicklung: Urbanisierung und Wirtschaftswachstum
Südostasien zählt zu den dynamischsten Regionen der Welt: rasantes Wirtschaftswachstum mit Raten von über 5 %; reich an kritischen Rohstoffen wie Nickel, Kobalt oder Lithium; attraktive Standorte von Massenproduktion bis Hightech-Fertigung; eine junge, aufstrebende Bevölkerung, die bis 2050 weiterwächst; und beliebte Zielregion für deutsche Touristinnen und Touristen. Geopolitisch steht Südostasien im Zentrum des globalen Wettbewerbs politischer Großmächte. Wie Deutschland sich hier positioniert, kann darauf Einfluss nehmen, wie die internationale Ordnung im 21. Jahrhundert ausgestaltet sein wird.
Regionale Kooperation
In den letzten Jahren ist auch das außen- und sicherheitspolitische Gewicht der Staaten gewachsen, die sich in der Regionalorganisation ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) zusammengeschlossen haben. Der 1967 gegründete Verbund der elf Staaten Südostasiens bietet einen institutionellen Rahmen, der für Stabilität, Prosperität und politische Orientierung sorgt: Die Mitgliedstaaten bekennen sich zu friedlicher Konfliktbeilegung und einem multilateralen System der Kooperation, basierend auf dem Völkerrecht. Die Bundesregierung hat sich schon 2020 zum Ziel gesetzt, zu einer Stärkung der Handlungsfähigkeit ASEANs beizutragen.
Deutschland ist seit 2016 Entwicklungspartner von ASEAN. Ebenfalls 2020 vollzog Deutschland auch den Beitritt zum Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit in Südostasien von 1967 und legte damit den Grundstein für eine vertiefte Zusammenarbeit im sicherheitspolitischen Bereich. In der Partnerschaft mit ASEAN pflegt Deutschland u. a. eine enge Zusammenarbeit in Umwelt- und Klimaschutz, wirtschaftlicher Integration und beruflicher Bildung, unterstützt das ASEAN Sekretariat institutionell und stärkt das ASEAN Coordinating Centre for Humanitarian Assistance (AHA Centre).
Deutsches Engagement in der Region
Deutschland ist in allen Staaten Südostasiens – mit Ausnahme von Timor-Leste – mit Botschaften und zum Teil Generalkonsulaten vertreten, auch Auslandshandelskammern existieren in einigen Ländern. Die Bundesregierung legt in ihrer Kooperation den Schwerpunkt auf sicherheitspolitische und maritime Zusammenarbeit zur Förderung von Multilateralismus und Völkerrecht, sowie Handel, Investitionen, Fachkräftegewinnung, kritische Rohstoffe, erneuerbare Energien, Klimawandel und Umweltschutz.
Indonesien das weltweit größte Inselarchipel und das bevölkerungsreichste sowie wirtschaftsstärkste Land in Südostasien, außerdem die drittgrößte Demokratie der Welt und das Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung, G20- und BRICS-Mitglied. Indonesien pflegt enge Beziehungen zu Deutschland; beide Länder sind seit 2012 durch eine strategische Partnerschaft verbunden. 2022 markiert das 70-jährige Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten. Im Rahmen einer globalen Entwicklungspartnerschaft sind die Energiewende, der Klimawandel, grüne Infrastruktur und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, sowie berufliche Bildung und Urbanisierung die wichtigsten Themen der bilateralen Zusammenarbeit.
Mit dem Stadtstaat Singapur pflegt Deutschland seit 60 Jahren enge Beziehungen. 2024 einigten sich beide Staaten auf die Aufwertung der Beziehungen zur Strategischen Partnerschaft mit einer Vielzahl neuer Impulse, insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft, Technologie und Bildung. Singapur ist einer der zentralen Handelspartner in Südostasien, ein wichtiges Finanzzentrum und ein herausragender Partner in der Wissenschaft und Forschung.
2025 begingen Deutschland und Vietnam 50 Jahre diplomatische Beziehungen. Mit der wirtschaftlichen Öffnung Vietnams seit 1986 begann das „vietnamesische Wirtschaftswunder“. Das Land gehört inzwischen zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands in Südostasien. Auch viele Fachkräfte kommen aus Vietnam nach Deutschland. 2011 vereinbarten beide Länder eine Strategische Partnerschaft zur Stärkung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen, zu der u. a. auch der deutsch-vietnamesische Rechtsstaatsdialog gehört. Eine wichtige Brücke zwischen beiden Ländern bilden die über 200.000 vietnamesischen Staatsangehörigen oder Deutsche vietnamesischer Herkunft in Deutschland sowie 165.000 nach Vietnam zurückgekehrte Vietnamesinnen und Vietnamesen, die in Deutschland gearbeitet oder studiert haben.
Die Zusammenarbeit mit Malaysia, einem der wichtigsten Handelspartner unter den ASEAN-Staaten, ist besonders intensiv im wirtschaftlich-technologischen Bereich sowie beim akademischen Austausch. Viele deutsche Unternehmen schätzen Malaysia als regionale Produktions- und Vertriebsdrehscheibe und engagieren sich für den Ausbau der beruflichen Bildung im Land. Die von Infineon 2024 in Kulim im Osten Malaysias eröffnete Fabrik für Leistungshalbleiter ist die größte weltweit.
Die Beziehungen zu den Philippinen intensivieren sich weiter, insbesondere auch die maritime sicherheitspolitische Zusammenarbeit. 2025 schlossen Deutschland und die Philippinen ein Sicherheitsabkommen. Neben den Klimawandel und Fachkräfteeinwanderung spielt das Land auch eine zunehmende Rolle in den deutschen Bemühungen um mehr wirtschaftliche Diversifizierung.
Deutschland ist Thailand seit dem Jahr 1862 durch diplomatische Beziehungen freundschaftlich verbunden. Deutschland ist für Thailand wichtigster Handelspartner innerhalb der Europäischen Union, Thailand ist für Deutschland der drittgrößte Handelspartner unter den ASEAN-Staaten. Deutschland ist im Rahmen der internationalen Klimaschutzinitiative wichtigster bilateraler Klimapartner Thailands. Die Anzahl deutscher Touristinnen und Touristen in Thailand ist weiter angestiegen.
Kambodscha ist eines der Schwerpunktländer deutscher Entwicklungszusammenarbeit in Südostasien. Seit den Parlamentswahlen 2018 steht immer wieder die Lage der Opposition und von Menschenrechtsgruppen im Zentrum der Aufmerksamkeit, insbesondere angesichts der innenpolitischen Entwicklungen rund um die Parlamentswahl 2023, bei der die regierende Kambodschanische Volkspartei nahezu ohne oppositionelle Konkurrenz antrat.
Auch in Laos werden besondere Akzente in der Zusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen ländliche Entwicklung, wirtschaftliche Integration in ASEAN sowie Klima- und Umweltschutz gesetzt.
Das Sultanat Brunei ist nach dem Stadtstaat Singapur das kleinste Land Südostasiens. Aufgrund seines Ressourcenreichtums stehen wirtschaftspolitische Beziehungen sowie die Zusammenarbeit im Rahmen der Regionalorganisation ASEAN im Vordergrund der Beziehungen.
Timor-Leste ist eine junge, trotz wirtschaftlicher Herausforderungen stabile Demokratie. 2024 wurde Timor-Leste WTO-Mitglied, 2025 ist der Staat als elftes Mitglied ASEAN beigetreten.
Nachdem Myanmar seit 2011 einen beachtlichen Demokratisierungsprozess durchlaufen hatte, hat der Militärputsch von 2021 das Land in eine tiefe politische und humanitäre Krise gestürzt. Die Bundesregierung hat zusammen mit internationalen Partnern Sanktionen gegen das Militärregime verhängt und setzt sich für ein Ende der Repression durch das Militär sowie eine politische Lösung ein.