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Rede von Außenminister Johann Wadephul an der Deutschen Botschaft in Nairobi anlässlich seiner Afrikareise

21.01.2026 - Rede

Meine Damen und Herren, guten Abend und ein besonders herzliches Willkommen den Vertreterinnen und Vertretern der Vereinten Nationen! Denn in meinen Augen hat die Welt bereits eine Friedensorganisation. Eine andere brauchen wir nicht. Wir haben die Vereinten Nationen.

In Deutschland gibt es alljährlich einen Herbsttag, an dem in Berlins Straßen tausende kenianischer Flaggen wehen. Der Berlin-Marathons, der jedes Jahr Ende September stattfindet. Alljährlich nehmen daran etwa 45.000 Läuferinnen und Läufer aus etwa 150 Ländern teil. Das macht den Berlin-Marathon zu einer der größten und am stärksten international geprägten Laufveranstaltungen der Welt.

Und doch ist es Kenia, das diesem Tag seit Jahren in besonderer Weise seinen Stempel aufsetzt. Keine andere Nation kann so viele Siege vorweisen. Hat so viele Medaillen gewonnen. Oder so viele Rekorde gebrochen. Erst im letzten Jahr gab es einen kenianischen Doppelsieg in der deutschen Hauptstadt: Rosemary Wanjiru gewann den Wettkampf der Frauen, Sabastian Sawe den der Männer. Herzlichen Glückwunsch noch einmal! Es ist die kenianische Nation, der der Berlin-Marathon seinen Ruf als „schnellster Marathon der Welt“ verdankt.

Meine Damen und Herren, man sagte mir, es gäbe hier in Kenia ein Sprichwort: „Haraka, haraka,
ha-i-na baraka.“ Frei übersetzt: Gut Ding will Weile haben. Und die meisten von uns würden für einen Marathon bestimmt eine Weile brauchen, würde ich sagen. Aber manchmal muss man auch schnell handeln – in der Politik zum Beispiel. Als Kenia 1963 seine Unabhängigkeit ausrief, hat Deutschland sehr zügig reagiert. Die Bundesrepublik war das erste Land, das Kenia als Staat anerkannte. Und deswegen beginnen die deutschen Diplomatenkennzeichen mit dem Code „1-CD“. Darauf sind wir stolz!

Meine Damen und Herren, Deutschland und Kenia verbinden traditionell enge partnerschaftliche Beziehungen. Kenia ist ein stabiles, zuverlässiges Land in einer krisengeschüttelten Region und einer unserer wichtigsten Wirtschaftspartner in Ostafrika. Und ich bin heute hier, weil wir unsere Beziehungen weiter vertiefen wollen.

Erst kürzlich haben Seine Exzellenz Präsident William Ruto und Bundeskanzler Friedrich Merz ein sehr konstruktives Telefonat geführt. Dabei ging es unter anderem um unser Abkommen über Migration und Mobilität. Beides Fragen, die zu den drängendsten unserer Zeit gehören. Es ist gut, dass unsere beiden Länder in diesem Bereich sehr eng zusammenarbeiten.

Denn die Welt wächst enger zusammen.

In Kenia sind viele herausragende Köpfe zu Hause – Innovatoren, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht nur daheim, sondern überall auf der Welt und auch in Deutschland ihren Beitrag leisten. Diesen Austausch begrüße ich außerordentlich!

Zusätzlich zu den vielfältigen persönlichen Beziehungen, die die Menschen aus Kenia und Deutschland seit Jahrzehnten verbindet, sehen wir inzwischen kenianische Busfahrer in meiner norddeutschen Heimat, Pflegekräfte aus Kisumu, die sich in München um ihre Patienten kümmern, Ingenieurinnen und Ingenieure aus Nairobi, die in Stuttgarter Unternehmen beschäftigt sind, und Studierende aus Mombasa, die an deutschen Hochschulen forschen. Wir sind auf Kurs, wenn es um die Erleichterung der Zuwanderung von Fachkräften geht.

Gleichzeitig ist uns aber auch bewusst, dass Fortschritte bei der Zusammenarbeit im Bereich der Rückkehr von entscheidend sind. Hier sehen wir noch Verbesserungsbedarf und werden weiterhin nachdrücklich für eine effektive Zusammenarbeit eintreten. Ich bin zuversichtlich, dass uns diese gemeinsame Anstrengung zu einer nachhaltigen, erfolgreichen Partnerschaft im Bereich Migration und Mobilität führen wird.

Meine Damen und Herren, jetzt habe ich ausführlich über Kenianerinnen und Kenianer in Deutschland gesprochen. Aber Deutschland ist hier in Kenia auch ganz gut vertreten. Allen voran sind es Touristen, die die kenianische Savanne und die Strände hier als Urlaubsziele schätzen.

Aber das ist bei Weitem nicht alles, denn Kenias Wirtschaft boomt, und das Land entwickelt sich rasant als Hochtechnologiestandort des 21. Jahrhunderts. Deutsche Unternehmen schätzen die „Silicon Savannah“, wo Unternehmergeist auf Zukunftstechnologien trifft. Die deutsche Wirtschaft ist hier bereits mit etwa 120 Unternehmen vertreten, deren Direktinvestitionen sich auf insgesamt 28 Millionen Euro belaufen.

Und wir würden hier gern noch mehr deutsche Unternehmen sehen. Vor Ort arbeiten wir eng mit der Deutschen Auslandshandelskammer, der GIZ und der KfW zusammen. Wir Deutsche können in und von Kenia eine Menge lernen – beispielsweise wie Lastenfahrräder mit Solarenergie betrieben werden können, oder wie elektronische Zahlungssysteme über Mobiltelefone funktionieren. Und das ist längst nicht alles.

Um diesen Austausch in vielen verschiedenen Sektoren zu fördern, haben wir direkt im Herzen von Nairobi ein Goethe-Institut, dem eine besonders wichtige Rolle bei der Sprachvermittlung zukommt. Das Goethe-Institut hat die Zahl seiner Deutschkurse verdreifacht – und bleibt trotzdem hinter der Nachfrage zurück. So viele Kenianerinnen und Kenianer wollen Deutsch lernen. Ich sehe das als ausgesprochen positives Zeichen. Und mir gefällt der Unternehmergeist, der da zutage tritt. Es gibt Deutsche, die haben in dem Mangel an Sprachkursen ein Geschäftsmodell erkannt und eine private Sprachschule eröffnet.

Meine Damen und Herren, wir leben in einer Zeit, in der kein Land die Herausforderungen der Moderne allein bewältigen kann. Viele Fragen bedürfen einer Antwort der gesamten Staatengemeinschaft.

Auch hier in Kenia kann man die Folgen des Klimawandels sehen und mit Händen greifen. Ich denke da an Überschwemmungen in Nairobi oder Dürre in den trockenen und halbtrockenen Regionen wie Turkana oder Wajir. Im Umgang mit derartigen Herausforderungen ist Kenia ein Vorbild nicht nur für Afrika. Der Einsatz erneuerbarer Energien zum Beispiel ist bemerkenswert. Wir sind Kenia dankbar für seine Rolle als starker Partner in den Klimaverhandlungen. Unsere Klima- und Entwicklungspartnerschaft ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wir auf globaler Ebene gemeinsam gegen den Klimawandel vorgehen können.

Es wäre großartig, wenn im Rahmen der Regierungskonsultationen im Dezember ein klares Signal für den Startschuss in diesem Bereich der Zusammenarbeit gegeben würde. Damit würden wir unsere gemeinsame Vision einer nachhaltigen Zukunft weiter mit Leben füllen.

Für uns ist Kenia eine der wichtigsten Stimmen dieses Kontinents. Eine der stärksten Volkswirtschaften in Ostafrika. Ein Zentrum regionaler und globaler Zusammenarbeit. Deswegen genieße und schätze ich – genau wie meine gesamte Delegation – die heutigen Begegnungen und Eindrücke in Nairobi sehr.

Ich danke Ihnen vielmals!

Asanteni sana!

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