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Außenminister Wadephul vor seiner Abreise nach Kreisau/Krzyzowa

30.03.2026 - Pressemitteilung

Vor seiner Abreise nach Kreisau/Krzyzowa erklärte Außenminister Wadephul heute (30.03.2026):

In kaum einem Verhältnis sind die gewaltsamen Brüche Europas, aber auch die Kraft der europäischen Einigung, so greifbar wie im Verhältnis zwischen Deutschland und Polen.

Nichts kann jemals das unfassbare Leid ungeschehen machen, das wir Deutschen durch Krieg und Besatzung über Polen gebracht haben. Und gleichzeitig haben wir die Verantwortung übernommen, dieses schrecklichste Kapitel niemals zum letzten Wort unserer aufs Engste verwobenen Geschichte werden zu lassen.

Unsere Antwort auf die Verheerungen der Vergangenheit ist der Einsatz für ein in Frieden und Sicherheit geeintes Europa. Unsere bleibende Verantwortung als Deutsche ist es, in diesem Einsatz nie nachzulassen, bei allem Trennenden stets das Verbindende zu suchen.

Kreisau steht dafür, wie entscheidend es bei dieser Suche neben staatlicher Unterstützung stets auf das persönliche Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, auf mutige Entscheidungen einzelner ankommt. Der Kreisau-Initiative, noch vor dem Fall der Mauer 1989 gemeinsam von Menschen aus Ost- und West-Berlin gegründet, ging es von Anfang an darum, Grenzen zu überwinden. Deutsche, polnische, europäische Begegnung an einem Ort möglich zu machen, der mit dem Kreisauer-Kreis um Helmuth James Graf von Moltke für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, für das Streben nach Frieden in Europa steht.

Entstanden aus dieser Initiative ist die Internationale Jugendbegegnungsstätte Kreisau, die ich heute gemeinsam mit meinem polnischen Kollegen, Außenminister Radoslaw Sikorski, besuche. Wenn wir in diesem Jahr den 35. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags begehen, dann blicken wir auf einen beeindruckenden Weg der Aussöhnung zurück. Dieser Weg war nie nur eine politische Entscheidung, er wurde und wird gemeinsam von mutigen Bürgerinnen und Bürgern in Polen und Deutschland gegangen.

In Zeiten, da das deutsch-polnische Verhältnis neuen Anfeindungen ausgesetzt ist, will ich mit meinem Besuch bewusst ein Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit zwischen unseren Ländern setzen.

Denn ich bin überzeugt, auf diesen deutsch-polnischen Zusammenhalt, auf diesen entschiedenen Einsatz für Frieden und Freiheit kommt es heute mehr an als je zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. In der Ukraine entscheidet sich, ob die europäische Friedensordnung Bestand haben kann, oder ob wir in die finstersten Zeiten unseres Kontinents zurückfallen. Dass Deutschland und Polen zu den entschiedensten Unterstützern der Ukraine in ihrer Verteidigung gegen Russland gehören, dass wir felsenfest an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer in ihrem Kampf für Freiheit stehen, ist deswegen sicherheitspolitisch unabdingbar - und gleichzeitig die zwingende Lehre aus unserer Geschichte.

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