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Gemeinsame Erklärung von Außen­ministerinnen zur Wieder­eröffnung der Schulen in Afghanistan

25.03.2022 - Pressemitteilung

Erklärung der Außenministerinnen von Albanien, Andorra, Australien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Chile, Deutschland, Estland, Ghana, Indonesien, Island, Kanada, Kosovo, Liechtenstein, Libyen, Malawi, Mongolei, Neuseeland, Norwegen, Schweden, Tonga und das Vereinigte Königreich:

In jedem Frühjahr ist der Beginn des neuen Schuljahrs in Afghanistan begleitet von großen Hoffnungen und Erwartungen von Millionen von Schülerinnen und Schülern, ihre Klassenkameraden und Freunde wiederzusehen, den Unterricht und die Ausbildung fortzusetzen, im Leben weiter voranzukommen.

Als Frauen und Außenministerinnen sind wir zutiefst enttäuscht und besorgt, dass Mädchen in Afghanistan in diesem Frühjahr der Zugang zu Sekundarschulen verwehrt bleibt. Die Entscheidung der Taliban, den weiterführenden Unterricht bis auf Weiteres auszusetzen, ist vor allem deswegen beunruhigend, da wir wiederholt ihre Zusicherungen erhalten haben, alle Schulen für alle Kinder öffnen zu wollen.

Wir fordern die Taliban auf, ihre Zusagen gegenüber den Menschen Afghanistans einzuhalten und den von Afghanistan unterzeichneten internationalen Übereinkommen nachzukommen. Wir rufen die Taliban dazu auf, ihre vor Kurzem getroffene Entscheidung rückgängig zu machen und in allen Provinzen des Landes gleichberechtigten Zugang auf allen Bildungsstufen zu gestatten. Praktische Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer diskriminierungsfreien Bildungspolitik müssen überwunden werden.

Wir werden aufmerksam verfolgen, wie die Taliban ihre Zusicherungen einhalten. Wir werden sie an ihren Taten messen, nicht an ihren Worten. Der Umfang und das Ausmaß des Engagements unserer Länder in Afghanistan über humanitäre Hilfe hinaus wird an diesbezügliche Ergebnisse geknüpft sein.

Zugang zu Bildung ist ein Menschenrecht, das jeder Frau und jedem Mädchen zusteht. Auf individueller Ebene führen Bildung für Mädchen und Teilhabe von Frauen zu einem besseren Leben, tragen zur Linderung wirtschaftlicher Probleme ihrer Familien bei und bilden die Grundlage für die Wahrnehmung sozialer Rechte und politischer Repräsentation. Auf kollektiver Ebene können Mädchen und Frauen mit ihrer Bildung zur Entwicklung und zum Wohlergehen des Landes sowie zu Frieden, Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit beitragen. Kein Land kann es sich leisten, nicht das Potenzial und die Talente aller seiner Bürgerinnen und Bürger zu nutzen.

Die unbestreitbaren Rechte und Chancen, die für – und von – Mädchen und Frauen in Afghanistan in den letzten Jahrzehnten erreicht worden sind, müssen bewahrt und ausgeweitet werden. Ihre Hoffnungen und Erwartungen als wahrhaft gleichberechtigte Mitglieder der afghanischen Gesellschaft müssen gedeihen dürfen.

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