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Rede von Europa-Staatsminister Michael Roth bei der Verleihung der CIVIS-Medienpreises für Integration und kulturelle Vielfalt

07.06.2018 - Rede

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Tom Buhrow,
sehr geehrter Herr Radix,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Willkommen im Weltsaal des Auswärtigen Amts zur Verleihung der CIVIS-Medienpreise 2018.

Mit den Medienpreisen zeichnet die CIVIS-Medienstiftung auch in diesem Jahr wieder herausragende Beiträge in Radio, Film, Fernsehen und Internet aus, die das friedliche Zusammenleben in der europäischen Einwanderungsgesellschaft fördern. Die Stiftung setzt damit ein wichtiges Zeichen für Integration, Respekt und kulturelle Vielfalt – und gegen jegliche Form von Intoleranz und Ausgrenzung.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ – dieser Satz aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 ist nicht nur ein Auftrag an die Politik, er fordert auch eine klare Haltung von jeder und jedem einzelnen von uns.

Unsere Botschaft muss überall zu hören sein: Null Toleranz gegenüber den Intoleranten! Null Toleranz bei Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus, Antiziganismus und Islamfeindlichkeit. Wir lassen nicht zu, dass in unserem Land Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, ihres Geschlecht oder ihrer sexuellen Identität ausgegrenzt, bedroht oder angegriffen werden.

Fremdenfeindlichkeit speist sich meist aus diffusen Ängsten und selten aus konkreten persönlichen Erfahrungen.
Genau darauf setzen populistische Verführer. Sie nutzen die Verunsicherung, die das rasante Tempo der Globalisierung bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auslöst. Sie sprechen nicht über die Chancen gerade für ein Land wie Deutschland, sondern sie schüren schamlos die Ängste vor den Problemen, die diese Veränderungsprozesse zweifellos mit sich bringen. Sie argumentieren in Schwarz-Weiß-Kategorien und gaukeln einfache Antworten vor, wo komplexe Fragen eigentlich nach differenzierten Antworten verlangen.

Machen wir uns nichts vor: Auch wenn sich die aufgeregte öffentliche Debatte seit 2015 deutlich beruhigt hat, so bleibt die Integration hunderttausender Geflüchteter doch auf Jahre eine gewaltige Aufgabe für unser Land. Es gibt dafür keine Blaupause und wir werden diese Aufgabe auch nicht von heute auf morgen bewältigen.

In Deutschland haben wir über die Jahrzehnte unsere ganz eigenen Erfahrungen mit Zuwanderung und Integration gemacht. Selbstkritisch will ich sagen: Nicht alles ist dabei perfekt gelaufen, manches ist sogar schlicht misslungen. Wir haben hierzulande eine Menge lernen müssen. Und manches haben wir erst sehr spät lernen wollen.

Keine Frage, bei der Integration von Einwanderinnen und Einwanderern müssen wir noch viel besser werden. Ja, das Leben in bunten und vielfältigen Gesellschaften kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Was ich mir aber wünsche, ist, dass wir wieder mehr über das Gelingen reden als nur über das Misslingen. Leider hören wir viel zu selten von den Erfolgsgeschichten des gesellschaftlichen Miteinanders. Dabei sind gerade sie es, die uns Mut machen und aufzeigen, welche vielfältigen Chancen Einwanderung mit sich bringt.

Eine dieser Erfolgsgeschichten handelt von Syba Wardeh, einer jungen Frau aus Syrien, die 2015 zu ihrem vor dem Bürgerkrieg geflüchteten Mann nach Deutschland nachgezogen ist. Sie hatte in Syrien fast alles verloren, vor allem ihre Träume, wie sie selbst sagt.

Syba hatte das Glück, mithilfe des Bundesfreiwilligendienstes eine Anstellung in einem Seniorenhaus im oberfränkischen Hof zu finden. Nach anfänglichen Widerständen hat Syba schnell Kollegen, Freundinnen und auch Förderer gefunden. Aus diesem Kreis erhielten sie und ihr Mann wichtige Unterstützung in allen Lebenslagen.

Syba Wardeh hat von Anfang an mit Ausdauer und großem Fleiß Deutsch gelernt.

Nachdem auch ihr Studienabschluss anerkannt wurde, hat sie nach nur zwei Jahren im Labor einer örtlichen Firma eine Anstellung als Chemikerin gefunden. Ihr Arbeitgeber unterstützte sie dabei, ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern.

Syba und ihr Mann haben nach diesem geglückten Neuanfang in Deutschland ihre Zuversicht zurückgewonnen. Sie haben wieder Hoffnung, und sie träumen wieder. Träume, die sie mit vielen jungen Familien in unserem Land teilen: Sie überlegen, in eine größere Wohnung zu ziehen und sich ein Auto zu kaufen.

Ich weiß nicht, ob sich die Träume von Syba Wardeh und ihrem Mann inzwischen erfüllt haben. Aber: Die Stärke und die Kraft, mit der die beiden ihr Schicksal in vermeintlich hoffnungsloser Situation in die Hand genommen und einen neuen Weg in ihrem Leben eingeschlagen haben, ist bewundernswert.

Die Geschichte von Syba Wardeh ist aber auch ein eindrucksvolles Beispiel für die Stärke unserer Gesellschaft. Wie viele andere Geflüchtete auch wurde sie mit ihrem Schicksal nicht allein gelassen. Sie ist beim Start in der neuen Heimat von großartigen Menschen unterstützt worden. Ohne das Vertrauen, den Mut und die Entschlossenheit vieler engagierter Helferinnen und Helfer wäre diese Geschichte, eine Geschichte vom Gelingen, unmöglich gewesen.

Lassen Sie uns genau diese Erfolgsgeschichten viel häufiger erzählen.

Denn sie sind ein Gegengift gegen all jene, die mit spalterischem Eifer und Hass auf alles Fremde den Blick auf Misslungenes, das es selbstverständlich ebenso gibt, verengen wollen.

Auch der CIVIS-Medienpreis ist ein solches Gegengift! Er ist ein Preis für Mutmacherinnen und Mutmacher – ein Preis, der anderen Mut zum Mitmachen machen soll. Vor uns liegt ein schwieriger, aber lohnenswerter Weg. Überlassen wir nicht den Feinden unserer bunten, europäisch gesinnten Republik die Straßen, Köpfe und Herzen! Stehen wir auf! Und tun wir etwas - im Kleinen wie im Großen. Wir wollen ohne Angst verschieden sein. Herzlichen Glückwunsch an alle, die mitgemacht haben, nominiert waren und gleich ausgezeichnet werden. Uns allen wünsche ich heute einen wunderbaren Abend!

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