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Rede von Außenminister Wadephul anlässlich des „New Königswinter Future Lab“
Übersetzung aus dem Englischen
In der Politik geht es oftmals um Klarheit.
Klarheit kann entscheidend zu erfolgreichem Handeln beitragen.
Eine Ihrer großen Institutionen hat gerade eine sehr klare Entscheidung getroffen:
Durch die Verlängerung des Vertrags von Thomas Tuchel – des ersten deutschen Trainers der englischen Nationalmannschaft überhaupt – um weitere zwei Jahre hat die Football Association erneut strategischen Weitblick bewiesen.
Liebe Yvette, wir stehen hier heute – selbstredend – als Freunde und Partner.
Aber wenn es um Fußball geht, sind sogar wir Konkurrenten.
Ich würde jedenfalls sagen, die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass Deutschland so oder so gewinnt.
Denn entweder holt die deutsche Nationalmannschaft den Pokal ...
oder aber die englische holt ihn, dies jedoch mit einem deutschen Trainer.
Sehr geehrte Damen und Herren,
so wichtig Fußball ist, bei der Zukunft der deutsch-britischen Beziehungen geht es um mehr, und darüber möchten wir uns heute austauschen.
Deutschland und das Vereinigte Königreich stehen vor denselben gewaltigen Herausforderungen.
Die Weltordnung erodiert – wirtschaftlich, politisch und militärisch.
Zum ersten Mal seit Generationen sieht sich Europa zwei Kriegen gleichzeitig gegenüber:
Im Osten haben wir es mit einem imperialistischen Russland zu tun.
Schon seit Jahren legt Russlands brutaler Angriffskrieg gegen die Ukraine die Illusion, Frieden in Europa sei eine Selbstverständlichkeit, in Trümmer.
Russland wird auf absehbare Zeit eine zentrale Gefahr für unsere Sicherheit bleiben.
Zusätzlich bedroht auch im Süden die Lage im Nahen Osten und in der Golfregion unsere Sicherheit und unseren Wohlstand.
Ziel muss jetzt sein, im Wege eines diplomatischen Prozesses ein dauerhaftes Ende des Krieges herbeizuführen.
Gleichzeitig ist unser transatlantisches Verhältnis einem tiefgreifenden Wandel unterworfen.
Und wir müssen mit einer beschleunigten technologischen Revolution umgehen, die von KI und anderen aufstrebenden Technologien getrieben wird – auch im Weltraum.
Technologien, die es erfordern, dass wir uns schnell und entschlossen anpassen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
keine dieser Herausforderungen kann von einem Land allein gemeistert werden.
Nicht vom Vereinigten Königreich.
Nicht von Deutschland.
Nicht von irgendeinem Land allein.
Aber gemeinsam haben wir die Stärke, die Erfahrung und auch die Glaubwürdigkeit, etwas zu bewegen.
Ich bin davon überzeugt, dass der Schutz und die Stärkung von Europas grundlegenden Interessen und Werten weit besser gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich gelingen können!
Denn das Vereinigte Königreich ist für uns ein Schlüsselpartner bei der Verteidigung unserer europäischen Sicherheit und bei der Unterstützung der Ukraine.
Es ist ein Schlüsselpartner beim Schutz unserer Freiheit und unserer Demokratie sowie beim Schutz von Wohlstand und Wachstum unserer Volkswirtschaften.
Und das Vereinigte Königreich ist außerdem unverzichtbar, wenn es darum geht, freien Handel und multilaterale Zusammenarbeit zu erhalten.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Deutschland und das Vereinigte Königreich stimmen ihre Anstrengungen bereits heute eng und intensiv ab.
Dennoch gibt der Kensington-Vertrag unserer bilateralen Partnerschaft einen neuen strukturierten Rahmen.
Der Vertrag unterstreicht die gemeinsamen Verpflichtungen Deutschlands und des Vereinigten Königreichs:
Zusammenzustehen, als Freunde und Partner, die einander ergänzen.
Um Sicherheit und Frieden in Europa entschlossen zu verteidigen.
Aber es gibt noch mehr zu tun.
In dem Vertrag werden 17 prioritäre Vorhaben genannt, nicht nur auf Ebene von Wirtschaft und Politik, sondern auch für die Zivilgesellschaft, die den Bürgerinnen und Bürgern beider Länder konkreten Nutzen bringen sollen.
Denn Partnerschaften werden nicht durch Verträge belebt. Sondern durch Menschen.
Freundschaft entsteht nur, wenn wir einander zuhören, unsere Gedanken teilen und einander besser verstehen lernen.
Deshalb planen wir eine direkte Zugverbindung zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich.
Deshalb fördern wir den zivilgesellschaftlichen Austausch mit visafreien Klassenreisen.
Oder mit dem ersten Deutsch-Britischen Jugendgipfel, der im März stattgefunden hat.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
damit komme ich zu Ihnen – der jungen Generation hier im Raum.
Denn beim „New Königswinter Future Lab“ möchten wir nach vorne schauen und Ihre Perspektiven kennen lernen.
Sie sind es, die unsere Partnerschaft in den kommenden Jahren mit Leben erfüllen werden.
Sie werden die Zusammenarbeit unserer Länder gestalten – durch Ihre Ideen, Ihre Netzwerke und Ihr Engagement.
Egal, ob Sie in der Finanzbranche, in der Diplomatie, im Tech-Bereich oder in der Zivilgesellschaft arbeiten – Sie werden die Brücke zwischen unseren Nationen bilden.
Ich möchte Sie ermutigen:
Wir brauchen Ihre Offenheit.
Ihre Neugier, Ihre Ideen und Ihre Kreativität.
Und Ihre Bereitschaft, über Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten.
Denn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, werden nicht leichter oder weniger werden.
Ich möchte Ihnen also danken.
Danke für Ihr Interesse.
Danke für Ihr Engagement.
Und danke für Ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Zukunft unserer Partnerschaft zu übernehmen.
Unsere heutige Botschaft ist einfach, aber voller Kraft: Deutschland und das Vereinigte Königreich stehen zusammen.
Als Freunde, Partner und Verbündete.
Nicht aus Gewohnheit. Sondern aus Überzeugung.
Nicht nur für uns, sondern für Europa.
Ich freue mich auf die heutigen Gespräche mit Ihnen.
Auf anregende Diskussionen!
Vielen Dank.