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Rede von Staatsministerin Michelle Müntefering bei der Vereidigungsfeier der KSA-Lehrgänge 2016 und 2019

25.07.2019 - Rede

Mit der Ernennung und Vereidigung eines eingehenden sowie eines ausgehenden Studienjahrgangs haben wir heute gleich doppelten Grund zur Freude! Ich finde es wirklich toll, dass wir diese Feier im Europasaal heute mit Ihren Lehrgängen gemeinsam begehen. Ein solcher Stabwechsel gehört im Rotationsbetrieb des Auswärtigen Dienstes ja sozusagen zur „Amts-Normalität“.

Auch im Namen unseres Ministers Heiko Maas möchte ich Ihnen, liebe KSA 19 zum erfolgreich durchlaufenen anspruchsvollen Auswahlverfahren und Ihnen, liebe KSA 16 zur bestandenen, kräftezehrenden Laufbahnprüfung und damit auch zur Verleihung Ihres akademischen Abschlusses als Diplom-Verwaltungswirtinnen und Diplom-Verwaltungswirten gratulieren.

Passend zum Anlass haben wir eingangs Mozarts „Divertimento N. 14“ gehört. Ich weiß nicht genau, wie viele Musik-Virtuosen heute unter uns sitzen, aber einige Parallelen zum heutigen Tag gibt es ganz unabhängig davon:

Als Mozart diese Kammermusik schrieb, war er etwa genauso alt wie die meisten von Ihnen. Und auch er suchte nach neuen beruflichen und örtlichen Herausforderungen – wenngleich nicht in Berlin oder Lagos, sondern in Wien!

Anders als im Falle Mozarts wird Ihr nächster Landeplatz, liebe KSA 2019, der Akademie-Campus in Tegel sein. Ab heute gehören Sie zum weltweiten Team des Auswärtigen Dienstes - mit seinen 11.000 Beschäftigten im In- und Ausland.

Vor Ihnen liegen drei spannende, intensive und lehrreiche Studienjahre. Der Blick auf Ihre vielfältigen Lebenswege sagt mir: Das AA hat eine gute Wahl getroffen.

Von Ihren diversen Vorerfahrungen und Kenntnissen kann der Auswärtige Dienst nur profitieren. Ich bin wirklich beeindruckt von der Bandbreite: Die meisten blicken auf zahlreiche Auslandserfahrungen zurück, etwa die Hälfte bringt wertvolle Kenntnisse aus verwaltungsnahen Berufen oder unterschiedlichsten Studiengängen mit – von Sprach- und Kulturwissenschaften über Recht und Wirtschaft bis zu Geschichtswissenschaften und Ostasienstudien!

Und mit 39 weiblichen Studierenden, das entspricht knapp 65% -  brauche ich mir auch keine Sorgen um einen angemessenen Frauenanteil zu machen – trotz jüngster ermutigender Fortschritte könnte sich unser höherer Dienst hieran durchaus noch ein Beispiel nehmen!

Was den „Neuen“ an der Akademie noch bevorsteht, haben Sie, liebe KSA 2016, schon hinter sich: Eine äußerst intensive Zeit, mit Vorlesungen, Hausaufgaben, praktischen Erfahrungen und einem anstrengenden Prüfungsmarathon! Ich beneide Sie nicht darum. Aber ich freue mich umso mehr mit Ihnen, dass Sie heute einmal „durchatmen“ können. Ich bin sehr gerne dabei, wenn Sie nun den symbolischen Schritt aus der Obhut von Ausbildungsleitung und Lehrenden in „das wahre Leben“ tun!

Liebe KSA 2016 und 2019,
Auch wenn ich es gerne wollte – versprechen kann ich Ihnen nicht, dass es insgesamt weniger arbeitsreich wird.

Sie treten Ihr duales Studium oder Ihre berufliche Laufbahn zu einem Zeitpunkt an, in dem der Auswärtigen Dienst besonders gefordert ist.

Die Zahl der Krisen und Konfliktherde nimmt eher zu als ab - weltweit, aber auch vor unserer eigenen europäischen Haustür:

  • Ein neuer Wettstreit der Großmächte,
  • Handelskonflikte,
  • der schrittweise Rückzug aus einem regelbasierten System,
  • das Hinterfragen von selbstverständlich geglaubten Partnerschaften:

Das alles macht die Welt nicht sicherer!

Und in der EU stehen wir vor einer wahren Herkulesaufgabe:

Wir müssen Spaltungstendenzen und Populismus begegnen und die zum Teil tiefen Gräben wieder überbrücken. Die Zeit drängt! Denn die großen Fragen - Digitalisierung, Migration und Klimawandel – können wir effektiv nur gemeinsam bewältigen!

Auf Deutschland – auf den Auswärtigen Dienst - kommt daher eine noch größere Verantwortung zu. Und Sie sitzen ja auch heute deshalb hier, weil Sie sich entschieden haben, diese Außenpolitik konkret mit zu gestalten.

Einige von Ihnen gehen als Konsularbeamtinnen und –beamte in die Türkei:

Dass konsularische Arbeit schnell sehr politisch werden kann, zeigt sich alleine in den diversen Verhaftungen regierungskritischer deutscher Staatsangehöriger in den letzten Jahren. Viele von Ihnen werden an Visastellen – zum Beispiel in Beirut  – arbeiten und dabei auch mit der Familienzusammenführung von Flüchtlingen zu tun haben. Mir ist sehr bewusst, welche hohe Verantwortung Sie hierbei tragen. Und wie schwierig und belastend diese Aufgabe sein kann - gerade vor dem Hintergrund der zynisch geführten Migrationsdebatte oder einem regelrechten Geschachere von Menschenleben bei der Seenotrettung!

Weniger denn je wäre es aber korrekt, jetzt ebenfalls in eine “my country first”-Politik einzustimmen. Die vielen Herausforderungen können wir weder durch Abschottung, noch im Alleingang lösen. Nur mit vereinten europäischen Kräften und im multilateralen Rahmen mit unseren Partnern haben wir eine Chance, unsere Freiheit und Werte aufrecht zu erhalten und unseren Überzeugungen Gehör zu verschaffen.

Liebe KSA 2016 und 2019,
Als Budgetverwalter und Projektmanagerinnen kommt Ihnen dabei eine wichtige Rolle zu. Klar, auf den ersten Blick mag Zuwendungs- oder Vergaberecht nicht besonders cool klingen!

Entscheidend ist aber doch, immer das „größere Bild“ im Blick zu haben!

Mehrere von Ihnen werden als Kultursachbearbeiterinnen oder -sachbearbeiter nach Kinshasa, Karachi oder Ulan Bator gehen oder in Algier, New Delhi  oder Ouagadougou für entwicklungspolitische Projekte zuständig sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie mit dieser Projektarbeit etwas bewegen können – gerade auch, weil die „klassische“ Diplomatie immer mehr an Grenzen stößt: Sei es bei der konkreten Umsetzung der SDGs, der Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen oder der Medienfreiheit. Wie bedroht letztere ist, hat mir gerade eine Konferenz in London drastisch vor Augen geführt!

In Zeiten, in denen das Hochziehen von Grenzzäunen gerne als Allheilmittel gesehen wird, scheint es mir noch wichtiger, die länderübergreifende Verständigung zu fördern. Bringen Sie sich mit Kreativität und Tatkraft in die internationale Kulturarbeit ein! Wenn wir heute die europäische Idee mit gemeinsamen Instituten aus Goethe und Institut Français greifbar machen, dann rechtfertigt das doch auch das Schwitzen im Französisch-Brückenkurs!

Andere von Ihnen werden Besuche von Ministern protokollarisch begleiten. Oder bei der Betreuung unserer Twitter- oder Instagram-Accounts beweisen, warum das Amt absolut dringend digital-affine Kolleginnen und Kollegen braucht!

Und Sie werden mit dafür sorgen müssen, dass unsere Auslandsvertretungen auch unter schwierigen Bedingungen und höchsten Anforderungen reibungslos funktionieren können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Ihr Beruf verlangt Ihnen in der Tat einiges ab! Mit der hervorragenden Ausbildung durch Ihre Dozentinnen und Dozenten an der Akademie sind Sie jedoch bestens gerüstet!

Acht von Ihnen bleiben vorerst in Berlin. Für Ihre Tätigkeit in der Zentrale wünsche ich Ihnen einen guten Start! Bei den meisten von Ihnen wird in diesen Tagen jedoch der Hausstand verladen.

Sie gehen sicherlich mit gespannter Erwartung an Ihre Dienstorte. Ich wünsche Ihnen, dass Sie – und auch Ihre Familien – die Zeit im Ausland genießen können, auch dort, wo schwierige Lebensbedingungen herrschen oder politische Rahmenbedingungen im Fluss sind. Lassen Sie sich darauf ein! Schauen Sie mit offenen Augen auf das Positive, das jeder, wirklich jeder Posten zu bieten hat!

Von meinen Auslandsreisen weiß ich, dass sich gerade ein anfangs ungeliebter Posten sich im Nachhinein oftmals als besonders gewinnbringend herausstellt.

Und gerade an schwierigen Posten ist die Stimmung an einer Vertretung oft besonders gut, weil man sich als Teil einer – und das meine ich hier im besten Sinne des Wortes – Schicksalsgemeinschaft fühlt.

Schließlich möchte ich gerne Herrn Rauch alles Gute wünschen. Das Auswärtige Amt hätte Sie gerne behalten, aber wie ich höre, bleiben Sie mit Ihrem angestrebten Studium der Internationalen Politik zumindest dem weiteren Betätigungsfeld des Auswärtigen Dienstes indirekt verbunden.

Liebe KSA,
eines möchte ich den „Neuen“ und den „Alten“ gerne noch mitgeben:

Sie werden bzw. sind schon Beamte und sollten natürlich mit beiden Beinen felsenfest auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen. Aber das Beamtensein befreit vom Denken nicht. Und auch Diplomatinnen und Diplomaten dürfen und sollten eine politische Meinung haben und frei sein, sich gesellschaftlich zu engagieren. Sie vertreten ein Deutschland da draußen, das zum Glück anders ist als noch vor wenigen Jahrzehnten, das bunter und offener ist.

Ich bin mir sicher, dass über die Jahre im Tegeler Biotop eine starke Gemeinschaft entstanden ist.

Sie haben nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Freizeit – vielleicht bei der ein oder anderen Party in Tegel – wichtige Lebenszeit miteinander verbracht. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie sich diese Nähe auf Ihrem weiteren Weg bewahren können und dass Sie auch in Zukunft trotz großer Distanzen weiterhin zueinander stehen werden.

Zufriedenheit und Glück im Beruf – gerade in diesem Beruf – haben aber ganz wesentlich auch mit denen zu tun, die Ihnen privat nahe stehen. Diese Bindungen sind umso wichtiger, wenn man einmal weit weg ist. Deshalb freue ich mich, dass so viele Angehörige Sie heute hier beim Schritt in die neue Etappe begleiten.

Liebe Großeltern, Eltern, Geschwister, Partnerinnen und Partner, Danke, dass Sie den eingeschlagenen Weg Ihrer Lieben mitgehen und begleiten!

Und unter wachsamer Beobachtung dieser für Sie wichtigen Zeugen würde ich dann jetzt zum offiziellen Teil übergehen. Lassen Sie mich bitte vorher aber noch einmal herzlich dem Holzbläserquintett des Bundespolizeiorchesters Berlin danken, dass diese Vereidigungsfeier heute musikalisch begleitet. Vielen Dank!

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