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Grußwort von Staatsministerin Michelle Müntefering zur Eröffnung der Podiumsdiskussion “Nelson Mandela’s 100th Birthday: Be the legacy!“

16.10.2018 - Rede

Welch ein Lebensweg!

Widerstandskämpfer, politischer Gefangener - und erster Präsident eines demokratischen Südafrika.

Und: Welch ein Lebenswerk!

Sein langer Kampf für ein freies, gleiches und demokratisches Südafrika ist unvergessen. Durch seine internationalen Vermittlungsinitiativen gilt er als Brückenbauer.

Sein unermüdliches Streben nach Frieden und Freiheit sind bis heute Inspiration für Menschen weltweit.

Nelson Mandela hätte in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag gefeiert und wir haben es gerade schon gehört, ein Name ist noch mehr: zu einem Symbol für universelle Werte geworden.

Auch in Südafrika, seiner Heimat, ist Mandela allgegenwärtig. In Johannesburg konnte ich das erst vor wenigen Monaten spüren - und sehen.

Auf einer riesigen Häuserwand ist er - als Boxer - im schwarz-weiß Graffiti zu einem Wächter über die Stadt geworden.

Sein ehemaliges Haus in Soweto, das ich besuchen durfte, ist Anziehungspunkt für all die Menschen, die mehr erfahren wollen über Nelson Mandela. Die verstehen wollen, wer Madiba war, Menschen, die ihm nah sein wollen, auch heute noch.

Dabei hat Nelson Mandela selbst es immer abgelehnt, ja verabscheut, nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Heiliger betrachtet und behandelt zu werden.

Sehr verehrte Damen und Herren,

es ist wichtig, dass wir uns in seinem Jubiläumsjahr des großen Menschen und Staatsmanns Nelson Mandela erinnern.

Weil damit würdigen wir zugleich auch unsere besondere Partnerschaft mit Südafrika und auch mit dem gesamten afrikanischen Kontinent.

1990 ist das Jahr, in dem Madiba seine Freiheit nach langer Gefangenschaft wiedererlangte. Im selben Jahr überwand unser Land seine jahrzehntelange Teilung auf friedlichem Weg.

Wir teilen die Erinnerung an dieses Jahr, als ein Jahr der Hoffnung.

Die Deutsche Einheit und die Freilassung Nelson Mandelas -

Momente, die Jahrzehnte lang unmöglich schienen und dann, als sie da waren, zu Momenten wurden, in denen plötzlich alles möglich schien.

Die besten Momente in der Geschichte unserer Völker sind auf diese Weise untrennbar miteinander verbunden:

Der Mauerfall und das Ende des Kalten Krieges schufen eine der Voraussetzungen dafür, dass der ANC durch den Westen anerkannt und als legitimer Kämpfer für das Ende der Apartheid in Südafrika respektiert wurde.

Deutschland und Südafrika sind - wegen des friedlichen Wandels, wegen des Falls der Mauer und der Freilassung Mandelas - Vorbilder und Beispiele geworden.

Hier hat sich gezeigt: Geschichte kann eben auch gut ausgehen.

Für Nelson Mandela selbst, so schreibt er in seiner Autobiographie ‚Long Walk to Freedom‘, wurde das Jahr 1994 zu seinem Ziel auf der Reise in die Freiheit. Jenes Jahr, in dem er mit 75 Jahren, der erste vom ganzen Volk gewählte südafrikanische Präsident wurde.

So schreibt er, „endete seine Reise in die Freiheit“ - aber er sprach auch von einer neuen Reise, die begann.

Eine Reise des Aufbaus eines neuen Südafrika, das er auf dem Weg sah, als vereinte Nation voranzuschreiten, um eine gemeinsame, eine bessere Zukunft zu schaffen.

Auch hier gibt es Parallelen: wie in Südafrika arbeiten auch wir in Deutschland weiterhin daran, Unterschiede und Teilung zu überwinden.

Mandela würde sagen: „Wenn man einen hohen Berg bestiegen hat, stellt man fest, dass es noch viele andere Berge zu besteigen gibt.“

Er wusste, trotz der Erfahrung von 27 Jahren Gefangenschaft, von Entbehrung und Verlust, dass Gewalt, Rassismus und Unterdrückung auf friedliche Weise überwunden werden können. Dass Vergebung und Versöhnung möglich sind.

Was würde Nelson Mandela heute sagen, wenn er die Welt betrachten würde? Auf welche Reise würde er uns schicken?

Das können wir nur ahnen.

Und vielleicht ergibt sich der erste Hinweis aus seiner Persönlichkeit:

Jedenfalls hat er nie einen Hehl aus seinen Schwächen gemacht - und hatte die Größe, bis ins hohe Alter daran zu arbeiten, nicht aufzugeben, ein besserer Mensch werden zu wollen.

Zweitens:

Mandela hat uns wie kaum ein anderer vor Augen geführt, was auch in unserem Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ganz gleich, welche Hautfarbe wir haben, welches Geschlecht, wen wir lieben: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Er hat uns gezeigt, dass wir auch mit unseren Feinden und Gegnern reden müssen; auch mit denen, die anders denken als wir.

Mandela wusste - es ist keine Antwort, auch nicht angesichts scheinbarer Ausweglosigkeit, zynisch zu werden.

Verehrte Damen und Herren, liebe Freunde!

Gerade in einer Zeit, in der der regelbasierte Multilateralismus vielerorts in Frage gestellt wird und in der wir ein Wiedererstarken von Populismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung erleben, sind Nelson Mandelas Ideale wichtiger denn je.

Von daher wollen wir nicht nur Nelson Mandela gedenken, sondern wie er die Würde DES Menschen - ALLER Menschen - verteidigen und unerschrocken für Demokratie und Recht eintreten – zumal 70 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Wir werden einen langen Atem brauchen.

Sie, verehrte Diskussionsteilnehmer haben den, sie geben uns heute Einsichten in Werk und Vermächtnis Madibas und die Friedrich Ebert Stiftung hat ihn auch - auch heute Abend gibt sie uns wieder einen freiheitlichen und demokratischen Raum für Diskussion und Kontroverse. Danke dafür.

Uns allen: Einen schönen Abend!

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