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Grußwort der Staatsministerin für internationale Kulturpolitik Michelle Müntefering zu Ausstellung und Book Launch „Kulturwelten – Außenpolitik für das kulturelle Erbe“

09.10.2018 - Rede

Es ist eine politische und eine gesellschaftliche Aufgabe, das Bewusstsein für die eigene und für die Geschichte anderer Kulturen zu bewahren, es zugleich aber auch in die Zukunft zu tragen.

Heute umso mehr.

Denn: Das historische, kulturelle Erbe ist ein Kriegsziel geworden. Seine Zerstörung wird bewusst als Mittel eingesetzt.

Als Mittel zur Vernichtung der Identität von Menschen.

Es ist nicht allein materielle Substanz, sondern es ist auch der immaterielle Wert – das Kulturerbe als identitätsstiftende Kraft, gegen die sich Terrorismus richtet.

Zumeist geht es dabei um Kulturgüter von immensem kulturgeschichtlichem Wert, die Terror, Krieg und illegalem Handel, aber auch dem Klimawandel und der Umweltzerstörung zum Opfer fallen.

Wir sind überzeugt: Ohne Kultur fehlt die Erinnerung - und damit fehlt der Bezug für die Zukunft.

Deswegen helfen wir ganz konkret mit unserem Kulturerhalt Programm und unseren Partnern in der Welt dabei, Kulturgüter zu schützen und das Gedächtnis der Menschheit zu bewahren.

Im Bildband zur Ausstellung, die wir heute gemeinsam eröffnen, sehen wir auch das Projekt „Train the Trainers“ in Jordanien, in dem das Deutsche Archäologische Institut mit jordanischen Experten im Bereich Denkmalpflege und Naturschutz vor allem aber mit einheimischen Kindern und Jugendlichen zusammenarbeitet.

So wird Wissen und Bewusstsein für das eigene Kultur- und Naturerbe gestärkt und an die kommende Generation weitergegeben.

Ziel ist es auch, Kenntnisse über fast vergessene Handwerkstechniken und Werkzeuge wie zum Beispiel das Entzünden von Feuer mit einem Feuerstein, einfache Textiltechniken oder das Korbflechten aus dem antiken Gadara in Jordanien zu vermitteln.

Zugleich werden so genannte Kulturlandschaftsführer ausgebildet und dabei auch nach Jordanien geflüchtete Syrer mit einbezogen.

Minister Heiko Maas hat in seiner Eröffnungsrede heute Vormittag deutlich gemacht, welche Dimensionen diese Zerstörungen annehmen, erst recht wenn sie mutwillig, als Teil von Kriegsführung, Propaganda oder aber zur Finanzierung von Terror erfolgen.

Umso wichtiger ist es, dass wir und vor allem die Menschen vor Ort sich nicht entmutigen lassen.

Dass sie hoffen auf die Zeit nach der Krise, nach dem Krieg und nach der Katastrophe, die zerstörten und beschädigten, oft auch verschwundenen Objekten wieder herzustellen und wieder zu finden.

Und dass es dabei auch um den Blick nach vorn geht, denn nicht zuletzt bilden diese Objekte, die kulturellen Güter, unser kulturelles Erbe das Gedächtnis unserer Kulturen, unserer Gesellschaften.

Das ist genau das, was das DAI mit dem „Stunde Null“ – Projekt tut, zu dem auch das „Train the Trainers“ – Projekt in Jordanien gehört. Es geht um eine Zukunft für die Zeit nach der Krise.

Dabei werden nicht nur Kulturerhalt-Maßnahmen in Jordanien, im Irak und im Libanon gefördert, sondern durch Fortbildung und „Capacity Building“ vor allem auch Perspektiven für die Zukunft geschaffen.

Das ist Friedensarbeit, das ist Hoffnungsarbeit und das ist Zukunftsarbeit.

Hoffnung entsteht da, wo Menschen Perspektiven haben: Etwa, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen und zur Zukunft seines Landes etwas beitragen zu können.

Mit dem Kulturerhalt-Programm unterstützen wir Menschen darin, neue Perspektiven zu entwickeln.

Gäbe es das Programm nicht bereits seit 1981 und hätten wir bis heute nicht rund 2.860 Projekte in 144 Ländern unterstützt, man müsste es sofort erfinden.

Denn das gehört leider auch zur Wahrheit: Die Herausforderungen werden leider nicht kleiner, ganz im Gegenteil.

Auch der verheerende Brand im Nationalmuseum in Rio de Janeiro hat gezeigt: Wir brauchen Experten und internationale Einsatzfähigkeit, wenn nach Katastrophen Kulturgüter geschützt oder gerettet werden müssen.

Deswegen haben wir Experten von Bund, Ländern, aber auch zivilgesellschaftliche Akteuren eingeladen, mit uns Maßnahmen zu entwickeln, wie wir noch besser zusammenarbeiten und helfen können.

Mit dem Brand der Amalia-Bibliothek in Weimar und dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln haben wir leider auch in Deutschland Erfahrungen gemacht, auf die wir eigentlich gern verzichtet hätten, die wir aber nun anderen zur Verfügung stellen können.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den letzten beiden Tagen haben einige von Ihnen bei der Konferenz des Archaeological Heritage Networks und Auswärtigen Amts mit dem Titel „Das kulturelle Erbe in der Krise – Prävention, Schutz und Post-Desaster-Rehabilitation“ genau darüber, nämlich über Notmaßnahmen und best practice, internationale Zusammenarbeit und Lösungsansätze bei Krisen diskutiert.

Dafür danke ich Ihnen sehr. Mich hat die Expertise sehr beeindruckt und auch die die ersten Ergebnisse machen Hoffnung.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit der Konferenz, dem Bildband und der Ausstellung wird deutlich, warum Kulturerhalt so wichtig für uns ist.

Dieses Engagement

  • ist ein essentieller Teil unseres politischen Gesamtansatzes für Stabilisierung und Prävention in Krisenländern und Regionen.
  • Es ist ein wirkungsvolles Element unserer Internationalen Kultur- und Bildungspolitik.
  • Es zeigt, dass Kulturerhalt-Maßnahmen stabilisierend wirken.

Mit dem Erhalt und der Vermittlung des kulturellen Erbes stärken wir den interkulturellen Austausch, als auch die internationale Zusammenarbeit sowie das eigene Selbstverständnis der Menschen.

Es geht um Respekt vor der Kultur des anderen und die Anerkennung kultureller Vielfalt als Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

Schutz, Erhalt und der Wiederaufbau von kulturellem Erbe müssen in Krisen und bewaffneten Konflikten umso mehr zum Instrument der internationalen Politik werden, wenn Frieden und Sicherheit wieder hergestellt werden sollen.

Angesichts von wachsendem Populismus und dem Wiedererstarken nationaler Erzählungen ist es aktueller denn je, sich der Vielfalt unseres kulturellen Erbes und unserer damit verbundenen Identität bewusst zu werden.

Deshalb setzt unsere internationale Kulturpolitik auf grenzüberschreitende Kooperation, sie setzt auf gemeinsame Produktion und Begegnung und auf Freiheit und Schutz kultureller Vielfalt.

Unsere Aktivitäten sind dabei immer breiter geworden - Dank unserer Mittler, den Organisationen, die mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen diese Arbeit erfolgreich umsetzen.

Dazu gehört auch der Erhalt von immateriellem Kulturerbe, das im Sinne eines großen Menschheitsgedächtnisses ebenso wichtig ist.

Zum Beispiel die Dokumentation von traditioneller Trommel- und Gitarrenmusik in Simbabwe, die Digitalisierung eines Radio-Archivs in Afghanistan und das virtuelle Museum zu einem Indianerstamm in Paraguay - um nur einen Ausschnitt unseres Engagements in diesem Bereich zu nennen.

Liebe Gäste,

besonders freut mich, dass die meisten Projektleiter der in der Ausstellung und dem Bildband vorgestellten Vorhaben heute Abend hier anwesend sind – und Ihnen gleich im persönlichen Gespräch von ihren  Erlebnissen berichten können.

Ich rate Ihnen: Fragen Sie. Die Herrschaften wären keine Professoren und Projektleiter geworden, wenn Sie nicht gerne Antworten geben würden.

Ich verspreche Ihnen: Man lernt spannende Dinge, von denen man heute Morgen noch nicht wusste, dass es sie gibt.

Verehrte Professoren und Projektleiter,

Sie werden nicht nur gern gefragt, Sie haben sich auch leidenschaftlich eingesetzt.

Ihnen und Ihren Partnern vor Ort haben wir diese beeindruckende Ausstellung und den Bildband „Kulturwelten – Außenpolitik für das kulturelle Erbe“ zu verdanken.

Ohne Ihr Engagement und Ihre tatkräftige Unterstützung wäre die Umsetzung dieser Vielfalt an wunderbaren Projekten nicht möglich.

Sie haben zusammen mit Ihren Partnern fast Unmögliches möglich gemacht, wunderschöne und bedeutende Zeugnisse des kulturellen Erbes der Menschheit, aber auch wichtige Kulturgeschichte für nächste Generationen erlebbar und erfahrbar gemacht.

Das ist wunderbar. Denn das ist genau das, wovon die Kulturpolitik lebt. Vom lebendigen Austausch. Danke dafür.

Die Ausstellung wird übrigens ab nächster Woche ‚auf Tour‘ gehen - zunächst nach Myanmar, Pakistan, und in den Libanon, so dass auch unsere lokalen Partner Ihre Geschichten erzählen können.

Mein Dank gilt auch den Abgeordneten des Bundestags, Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, die dem Kulturerhalt politisch und finanziell hohen Stellenwert einräumen.

Exzellenzen, liebe Gäste,

Tauchen Sie gemeinsam mit mir in die kulturelle Vielfalt unserer Welt hier im Lichthof des Auswärtigen Amts ein.

Wir zeigen und tun dies alles hier, damit wir nicht vergessen:

Es ist die Vielfalt, deren Erhalt und Schutz uns allen politischer Auftrag und Verpflichtung zugleich sein muss.

Damit aus der Erinnerung Verantwortung und aus Verantwortung Zukunft erwächst.

Ich wünsche interessante und angeregte Gespräche heute Abend.

Vielen Dank!

 

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