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Grußwort von Staatsministerin Michelle Müntefering bei der Wiedereröffnung des Centrum Judaicum

04.07.2018 - Rede

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrte Frau Dr. Siegemund,
Sehr geehrte Frau Dr. Schütz,
Sehr geehrter Herr Dr. Schuster,
Sehr geehrter Herr Nir-Feldklein,
Sehr geehrter Herr Dr. Joffe,
Sehr geehrter Herr Dr. Lederer,
Sehr geehrter Herr Dr. Klein,
Exzellenzen,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Ein jüdisches Sprichwort sagt:

„Der Mensch soll schon der Neugierde wegen leben.“

Ich freue mich dass wir heute alle neugierig sein dürfen. Neugierig darauf, dass sich die Pforten zur neuen Dauerausstellung der Stiftung Neue Synagoge Berlin- Centrum Judaicum“ auftun. Wir dürfen heute einen neuen Blick auf das jüdische Berlin und die deutsch- jüdische Geschichte werfen.

Das Centrum Judaicum macht uns neugierig. Dazu trägt allein schon die einzigartige Schönheit des Gebäudes, mit seiner weithin golden strahlenden Kuppel bei. Auf den Straßen in Mitte höre ich immer wieder die staunenden Fragen- „Este domo, que es? Is that a mosque? C’est une synagogue?“

In der Regel ist es jedoch die Neugier an der einzigartigen und wechselvollen Geschichte des Hauses, die in- und ausländische, jüdische wie nicht-jüdische Besucher ihren Weg durch die Pforten weist.

Von diesem Ort strahlten jüdische Gelehrte wie Abraham Geiger, einer der großen Wegbereiter des liberalen Judentums, in die Welt aus. An diesem Ort machte der Wahnsinn der nationalsozialistischen Brandstiftung in der Nacht vom 9. auf den 10. November nur halt, weil mutige Bürger wie Wilhelm Krützfeld beherzt einschritten. Nach der Zerstörung 1943 dauerte es über 50 Jahre, bis dieser Ort wieder teils restauriert und öffentlich zugänglich wurde.

80 Jahre nach den Novemberpogromen von 1938 und über 70 Jahre nach dem Zivilisationsbruch der Shoah erfüllt es uns mit großer Dankbarkeit, dass jüdisches Leben in Deutschland, vor allem in Berlin, heute wieder in seiner ganzen Vielfalt blühen kann. Dies Geschenk gilt es mit allen Kräften zu schützen und zu verteidigen. Politik wie Zivilgesellschaft sind gefordert, sich Antisemitismus und jeder Form von Rassismus entschieden entgegenzustellen und für Menschenrechte, Toleranz und Verständigung einzutreten.

Die Neue Synagoge Berlin mit ihrer prachtvollen Architektur und den sichtbaren Wunden der Zerstörung ist ein Ort, der dies vermittelt und wie kaum ein zweiter für Mahnung und Neubeginn steht. Heute schafft das Centrum Judaicum nicht nur Zugänge zu jüdischem Leben in Berlin und Deutschland, sondern baut Brücken zwischen Juden und Nicht-Juden ebenso wie zwischen Juden unterschiedlicher Herkunft. Dies wissen auch unsere Gäste aus dem Ausland sehr zu schätzen. Oft schafft gerade der Besuch im Centrum Judaicum den berühmten „Aha-Effekt“. Ich zitiere aus den Erfahrungen, die eine junge amerikanische Jüdin als Teilnehmerin des Germany Close Up- Programms verfasst hat:

„Perhaps, no one site better embodies the dual themes of change and renewal than the Old-New Synagogue. The golden dome of this iconic Jewish landmark glitters from a distance and brazenly asserts the continuation of Jewish life in the very heart of Berlin.”

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass das Auswärtige Amt das Centrum Judaicum bei einem Teil der neuen Dauerausstellung unterstützen konnte. Neun Menschen kommen in Videoaufnahmen zu Wort, die als Kinder oder Jugendliche aus dem heimatlichen Berlin fliehen mussten, oder Berlin als Erinnerungsort der Eltern und Großeltern erlebt haben. Dass Sie den Blick von außen in die Ausstellung integriert haben, ist der beste Beweis, dass Ihre Pforten der Welt künftig weit offen stehen werden.

Ich danke allen, die die neue Dauerausstellung auf die Beine gestellt haben, und wünsche der Ausstellung auch in den nächsten Jahren viele neugierige Besucher!

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