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Grußwort von Staatsministerin Michelle Müntefering zur Festveranstaltung aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs

14.05.2018 - Rede

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Professor Thomsen,
sehr geehrte Frau Dr. Rüland,
sehr geehrter Professor Zhong Zhihua,
sehr geehrte Frau Professor Wu Qidi,
liebe Partner, Freunde und Förderer des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs,
sehr geehrte Damen und Herren,

I.

Es ist mir eine große Freude, heute aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs an der Tongji-Universität in Shanghai zu Ihnen zu sprechen.

Vielen Dank an Sie, Herr Professor Thomsen, dass Sie uns in Ihrem modernen Architekturforum willkommen heißen.

Ich freue mich auch, dass unsere chinesischen Partner so zahlreich und mit Herrn Professor Zhong Zhihua und Frau Professor Wu Qidi so hochrangig vertreten sind!

Damit unterstreichen wir gemeinsam, wie wichtig uns –Deutschland und China – die Hochschulzusammenarbeit ist. Und wir zeigen, wie passend die Titel der heutigen Festveranstaltung „Gemeinsam studieren – forschen – gestalten“ ist: Denn jedes dieser vier Worte füllt unser Jubiläum mit Leben: Wir feiern heute fürwahr ein Leuchtturmprojekt der deutsch-chinesischen Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit.

Wir sind Ihnen, Professor Zhong Zhihua, für Ihre Unterstützung des akademischen Austausches mit Deutschland – und des Kollegs im Besonderen - sehr dankbar.

Auch dem DAAD möchte ich an dieser Stelle herzlich danken: für die heutige Einladung und Organisation dieser wichtigen Festveranstaltung sowie für seine Förderung akademischer Qualität.

Und schließlich freut es mich besonders, dass unser Gastgeber, die TU Berlin, mit ihrer Fakultät Wirtschaftswissenschaften,  und – aus meiner Heimat – die Ruhr-Universität Bochum im Herzen des Ruhrgebiets mit der Fakultät Maschinenbau, zwei der vier führenden deutschen Partneruniversitäten in diesem gemeinsamen Projekt sind.

II.

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 3.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allein vom DAAD gefördert.

Circa 35.000 Studierende aus China stellen heute die zweitgrößte ausländische Gruppe an deutschen Hochschulen: Wir freuen uns über die Weltoffenheit so vieler junger Menschen, die zum Studium und für Forschungszwecke zu uns kommen!

Im Rahmen seiner rund 1300 Hochschulkooperationen hat Deutschland in China einen Schwerpunkt auf die akademische Zusammenarbeit gesetzt.

Die Tongji-Universität ist dabei diejenige chinesische Universität, mit der Deutschland außerordentlich ambitionierte Hochschulprojekte pflegt; und zwar schon sehr früh:

Seit 1907 mit der Gründung der „Deutschen Medizinschule für Chinesen in Shanghai“, aus der später die Tongji-Universität erwuchs.

Die vielen gemeinsamen Ausbildungseinrichtungen und die Deutsche Bibliothek zeugen von einem beeindruckenden Deutschlandbezug an der Tongji-Universität. Auch deswegen hatte dort der frühere Bundespräsident Joachim Gauck im März 2016 eine seiner zentralen politischen Reden gehalten.

Vor zwanzig Jahren war es Neuland, das die Tongji-Universität, das Auswärtige Amt und der DAAD betraten: Mit der ehrgeizigen Idee eines gemeinsamen Master-Kollegs in deutscher Sprache und mit starker Unterstützung seitens der Wirtschaft begann ein spannendes politisches und akademisches Abenteuer.

Heute bietet das Kolleg zwölf Doppelmasterstudiengänge und zwei Doppel-Promotions-Programme in den Fächern Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften an – für chinesische und immer mehr deutsche Studierende in Zusammenarbeit mit 27 deutschen Hochschulen an.

So werden fast 500 chinesische und deutsche Masterstudierende bilingual und praxisorientiert zu kompetenten Führungskräften ausgebildet, die mit beiden Kulturen vertraut sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den ich hier nennen möchte, ist die enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung: So stellen deutsche und chinesische Unternehmen 20 Stiftungslehrstühlen zur Verfügung, ferner Praktikumsplätze und Stipendien.

Sie helfen außerdem bei der Ausstattung von Vorlesungssälen und Labors, engagieren sich in der Lehre und leisten damit einen ganz zentralen Beitrag, der einmalig unter DAAD-Projekten ist.

Dafür möchte ich den Unternehmen, den Stiftungsvertretern und den Vertretern der deutschen Partnerhochschulen ganz herzlich danken!

20 Jahre nach der Gründung des Kollegs haben wir sehr viel erreicht.

Nun nehmen wir neue Ziele in den Blick: die Einführung neuer Studiengänge, der Ausbau der China-Kompetenz für deutsche Studierende oder die Intensivierung der Zusammenarbeit mit anderen Tongji-Fakultäten.

Das zeugt von Erneuerungs- und fortgesetztem Pioniergeist und dem Anspruch, weiterhin eine führende Rolle bei deutsch-chinesischen Hochschulkooperationen zu spielen.

Auch mit den aktuellen Forschungsschwerpunkten Digitalisierung, Industrie 4.0, Smart Cities und nachhaltige Gesellschaft ist das Kolleg Innovationstreiber und Dialogplattform für deutsch-chinesische Zukunftsthemen.

Sie alle greifen damit Fragen auf, denen sich unsere Gesellschaften stellen müssen und auf die wir Antworten brauchen.

Das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg ist nur ein Beleg dafür, wie eng und vertrauensvoll unsere bilateralen Beziehungen sind.

Unsere beiden Länder pflegen darüber hinaus eine umfassende, strategische Partnerschaft.

Der Handelsaustausch hat unseren beiden Ländern Wohlstand beschert.

Die Wege zur Lösung vieler globaler Herausforderungen verlaufen durch China, und China beansprucht auch zunehmend eine globale Führungsrolle.

Deutschland setzt bei der Lösungssuche für diese Herausforderungen und der Stärkung einer regelbasierten internationalen Ordnung nachdrücklich auf China - als Partner.

Denn gemeinsam tragen wir Verantwortung für Frieden, Stabilität und Wohlstand in der Welt.

Dabei ist ein tiefes, gegenseitiges Verständnis ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Kooperation: Wir fördern daher den Austausch und Dialog zwischen unseren Gesellschaften.

Das sind Kernaufgaben unserer Internationalen Kultur- und Bildungspolitik: Unsere internationale Kultur- und Bildungspolitik schlägt wichtige Brücken zwischen Deutschland und China.

Sie fördert das Verständnis füreinander und das Wissen übereinander.

Sie bringt die notwendige Tiefe in unsere bilateralen Beziehungen.

Deshalb ist es so wichtig, dass die in China tätigen deutschen Mittler, Wissenschaftsorganisationen, Hochschulbüros, politischen Stiftungen und deutschen NGOs dauerhaft ihre volle Arbeitsfähigkeit erhalten.

Die Registrierung der drei Forschungsorganisationen in China Anfang April war, nach einer Phase der Unsicherheit für alle Akteure, ein wichtiger Schritt, den wir sehr schätzen.

Wir würden uns freuen, wenn wir auf diesem Weg voranschreiten und dann auch Hemmnisse, wie sie kürzlich in der die Kooperation zwischen der Tongji-Universität und der Bauhaus-Universität Weimar entstanden waren, besser gemeinsam und partnerschaftlich aus dem Weg räumen können.

III.

Das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg – ist ein Erfolgsbeispiel unserer Internationalen Kultur- und Bildungspolitik und Aushängeschild der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit.

Wie Außenminister Maas es in seinem Grußwort in der Jubiläumsfestschrift unterstreicht: „Die Bildungs- und Wissenschaftszusammenarbeit zwischen China und Deutschland ist eine wichtige Investition in die Zukunft.“

Beim Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg sehen wir, dass diese Investition prächtige Früchte trägt. Denn das gehört auch dazu: Deutsche und Chinesen singen, wandern, rudern gemeinsam und stehen zusammen auf dem Fußballplatz. 

Deshalb möchte ich allen meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen, die sich mit so vielfältigem und großem Engagement für die Tongji-Universität und das Kolleg einsetzen. Ich ermutige Sie, nicht nachzulassen in unserem gemeinsamen Bemühen, dass das Kolleg eine Erfolgsgeschichte bleibt!

Ich wünsche allen eine erfolgreiche Festveranstaltung und gutes Gelingen – vielen Dank!

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