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Grußwort von Staatsministerin Michelle Müntefering beim Kick-Off-Workshop Martin-Roth-Initiative

13.09.2018 - Rede

-- es gilt das gesprochene Wort --

Vor fast genau einem Jahr haben viele von Ihnen, auch viele Institutionen in einem Aufruf die Bundesregierung aufgefordert, ein Programm für verfolgte Künstlerinnen und Künstler aufzulegen.

Ihr Schicksal, das Schicksal der vielen verfolgten Künstler und Intellektuellen kann uns nicht gleichgültig lassen, im Gegenteil: Es fordert mehr Solidarität und Engagement für verfolgte Künstlerinnen und Künstler.

"Wer die Freiheit der Kunst angreift, stellt die demokratische Freiheit einer Gesellschaft in Frage." Das gehe uns alle an, deren Freiheit sei auch unsere Freiheit, hieß es dann in diesem Aufruf.

Der damalige Außenminister Gabriel und nach ihm Bundesminister Maas haben diesen Aufruf und das darin geäußerte Anliegen sehr ernst genommen und für breite Unterstützung geworben. Auch der Deutsche Bundestag.

Heute, fast ein Jahr später, begrüße ich Sie ganz herzlich im Namen des Auswärtigen Amts zum ersten Kick-Off-Workshop der nun offiziell verkündeten Martin Roth-Initiative.

In diesem Jahr sind wir vor allem dank Ihrer Unterstützung, dank des Engagements des Goethe-Instituts und des Instituts für Auslandsbeziehungen und vor allem dank der Unterstützung des Deutschen Bundestages, der die notwendigen Mittel bereitgestellt hat, weit gekommen.

Gemeinsam mit dem Goethe-Institut und dem Institut für Auslandsbeziehungen haben wir überlegt, wie dieses Programm aussehen könnte.

Im Kern geht es um den Schutz von Künstlerinnen und Künstlern, die in ihren Heimatländern nicht nur Repressionen ausgesetzt sind, sondern oftmals Leib und Leben riskieren.

Orientiert an der erfolgreichen Philipp-Schwartz-Initiative wollen wir Künstlern und Intellektuellen Schutz geben, zugleich aber auch die Möglichkeit, ihre Arbeit andernorts fortzusetzen, bis sie sicher in ihre Heimat zurückkehren können.

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist die Martin Roth-Initiative. Sie ermöglicht Kunst- und Kulturschaffenden, die in ihren Heimatländern gefährdet sind, vorübergehende Gast- und Arbeitsaufenthalte. Dies kann in Deutschland sein oder auch an einem anderen Ort innerhalb ihrer Herkunftsregion.

Mit dem im letzten Monat erfolgten offiziellen Startschuss der Initiative kann es nun wirklich losgehen. So traurig es ist, aber es könnte kaum ein besserer Zeitpunkt hierfür sein.

Denn leider sehen wir, wie an unzähligen Orten auf der Welt Kunst und Kulturschaffende Repressionen ausgesetzt sind. Statt "open spaces", sehen wir eher "shrinking spaces", Freiräume für Kulturschaffende also, werden kleiner.

Während sich immer mehr Länder von der Demokratie weg und zum autoritären Regime hin bewegen, leiden Künstlerinnen und Künstler, die es wagen, Kritik zu äußern, besonders stark unter Drohungen und Verfolgung.

Das ist fatal, denn für die Entwicklung demokratischer und inklusiver Gesellschaften sind Freiräume, Kunst und Kultur als Dialogräume essentiell.

Eine Gesellschaft, deren Kultur eingeschränkt und ihrer Vielfalt begrenzt wird, verliert ihre Seele – auch wir in Deutschland haben das in zwei Diktaturen erleben müssen. Deutschland steht deshalb auch ganz besonders in der Verantwortung.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Länder, aus denen heute Künstlerinnen und Künstler fliehen müssen, zur Zeit der NS-Diktatur verfolgten und vertriebenen deutschen Intellektuellen Zuflucht gegeben haben.

Kurz gesagt: Gerade wir müssen helfen, Freiheit zu stärken. Der Koalitionsvertrag hat uns hierzu auch einen deutlichen Auftrag gegeben.

Deswegen setzen wir uns überall auf der Welt dafür ein, dass gesellschaftliche und künstlerische Freiräume geschaffen und nicht nur nicht eingeschränkt werden.

Dort, wo das nicht ausreichend gelingt, wollen wir Kunst- und Kulturschaffenden nun die Möglichkeit bieten, ihr Schaffen andernorts so lange fortzusetzen, bis sie sicher in ihre Heimat zurückkehren können.

Bereits im Dezember und Januar sind im Rahmen einer Pilotphase fünf erste Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der Türkei nach Deutschland gekommen.

Sie haben im Sommer ihren Aufenthalt am bi’bak-Theater, Hebbel am Ufer und Maxim Gorki Theater in Berlin sowie am fringe ensemble in Bonn erfolgreich abgeschlossen.

Seit Frühling sind drei afghanische Schauspieler im Rahmen der Initiative am Nationaltheater in Weimar zu Gast.

Wir sehen also, dass der Impuls des Aufrufes und die Idee der Martin Roth-Initiative bereits Wirkungen entfaltet und erste Erfolge zu sehen sind.

Dafür danke ich an dieser Stelle ganz herzlich Ihnen allen, die diesen Impuls aufgenommen haben und heute hier sind und vor allem denen, die erste Stipendiatinnen und Stipendiaten aufgenommen haben.

Und natürlich möchte ich auch dem  neuen Projektteam der Martin-Roth-Initiative meinen Dank aussprechen. Seit April hat das Team fantastische Arbeit geleistet, um die Initiative aufzubauen.

Bereits in diesen wenigen Monaten haben die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Initiative aktiv am Theaterprogramm ihrer Gasttheater in Deutschland mitgewirkt. Dabei haben sie zweifelsohne auch die Spielzeit und vielzählige Aufführungen bereichert und die deutschen Kolleginnen und Kollegen mit ihrem Mut, ihrem Lebenswillen, ihrem Talent und ihrer Kreativität inspiriert und bereichert.

Hierin liegt in meinen Augen auch eine der größten Chancen der Martin Roth-Initiative. Denn sie ermöglicht es uns nicht nur, diesen Menschen Schutz zu geben.  Sie gibt uns zugleich das Privileg, fantastische, talentierte und engagierte Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt bei uns zu Gast zu haben.

Die Tatsache, dass Sie sich alle die Zeit genommen haben, um heute und morgen hier zu sein und aktiv Teil der Martin Roth-Initiative zu werden, diese mit zu entwickeln und dadurch stark zu machen, freut mich sehr, macht mich sehr froh und dankbar, da ich tatsächlich davon überzeugt bin, dass diese Initiative in dieser Zeit so wichtig ist.

Denn die Arbeit, die uns in den kommenden Wochen und Monaten erwartet, wird nicht leicht sein. Und wir benötigen all Ihre tatkräftige Unterstützung und Ihr Mitwirken, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

Die Initiative steht am Anfang. Es ist gut, dass wir uns jetzt, gemeinsam mit Ihnen, an die Arbeit machen. Wir hoffen für die Martin Roth-Initiative auf Erfolg und gleichzeitig darauf, dass wir sie irgendwann einmal nicht mehr brauchen.

In jedem Fall lohnt es sich, dass wir uns hier miteinander engagieren. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen zwei anregende Workshop-Tage, viele Ideen, einen konstruktiven und produktiven Austausch und hoffe, dass wir zusammen mit der Martin-Roth-Initiative einen wichtigen Beitrag zum Schutz gefährdeter Künstlerinnen und Künstler leisten werden.

Vielen Dank!

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