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Rede von Staatssekretär Andreas Michaelis anlässlich der Verleihung des Arthur F. Burns-Journalistenpreises

12.06.2019 - Rede

“The President looked wild; talked like a desperate man; fumed with hatred against the press. He suggested that public confidence can be best generated by coloring the news, if need be.”

So beschreibt Arthur F. Burns in seinem Tagebuch ein Treffen mit dem US-Präsidenten. Es ist das Jahr 1971, der Vietnamkrieg führt die USA in die Rezession, der Dollar ist schwach, die Konjunktur findet kaum statt, und Burns ist Chef der US-Notenbank. Präsident Nixon verlangt in dieser Lage etwas, was für Burns schwer vorstellbar war: das Aufhübschen von mauen Wirtschaftsdaten für die Presse. Burns wehrt sich. Ob er es am Ende doch getan hat, dazu schweigt das Tagebuch. Zumindest war er noch sieben weitere Jahre Chef der Fed.

Staatssekretär Andreas Michaelis mit Preisträger Christian Schweppe
Staatssekretär Andreas Michaelis mit Preisträger Christian Schweppe© IJP e.V.

In dieser Geschichte steckt eine nicht zu leugnende Wahrheit: unser politischer Alltag ist geprägt von schlechten Nachrichten. Und es ist ein entscheidendes Merkmal einer Demokratie, dass wir bereit sind, diese Nachrichten an uns heranzulassen: Dass der Redakteur sie nicht auf die hinteren Seiten verbannt, dass die Leserin sie nicht überblättert oder aus ihrem News Feed verbannt, dass der Politiker sie nicht leichtfertig als Fake News denunziert. Burns machte seine Erfahrung mit einem Politiker, der das anders sah. Vielleicht verdanken wir Burns gerade deshalb einen Journalistenpreis.

Denn der Qualitätsjournalismus, für den Sie, Christian Schweppe, und ihre beiden Mitpreisträger, John Eligon und Marie-Astrid Langer, heute hier exemplarisch stehen, ist eines der besten Gegenmittel gegen den gerade beschriebenen Trend. Das ist wichtig, denn um die Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten zuzulassen, hat es schon einmal besser gestanden. Gesellschaftliche Polarisierung und die Tücken digitalen Nachrichtenkonsums führen dazu, dass wir uns immer weniger auf Kontroversen einlassen und immer mehr auf die Stimmen hören, die uns in unserem Weltbild bestärken. Mit Ihrer Arbeit sorgen Sie für ein tieferes, ehrlicheres Verständnis der Dinge, wie sie wirklich sind.

Die Stärkung gerade der transatlantischen Berichterstattung wird Burns ein Anliegen gewesen sein. Zehn Jahre nach dem beschriebenen Treffen mit Nixon wurde er Botschafter der USA in Deutschland. Er erlebte die frühen Achtziger Jahre in Bonn, und ich würde mal sagen: das waren auch nicht die glücklichsten Jahre im transatlantischen Verhältnis. Sie waren geprägt von der heißen Debatte um die Stationierung US-amerikanischer Pershing II in Westdeutschland und von dem Anschlag auf die Diskothek „La Belle“. Keine leichte Zeit für einen US-Botschafter.

Doch erkannte Burns, dass gegenseitiges Verstehen der Schlüssel zum Erhalt und zur Pflege unserer einzigartigen transatlantischen Partnerschaft ist, damals wie heute. Die aktuellen Differenzen (ich fasse sie mal in dem Dreischritt zusammen: North Stream, Iran, 2 Prozent) können wir nicht übertünchen, dafür sorgen schon Sie als Journalisten. Doch wir können Sie aktiv angehen, wie zum Beispiel beim Treffen unserer Außenminister vor zwei Wochen in Berlin.

Das sind große Themen zwischen Vorspeise und Hauptgang. Ich freue mich, heute hier im Namen von Bundesminister Maas mitwirken und nachher den Burns-Preis verleihen zu dürfen. Schließen möchte ich mit einem herzlichen Dank an unseren Gastgeber, die Deutsche Bank, der den heutigen Abend möglich gemacht hat. Herr Sewing, Sie haben das Wort.

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