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Grußwort von Außenminister Heiko Maas anlässlich des Spatenstichs für den Pears Jüdischen Campus Berlin

10.06.2018 - Rede

Sehr geehrter Herr Rabbiner Teichtal,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin Pau,
sehr geehrter Herr Senator Lederer,
sehr geehrter Herr Saleh,
sehr geehrter Herr Frydling,
sehr geehrter Herr Botmann,
sehr geehrter Herr Botschafter,
sehr geehrte Abgeordnete,
lieber Klaus Wowereit,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist immer eine besondere Herausforderung, nach Rabbiner Teichtal zu sprechen.

Herr Rabbiner, ich will mich ganz herzlich bedanken dafür, dass Sie sich mit diesem Engagement, das aus jedem Ihrer Worte, aus allen Ihren Reden nur so herausquillt, schon so viele Jahre für das jüdische Leben in Deutschland einsetzen. Sie sind eine große Bereicherung, ein großer Gewinn für unser Land! Vielen Dank dafür!

Meine Damen und Herren,

„Wer Häuser baut, der bleibt“ - dieses Zitat ist Ihnen sicher bekannt. Der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat es verwendet, als er gemeinsam mit Ihnen, lieber Rabbi Teichtal, vor knapp 11 Jahren das Bildungszentrum in Ihrer Gemeinde eingeweiht hat.

Und lassen Sie mich heute hinzufügen:„„Wer einen Campus baut, der baut die Zukunft“. Denn der Jüdische Campus ist ein starkes Zeichen, ein dauerhaftes Bekenntnis zur Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland und eine hoffungsvolle Bereicherung für die Bildungslandschaft in Berlin.

80 Jahre nach den Pogromen des Jahres 1938, als jüdische Bildungseinrichtungen brannten, wird dieser Campus eine schmerzhafte Lücke schließen. Nach dem unvorstellbaren Zivilisationsbruch der Schoah ist dies ein wahrhaft „wunderbares“ Geschenk für uns Deutsche – denn es erwächst aus dem Wunder der Vergebung.

Wir dürfen deshalb nie vergessen, dass es eben keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir heute mit dem Spatenstich für den Jüdischen Campus die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland feiern können.

Wir verdanken dies Menschen wie Ihnen, lieber Rabbi Teichtal und den Mitgliedern der Gemeinschaft Chabad Lubawitsch im In- und Ausland, die durch ihren unermüdlichen Einsatz zur Wiederbelebung jüdischen Lebens Vertrauen aussprechen in unsere Demokratie und in die Offenheit unserer deutschen Gesellschaft.

Wir wollen diesem Vertrauen gerecht werden! Das bedeutet, dass Deutschland für die Existenz und die Sicherheit Israels eintritt.

Und es ist mir eine persönliche Verpflichtung, dass wir jeder Form von Antisemitismus und Rassismus entschieden entgegentreten und uns für die Achtung der Menschenrechte einsetzen – bei uns hier in Deutschland und weltweit. Das gilt für diejenigen, die schon immer hier gelebt haben und das gilt genauso für diejenigen, die zu uns gekommen sind.

Unsere Verantwortung, jüdisches Leben, jüdischen Glauben zu schützen - sie endet nie.

In solchen Zeiten brauchen wir Orte der Begegnung. Orte an denen Meinungsvielfalt und Austausch im Vordergrund stehen - frei nach dem jüdischen Sprichwort „Zwei Juden - drei Meinungen“. Orte, an denen Menschen nicht nur übereinander, sondern vor allem miteinander sprechen und voneinander lernen. Orte, an denen Menschen ganz unterschiedlicher Religionszugehörigkeit sich begegnen, gemeinsam Sport machen und zusammen feiern.

Der Jüdische Campus Berlin wird ein solcher Ort sein – dafür sind wir unendlich dankbar!

Meine Damen und Herren,

ein großer jüdischer Sohn unseres Landes, Heinrich Heine, hat einmal gesagt: „Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.“

Das stimmt zwar in Zeiten von Bitcoins und bargeldlosem Zahlungsverkehr nicht mehr so ganz - wobei bei Bitcoins das Geld ja schneller weg ist, als Münzen rollen können - aber ich freue mich trotzdem, dass viele Geldgeber, allen voran die Pears Foundation, die Botschaft anscheinend verstanden haben. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank!

Auch die Bundesregierung freut sich, einen Teil zum Gelingen dieses Projekts beigetragen zu haben.

Bevor ich jetzt das Wort an Klaus Lederer übergebe, möchte ich Ihnen noch eine jüdische Überlieferung erzählen, die mich zu einem kleinen Geschenk inspiriert hat.

Die Geschichte handelt vom reichen persischen König Artaban, der einem klugen Rabbi eine kostbare Perle geschenkt hat. Der König bat den Rabbi, sich seinerseits durch ein Geschenk zu revanchieren. Da schickte ihm der Rabbi eine Mesusa, einen Segensspruch auf einem Pergament, der in einem Behälter am Türpfosten jüdischer Häuser befestigt wird. Der König war ziemlich empört und sagte dem Rabbi: „Warum schenkst Du mir etwas, das keinen Wert hat?“ Der kluge Rabbi antwortete ihm: „Unsere Geschenke lassen sich nicht vergleichen. Dein Geschenk muss ich jeden Tag wie meinen Augapfel hüten, während mein Geschenk Dich behüten wird.“   

Lieber Rabbi Teichtal,

ich habe Ihnen heute keine teure Perle mitgebracht, sondern ein Behältnis für eine Mesusa. Sie sehen, ich teile Ihre Zuversicht, dass hier bald Türpfosten stehen, um Mesusot daran anzubringen.

Mögen sie den Jüdischen Campus Berlin und die Menschen, die darin ein- und ausgehen, allezeit behüten!

Vielen Dank, Schalom!

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