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Menschenrechtsbeauftragte Kofler zum Todesurteil gegen Noura Hussein

18.05.2018 - Pressemitteilung

Zum Todesurteil gegen die 19-jährige Sudanesin Noura Hussein erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe Bärbel Kofler heute (18.05.):

Ich bin schockiert über das Todesurteil gegen die 19-jährige Sudanesin Noura Hussein.

Medienberichten zufolge wurde sie als 16-jährige gegen ihren Willen verheiratet und von ihrem Ehemann vergewaltigt, während andere sie festhielten. Bei einem weiteren Vergewaltigungsversuch tötete sie ihren Ehemann. Dafür wurde sie nun von einem Khartumer Gericht wegen Mordes verurteilt.

Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf die vielen Fälle junger Mädchen und Frauen, die gegen ihren Willen verheiratet werden, oft als Minderjährige, nicht nur im Sudan, auch in vielen anderen Ländern. Eine Zwangsheirat verstößt gegen Artikel 16 Abs. 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Diese gilt auch im Sudan.

Im Dezember 2016 haben die Mitglieder der Generalversammlung der Vereinten Nationen, darunter auch Sudan, eine Resolution angenommen, die dazu auffordert, die Praxis der Zwangsheiraten zu beenden und die, die diesem Risiko ausgesetzt sind, zu schützen.

Ich fordere Sudan, aber auch alle anderen Staaten dazu auf, dieser Verpflichtung nachzukommen!

Die Todesstrafe ist eine inhumane und grausame Art der Bestrafung. Die Bundesregierung lehnt sie unter allen Umständen ab und setzt sich gemeinsam mit ihren europäischen Partnern dafür ein, dass die Todesstrafe weltweit abgeschafft wird.

Hintergrund:

Im Sudan beginnt das heiratsfähige Alter mit der Pubertät. Mit der Erlaubnis eines Richters können auch Zehnjährige verheiratet werden, sofern sie Muslime sind. Für Nichtmuslime gilt ein Mindestalter von 13 (Mädchen) bzw. 15 Jahren (Jungen). Vergewaltigung in der Ehe ist nicht strafbar. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird in Sudan jedes dritte Mädchen in einem Alter von jünger als 18 Jahren verheiratet. Die Resolution der VN-Generalversammlung A/RES/71/175 fordert alle Staaten dazu auf, frühe und erzwungene Heiraten zu verhindern.

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