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Außenminister Gabriel zur Holocaust-Gesetzgebung in Polen

03.02.2018 - Pressemitteilung

Zum polnischen Gesetz über das Institut des Nationalen Gedenkens zur Verfolgung von Verbrechen gegen das Polnische Volk sagte Außenminister Sigmar Gabriel heute (03.02.):

Die umfassende Aufarbeitung der eigenen Geschichte und der eigenen Verantwortung ist uns Deutschen eine immerwährende moralische Verpflichtung angesichts der von Deutschen und Deutschland begangenen Verbrechen auch in Polen.

Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, wer für die Vernichtungslager verantwortlich ist, sie betrieben und dort Millionen europäischer Juden ermordet hat: nämlich Deutsche. Von unserem Land wurde dieser organisierte Massenmord begangen und von niemand anderem. Einzelne Kollaborateure ändern daran nichts.

Ich selbst habe 15 Jahre lang Jugendgruppenreisen in die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager nach Auschwitz und Majdanek organisiert und geleitet. Nichts war mir dabei so klar wie die Tatsache, dass es sich um deutsche Konzentrationslager handelte, die nicht zufällig in Polen waren. Denn die polnische Kultur sollte ebenso ausgelöscht werden wie alles jüdische Leben. Drei der über sechs Millionen ermordeten Juden kamen aus Polen.

Das Bewusstsein dieser historischen Schuld ist Teil der heutigen deutschen Identität in unserem demokratischen Staat und der zentrale Konsens aller demokratischen Kräfte in unserem Land.

Deshalb wird Deutschland auch im eigenen Interesse die Erinnerung an diese Grausamkeiten an jüngere Generationen weitergeben und keinerlei Relativierung zulassen. Wir sind überzeugt, dass nur die sorgfältige Aufarbeitung der eigenen Geschichte Aussöhnung bringen kann. Dazu gehört, dass Menschen, die das unerträgliche Leid der Shoa erfahren mussten, über dieses Leid uneingeschränkt sprechen können.

Deshalb kann sich Polen darauf verlassen, dass jede Art der Geschichtsverfälschung wie der Begriff ,polnische Konzentrationslager‘ bei uns auf klare Ablehnung stoßen und scharf verurteilt wird.

 

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