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Rede von Staatsminister Annen anlässlich der Umbenennung des „Foyer Staatsminister“ in „Hermann-Müller-Foyer“

25.03.2021 - Rede

Ich freue mich sehr, dass wir heute die Arbeit Hermann Müllers im und für das Auswärtige Amt würdigen.

Heute vor 101 Jahren, am 26. März 1920, endete seine Amtszeit als Reichsminister des Auswärtigen. Sie war mit nur 9 Monaten recht kurz, was aber daran lag, dass er tags darauf Reichskanzler wurde – zum ersten von zwei Malen. In diesen wenigen Monaten veranlasste Müller jedoch vieles, was das Auswärtige Amt bis heute prägt.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Hermann Müller steht für die demokratische Tradition in der deutschen Außenpolitik. Das Institut für Zeitgeschichte, dass unserer Bitte nach einem Gutachten über das Wirken und die außenpolitischen Positionen Hermann Müllers nachgekommen ist, bezeichnet ihn als einen der führenden Politiker der Weimarer Republik.

Trotzdem ist er im Gegensatz zu anderen Außenpolitikern seiner Zeit heute so gut wie vergessen. Wie ich finde zu Unrecht, denn er hat viel geleistet.

Als Reichsminister des Auswärtigen – und später auch als Reichskanzler – setzte sich Müller für die Erfüllung des Versailler Vertrages, die Aussöhnung mit ehemaligen Kriegsgegnern wie Frankreich und für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund ein.

Es ist zudem bemerkenswert, dass er sich als Außenminister angesichts der vielen Heraus-forderungen denen sich die Demokratie in den turbulenten Anfangsjahre der Weimarer Republik stellen musste, auch die Zeit nahm, um sich um eine Organisationsreform des AA zu kümmern.

Einen Hinweis auf seine Motivation gibt Müllers Rede 1919 vor der Nationalversammlung in Weimar:

Dort forderte er, dass niemand auf einen diplomatischen Posten kommen dürfe, der die Absicht hat, gegen die Republik zu intrigieren. Für Müller hieß das auch, sich um den demokratischen Nachwuchs im eigenen Haus zu kümmern.

Oder in Müllers eigenen Worten: „Vor allen Dingen muss dafür gesorgt werden […], dass die Basis der Auslese verbreitert wird für die Zukunft, damit der Nachwuchs aus allen Kreisen herangezogen werden kann.“

Durch Müllers Unterstützung für die „Schülerischen Reformen“ wurden verstärkt Personen aus nicht vermögenden gesellschaftlichen Schichten der Eintritt in den Auswärtigen Dienst ermöglicht.

Damit wurde – trotz der Beharrungskräfte des Apparats - der Grundstein für einen modernen und demokratischen Auswärtigen Dienst gelegt.

Dies alles zeigt: Hermann Müller war ein wichtiger Teil der 150-jährigen Geschichte des Auswärtigen Amts.

Diese wollten wir im letzten Jahr angemessen feiern. Leider hat uns die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Viele Veranstaltungen, die die Kolleginnen und Kollegen aus dem ganzen Haus mit großem Enthusiasmus und Engagement vorbereitet haben, konnten leider nur in abgespeckter Form virtuell stattfinden oder mussten ersatzlos entfallen. Ich denke da zum Beispiel an die geplante inter-nationale Konferenz zum 100. Jahrestag des politischen Archivs.

Auch die Würdigung von Hermann Müller musste im Jubiläumsjahr Corona-bedingt ausfallen. Ver-mutlich hätte Hermann Müller aber für die Vorsichtsmaßen Verständnis gehabt, fiel seine Amtszeit im Auswärtigen Amt doch in die Endphase der sogenannten Spanischen Grippe mit Millionen von Toten weltweit.

Bevor ich nun gleich das Wort an Staatssekretär Berger übergebe, bleibt mir nur, abschließend allen Beteiligten für ihr Engagement und ihre Ausdauer zu danken.

Dieser Dank gilt auch Staatssekretärin Leendertse und Minister Maas, die das Projekt von Anfang an unterstützt haben.

Genauso wichtig für den heutigen Tag waren die Kolleginnen und Kollegen vom Planungsstab, vom Politischen Archiv, von Referat 115, aus der Pressestelle und meinem Büro sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte in München. Ihnen allen ganz herzlichen Dank

Ich habe es bereits erwähnt: Hermann Müller steht für die demokratische Tradition deutscher Außenpolitik.

Und wo könnte dem ersten Außenminister aus dem Parlamentarischen Raum besser gedacht werden als hier in diesem Foyer?

Hier, wo die Staatsministerinnen und Staatsminister quasi als institutionalisierte Verbindung zum Parlament normalerweise Gäste aus aller Welt empfangen.

Es ist mir als Abgeordneter des Deutschen Bundestages eine große Freude und eine ganz besondere Ehre, dieses Foyer am heutigen Tage in „Hermann-Müller-Foyer“ umzubenennen.

Vielen Dank!

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