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Rede von Außenminister Wadephul bei der Berlin Climate and Security Conference 2026

06.10.2026 - Rede

Übersetzung aus dem Englischen

Meine Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Gäste,

verdient er den Zusatz „Super“ oder nicht?

So könnte man die Berichterstattung der letzten Wochen und Monate zum Thema „Super-El-Niño“ zusammenfassen.

Wollen Sie meine Meinung dazu hören?

Ich finde, Krisen müssen keinen besonderen Namen tragen, um Anlass zur Sorge geben.

Denn auch ohne Superlative können wir schon jetzt sehen, wie zunehmend extreme Wetterbedingungen Einfluss auf viele Krisen und Konflikte weltweit haben und diese verstärken.

Und wir sehen, wie Akteure versuchen, dies in ihren eigenen Vorteil umzumünzen. Auf perfide Weise nutzen sie die Auswirkungen des Klimawandels als Waffe.

Im April sind wir hier in Berlin zur dritten Sudan-Konferenz zusammengekommen.

Gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft und zivilgesellschaftlichen Akteuren haben wir nach politischen Lösungen für die Zukunft Sudans gesucht und humanitäre Unterstützung für die sudanesische Bevölkerung eingeworben.

Jetzt müssen wir zusehen, wie die ausbleibenden Regenfälle in Sudan die Dürre auf den Feldern verschärfen.

Die Wasserstände entlang des Nils sind in diesem Sommer drastisch gesunken.

Viele Bäuerinnen und Bauern wissen nicht, ob ihr Saatgut aufgehen oder es überhaupt eine Ernte geben wird.

Und das alles in einem Land, in dem die Konfliktparteien Hunger und Verknappung ganz bewusst gegen die Bevölkerung vor Ort einsetzen.

Gut 12.000 Kilometer von Sudan entfernt führen geringere Niederschlagsmengen zu sinkenden Pegelständen auf einer der wichtigsten Wasserstraßen des internationalen Handels:
dem Panama-Kanal.

Dort zeigen sich die Folgen von El Niño unmittelbar:
Die Zahl der täglich durchfahrenden Schiffe musste reduziert werden und es wurden Beschränkungen in Bezug auf ihren maximalen Tiefgang erlassen.

Diese Beschränkungen werden globale Auswirkungen haben.

Wenn weniger Schiffe den Kanal passieren können, steigen Wartezeiten und Kosten, was zusätzlichen Druck für die globalen Lieferketten bedeutet.

Wir können also beobachten, wie ein regionales Klimaphänomen Konsequenzen nach sich zieht, die weit über die Region selbst hinausreichen.

Ich könnte auch auf den Nahen Osten und die gesamte Region verweisen, auf die Folgen, die die Lage in der Straße von Hormus auf die Versorgung mit Düngemitteln hat. Und auf die Energiepreise.

Diese betreffen uns alle, wenn auch in unterschiedlichem Maße.

Dort, wo die Menschen schon heute in Not sind, werden die Auswirkungen der Konflikte im Nahen Osten das Leid von morgen noch vergrößern.

Wir könnten auch über Asien sprechen, wo El Niño die Gefahr von Ernteausfällen bei Reis, Palmöl, Kaffee, Mais und anderen Getreidepflanzen birgt.

Sie alle wissen, dass wir diese Liste an Beispielen immer weiter fortsetzen können. Und jeder Krieg und jede Krise werden durch den Klimawandel noch weiter verstärkt.

Seit 2019 prägt diese strategische Herausforderung die Agenda der Berlin Climate and Security Conference.

Inzwischen hat sich die Lage weiter zugespitzt.

Wir sehen alle, dass die Auswirkungen des Klimawandels beständig zunehmen:
Extremhitze, Dürren, Waldbrände, Niedrigwasser – all das erleben wir hautnah, hier in Deutschland und überall ein Europa.

Und ich glaube, wir verstehen diese Herausforderung heute viel besser als im Jahr 2019.

Wir sehen die globalen Zusammenhänge, die Auswirkungen auf Ernährungssicherheit, Lieferketten, Mobilität, Industrieproduktion, Gesundheit, Energieversorgung und Preise.

Konferenzen wie diese und Fachleute wie Sie haben hier einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Heute wollen wir diesen Geist der Zusammenarbeit fortführen.

Hier in Berlin werfen wir heute einen Blick auf die jüngsten Entwicklungen und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Wir haben Themen auf die Agenda gesetzt, die bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren haben.

Wir hier im Auswärtigen Amt sind Expertinnen und Experten, wenn es darum geht, die richtigen Worte zu finden.

Aber den Worten müssen auch Taten folgen.

Egal, um welches Thema es geht, ob Energiesicherheit und KI, ob klimabedingte Fragilität, Klimaanpassung oder die Minderung klimabezogener Sicherheitsrisiken:

Unser Ansatz muss es sein, konkrete Lösungen für drängende Probleme aufzuzeigen.

Der Blick auf die heutige Agenda stimmt mich zuversichtlich.

Hier in Berlin werden wir wichtige Impulse für die Gespräche über den klimaresilienten Wiederaufbau in Syrien beisteuern, und ich möchte insbesondere den syrischen Vertretern danken, dass sie heute hier bei uns sind.

Solares Geoengineering steht zum ersten Mal auf der Agenda, was Ausdruck der Notwendigkeit ist, sich nicht nur mit seinen potenziellen Auswirkungen auf das Klima zu befassen, sondern auch mit den möglichen Sicherheitsrisiken und ordnungspolitischen Herausforderungen, die aus in globalem Maßstab einsetzbaren Technologien erwachsen könnten.

Sie werden heute auch über die Auswirkungen von Klimafolgen auf Extremismus und Terrorismus sprechen.

Denn wenn die Grundlagen des täglichen Lebens schwinden und sich humanitäre Notlagen festsetzen, wenden sich die Menschen zunehmend bewaffneten Gruppen zu, die vorgeben, über schnelle und einfache Lösungen für langwierige und komplexe Probleme zu verfügen.

Wir haben heute eine ehrgeizige Agenda vor uns!

Die Liste der Teilnehmenden zeigt jedoch, dass wir genau die richtigen Leute hier versammelt haben, um diese Themen anzugehen.

Wir haben heute Vertreterinnen und Vertreter aus der ganzen Welt und aus diversen Fachrichtungen zu Gast.

Denn blinde Flecken können wir uns nicht leisten. Wir müssen auf die globalen Zusammenhänge blicken.

Und eine stärkere internationale Zusammenarbeit ist der einzige Weg, dies wirksam anzugehen.

Außenpolitik, Sicherheitspolitik und Klimapolitik sowie humanitäre Hilfe und wirtschaftliche Entwicklung müssen Hand in Hand arbeiten, um Resilienz zu stärken.

Deutschland steht an der Seite der Staaten, die am stärksten von Konflikten und Klimawandel betroffen sind.

Hier setzen wir auf integrierte Ansätze, die Klima, Frieden und Sicherheit zusammendenken.

Auf Ebene der Vereinten Nationen haben wir daran mitgewirkt, den Klima-Sicherheits-Mechanismus einzurichten.

Und gemeinsam mit Naoero haben wir den Ko-Vorsitz der Freundesgruppe „Klima und Sicherheit“ inne, die inzwischen auf 81 Mitglieder angewachsen ist.

Wir setzen auf Zusammenarbeit durch besondere Partnerschaften. Gemeinsam mit Kenia wollen wir durch das Nairobi-Instrumentarium im Rahmen des Globalen Forums Terrorismusbekämpfung die Auswirkungen des Klimawandels auf gewalttätigen Extremismus abmildern.

Deutschland unterstützt Projekte zur Friedenskonsolidierung in Ländern, die stark vom Klimawandel betroffen sind.

Beispielsweise durch die Initiative „Weathering Risk“ und in Form von Beiträgen zu klimaintelligenten humanitären Maßnahmen in fragilen Kontexten durch Initiativen wie das Konto für Klimamaßnahmen des Zentralen Fonds für die Reaktion auf Notsituationen (CERF).

In Äthiopien, Kenia und Somalia entwickelt Deutschland grenzübergreifende Projekte, die durch Klimafinanzierung die Klimaanpassung und die Friedenskonsolidierung fördern.

Und Deutschland ist hierbei nicht alleine.

Auch innerhalb der Europäischen Union arbeiten wir daran, gemeinsame Lösungen zu finden.

Denn angesichts des Klimawandels kann es kein „du und ich“, sondern nur ein „wir“ geben.

Meine Damen und Herren,

wir wollen gemeinsam vorausschauend handeln, anstatt im Nachhinein die Scherben wieder zusammenzufügen.

Dazu können wir heute hier in Berlin einen großen Beitrag leisten.

Haben Sie vielen Dank!

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