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Grußwort von Staatssekretär Dr. Géza Andreas von Geyr beim Festakt „75 Jahre Deutschland in der UNESCO / 75 Jahre Deutsche UNESCO-Kommission“
(Es gilt das gesprochene Wort)
Auch von mir, im Namen des Auswärtigen Amtes, Ihnen allen ein sehr herzliches Willkommen zur heutigen Festveranstaltung - an diesem wunderbaren Ort voller Weltkultur.
75 Jahre Deutschland in der UNESCO und 75 Jahre Deutsche UNESCO-Kommission – das sind für unser Land 75 gute Jahre, ja wichtige Jahre.
Gut und wichtig – in der Rückbetrachtung, vor allem aber auch mit dem Blick auf das Heute und das Morgen.
Hierzu möchte ich gerne drei Bemerkungen machen:
Erstens, und ich möchte da sehr klar sein: Es geht um die regelbasierte Internationale Ordnung, die Welt braucht weiterhin eine für alle verlässliche Ordnung.
Ich darf Ihnen die besten Grüße unseres Außenministers aus New York übermitteln. Morgen findet dort die Wahl um einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen statt, für den sich Deutschland beworben hat.
Es gibt viele gute Gründe weswegen wir das Gewicht unseres Landes für zwei Jahre in dieses Gremium einbringen wollen. Minister Wadephul hat dies in einem Satz prägnant formuliert, der zeigt wie ernst es uns ist, wie ernst es uns sein muss:
„Wir verteidigen die Vereinten Nationen“.
Deutschland ist und bleibt ein entschiedener Verfechter des Prinzips der Verlässlichkeit der Internationalen Ordnung.
Dies aus Überzeugung, seitdem die Bundesrepublik existiert – aber vor allem aus Überzeugung und mit großem Engagement heute, in einer Zeit, in der die regelbasierte Internationale Ordnung so stark unter Druck ist - und damit auch das System der Vereinten Nationen.
Unsere VN-Politik steht für Respekt, Gerechtigkeit und Frieden und zwar weltweit. Das ist die Voraussetzung für Sicherheit auch bei uns, auf unserem Kontinent.
Und das braucht für alle Staaten geltende, verlässliche Regeln. Unser Einsatz hierfür bleibt gut und wichtig.
Zweitens: Dies gilt auch für die UNESCO.
Die UNESCO hat in unserer Internationalen Ordnung eine essenzielle Rolle: Sie steht genau für gemeinsame Regeln, Standards, und für einen globalen Dialog zu Bildung, Wissenschaft, Kultur und Medienfreiheit.
Als die damals noch junge Bundesrepublik Deutschland in die UNESCO eintrat, war dies keine Selbstverständlichkeit:
Nur wenige Jahre nach den Untiefen und Schrecken von Weltkrieg und Holocaust konnte die Bundesrepublik wieder ein geachtetes Mitglied der Staatengemeinschaft werden, gerade auch weil sie sich bekannt hat zu internationaler Zusammenarbeit und gegenseitigem Respekt weltweit;
Deutschland wurde wieder geachtet, gerade auch weil es sich bekannt hat zum Miteinander in Bildung, Wissenschaft und Kultur über alle Grenzen und Kontinente hinweg;
und uns wurde wieder vertraut, gerade auch weil wir eine Außenpolitik geformt haben, bei der es um Vertrauen ging, um Verständigung mit anderen Nationen: darum sich zuzuhören, sich zu erklären und sich zu verstehen.
Es ging und geht uns darum unterschiedlichen Stimmen Gehör zu verschaffen, es geht uns um Offenheit und Austausch in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.
Dieser Kernauftrag unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ist und bleibt gut und wichtig.
Ja, beim Blick auf die unzähligen Krisen und Konflikte in der Welt und bei der Frage, wie wir in diesen fordernden Zeiten auch langfristig unsere Interessen wahren, wie wir Partnerschaften auf allen Kontinenten festigen - bei all dem wird, davon bin ich überzeugt, diese unsere Soft Power weiter an Bedeutung gewinnen.
Deshalb werden wir uns im Auswärtigen Amt noch intensiver bemühen, um eine kraftvolle Bildungs-Diplomatie, Wissenschafts-Diplomatie, Tech-Diplomatie oder auch im Kommunikationsraum um den Kampf gegen Desinformation.
Die UNESCO hat viel erreicht. Sei es beim gemeinsamen Schutz des Welterbes – wie dieser wunderbaren Museumsinsel – oder weltweiten Standards und Maßstäben bei Bildung, Wissenschaft und Kommunikation.
Damit sie weiterhin agil und vital bleibt, muss sie mit der Zeit gehen und Mandat, Strukturen und Effizienz gut überprüfen.
Ich bin Ihnen, Herr Generaldirektor, deshalb sehr dankbar für die Reforminitiative „UNESCO 80“, mit der Sie die Organisation – natürlich gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten – fit für die kommenden Jahre und Jahrzehnte machen wollen.
Deutschland wird sich hierbei nach Kräften einbringen. Deshalb kandidieren wir auch für den nächsten UNESCO-Exekutivrat.
Drittens: Wir sind stolz auf unsere Deutsche UNESCO Kommission!
Was nützen die besten Standards, wenn sie niemand befolgt? In Deutschland wacht darüber seit 75 Jahren die Deutsche UNESCO-Kommission.
Dies waren 75 gute und wichtige Jahre, die gezeigt haben:
Frieden und Verständigung entstehen nicht allein durch Vertragswerke oder wirtschaftliche Verflechtungen. Sie entstehen durch Begegnung. Durch Dialog. Durch Bildung. Durch Kultur. Durch die Bereitschaft, einander zuzuhören und voneinander zu lernen.
Ich bin dankbar, dass wir eine starke, hochprofessionelle, zukunftsorientierte und weltweit anerkannte UNESCO Nationalkommission haben.
Liebe Frau Professor Böhmer, die internationale Vernetzung der deutschen Kommission und Ihr weltweites Engagement für die Werte der UNESCO ist mehr als beeindruckend.
Wir danken Ihnen persönlich, und auch dem gesamten Team der Deutschen UNESCO-Kommission für Ihr Wirken, für den engen Austausch und für die Beratung und Gestaltung unserer UNESCO-Politik, insbesondere hier in Deutschland.
Deutschland in der UNESCO – das war und das bleibt gut und wichtig!