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Rede von Außenminister Johann Wadephul beim Empfang im Deutschen Haus anlässlich der Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat
Die Konkurrenz diesen Sommer wird hart sein und es steht viel auf dem Spiel.
Jahrelang haben Staaten versucht, sich zu qualifizieren. Die finale Entscheidung wird genau hier in New York City fallen. Wir können es kaum abwarten. Und die ganze Welt wird dabei zuschauen.
Ich rede natürlich von der Fußball-Weltmeisterschaft.
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist ein Privileg, heute hier mit Ihnen an einer so bemerkenswerten Zusammenkunft von Freunden und Partnern teilzunehmen.
Unser Treffen fällt in eine Zeit, in der die internationale Ordnung erheblich unter Druck steht.
Konflikte dauern an und Krisen multiplizieren sich. Das Vertrauen zwischen den Staaten ist immer brüchiger geworden.
Der Krieg in Iran betrifft uns alle, nicht nur die Region selbst.
Die Schließung der Straße von Hormus hat direkte Auswirkungen auf die Kosten und die Verfügbarkeit von Energie, Lebens- und Düngemitteln überall auf der Welt.
Viele Ihrer Länder spüren bereits jetzt die Konsequenzen, die katastrophal sein könnten. Ich hatte das Privileg, dieses wichtige Thema gestern im Sicherheitsrat anzusprechen. Vielen Dank an das Königreich Bahrain, das diese wichtige Debatte organisiert hat.
Der Krieg in Sudan wütet mit unverminderter Brutalität weiter. Es ist die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit!
Diese herzzerreißende Krise erfordert Handeln.
Deshalb hat Deutschland vor Kurzem die Internationale Sudan-Konferenz in Berlin ausgerichtet, an der viele Ihrer Länder teilgenommen haben.
Kriege sind jedoch nicht die einzigen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Vor einigen Monaten habe ich die Pazifik-Region besucht und dort gesehen, welche verheerenden Auswirkungen der steigende Meeresspiegel auf die kleinen Inselstaaten hat.
Ich komme selbst aus einer Küstenregion in Norddeutschland und weiß daher um die Folgen des steigenden Meeresspiegels. Ich sehe sie jeden Tag in meiner Heimatregion.
Und ich kann denjenigen, deren Sicherheit und Lebensgrundlage durch den Klimawandel bedroht sind, versichern: Wir stehen und bleiben an Ihrer Seite. Nicht nur mit Worten, sondern mit Taten.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Vereinten Nationen stehen in diesem volatilen geopolitischen Umfeld unter enormem Druck.
Die VN sind derzeit mit einer Haushaltskrise konfrontiert, mit Misstrauen gegenüber dem Multilateralismus und mit der Missachtung des Völkerrechts.
Deutschland ist bereit, als starke, verlässliche und unabhängige Stimme in den Vereinten Nationen noch mehr Verantwortung zu übernehmen.
Das bildet die Grundlage der deutschen Kandidatur für einen Sitz im VN-Sicherheitsrat für die Jahre 2027-2028.
Deutschland bringt eine Menge dafür mit:
Allem voran das unerschütterliche Bekenntnis zur Charta der Vereinten Nationen und zum Völkerrecht. Wir glauben an Diplomatie und Dialog.
Und wir nutzen unsere Fähigkeit, geeignete Akteure zusammenzubringen, die gemeinsam Lösungen finden können – das haben wir mit unserem Engagement für Sudan und Libyen, für den Zukunftspakt, mit unserem Vorsitz in der Kommission für Friedenskonsolidierung und auf dem Peacekeeping Ministerial letztes Jahr in Berlin unter Beweis gestellt.
Auch mit Blick auf ein verlässliches politisches Engagement und erhebliche Beiträge zum gesamten VN-System über die letzten 50 Jahre können wir auf eine Erfolgsbilanz verweisen.
Deutschland ist derzeit der größte Geber für öffentliche Entwicklungsleistungen weltweit und der zweitgrößte Geber für das VN-System insgesamt.
Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung als gewähltes Mitglied des VN-Sicherheitsrats. Und wir würden sie nutzen, um sofort mit der Arbeit loszulegen.
In früheren Amtszeiten haben wir bei verschiedenen Dossiers des Sicherheitsrats eine Führungsrolle übernommen und so seine Arbeit geprägt, sei es beim Thema westlicher Balkan, Naher Osten oder Afrika. Wir haben uns für die Arbeit des Sicherheitsrats in den Bereichen Frauen, Frieden und Sicherheit sowie Klima und Sicherheit eingesetzt.
Im Falle unserer Wahl wollen wir unsere Erfahrung nutzen, um die gewählten Mitglieder zusammenzubringen und somit einen Beitrag zur Überwindung der Blockaden innerhalb des Sicherheitsrats zu leisten.
Unser weltweites Netz an Botschaften, unsere Präsenz vor Ort, unser enger und kontinuierlicher Dialog mit Ihnen versetzt uns in die Lage, Ihre Sichtweisen zu verstehen. Wir werden mit Ihnen und für Sie an Lösungen arbeiten.
Wir sind der Überzeugung, dass jede wichtige Herausforderung für einen VN-Mitgliedstaat – ganz egal, ob er groß oder klein ist – unsere gemeinsame Aufmerksamkeit und Solidarität verdient. Wir unterstützen die Fahrpläne zur Kontrolle von Kleinwaffen und leichten Waffen in der Karibik und in Westafrika, die Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union bei Programmen zum Grenzmanagement und die Internationale Klimaschutzinitiative, mit der wir weltweit Projekte zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels und zur Verbesserung der Resilienz unterstützen.
Doch das Wichtigste ist:
Sie kennen uns. Sie wissen, wie wir arbeiten. Wie wir unsere Partnerschaften pflegen. Wofür wir stehen.
Wir sind überzeugt, dass globale Herausforderungen nur gemeinsam gelöst werden können.
Wir möchten Sie höflich um Ihre Unterstützung am 3. Juni bitten.
Und das ist eine weitere Gemeinsamkeit, die die Wahl in den Sicherheitsrat und die Fußball-Weltmeisterschaft verbindet: Wir hoffen, zu gewinnen!