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Außenminister Wadephul vor seiner Abreise zu den Vereinten Nationen in New York
Vor seiner Abreise zu den Vereinten Nationen in New York erklärte Außenminister Wadephul heute (27.04.2026):
Die Vereinten Nationen sind – entstanden als historische Notwendigkeit – zugleich ein Glücksfall für die Welt. Geboren aus der Erkenntnis, dass allein klare Regeln zwischen gleichberechtigten und souveränen Staaten die Welt auf Dauer sicherer machen. Zur Lösung drängender Fragen von Frieden und Sicherheit müssen die Vereinten Nationen zum Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Konfliktdiplomatie werden.
Im Persischen Golf greift Iran die Weltwirtschaft an. Die Blockade der Straße von Hormus durch Iran führt uns vor Augen, wie verletzlich unser Wohlstand und die globale Versorgung sind. Dies betrifft besonders diejenigen Staaten, die weder die Mittel, noch die Ressourcen haben, um vorzusorgen. Ohne Energie und Dünger gerät die Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln in große Gefahr. Ich werde deshalb heute in New York dafür werben, dass der Weltsicherheitsrat seiner Rolle gerecht wird. Wenn der Sicherheitsrat jetzt Verantwortung übernimmt, stärkt er damit auch die internationale Ordnung.
Eine weitere Kernfrage der jahrzehntelangen Auseinandersetzung der Weltgemeinschaft mit Iran steht heute ebenfalls auf der Agenda: Wir wollen dem Atomwaffensperrvertrag universal Geltung verschaffen - auch wenn dies zunehmend schwieriger wird. Die Überprüfungskonferenz, die heute in New York beginnt, gibt uns die Möglichkeit, neue Wege zu diskutieren, um die Errungenschaften des Atomwaffensperrvertrags abzusichern – und auch nukleare Abrüstung in den Fokus zu nehmen. Solange aber nukleare Drohgebärden gegen uns und unsere Partner weitergehen, benötigen wir weiterhin eine glaubhafte Abschreckung.
Das Gebot der Stunde ist klar: Wir müssen als Weltgemeinschaft die Vereinten Nationen noch intensiver nutzen. Und dennoch erleben wir immer wieder, wie viel zu oft Einzelne mit ihren widerstreitenden Interessen den UN-Sicherheitsrat blockieren. Gerade weil die Weltgemeinschaft sich das angesichts gleichzeitiger Großkonflikte nicht leisten darf, bringt sich Deutschland noch stärker in den Vereinten Nationen ein. Wenn existenzielle Fragen von Krieg und Frieden in New York diskutiert werden, dann darf unsere Stimme am East River nicht fehlen.
Seit mehr als 80 Jahren sind die UN schlicht unverzichtbar. Sie sorgen für nachhaltige Entwicklung und Menschenrechte. Um ihren wichtigen Beitrag in einer immer konfliktreicheren Welt zu erhalten, müssen wir den Mut aufbringen, uns als Vereinte Nationen zu erneuern. Die UN müssen handlungsfähiger werden und glaubwürdig bleiben, um die Konflikte der Gegenwart und Zukunft zu lösen. Dazu brauchen wir das Engagement aller Mitgliedsstaaten ebenso wie eine entschlossene Führung. Deutschland unterstützt deshalb die Reformagenda von UN-Generalsekretär António Guterres, die wichtige Impulse für eine Erneuerung liefert. Als Gastgeber für den UN-Standort Bonn leistet Deutschland einen konkreten Beitrag, um diese Reformen umzusetzen. Auch weltweit setzen sich viele Deutsche – seien es Soldatinnen und Soldaten oder zivile Helferinnen und Helfer – jeden Tag dafür ein, die Vereinten Nationen schlagkräftiger zu machen.
Eine Weltgemeinschaft, die sich klare Regeln gibt und sie durchsetzt, ist in unserem eigenen Interesse. Als eine der führenden Wirtschaftsnationen weltweit und als einer der wichtigsten Geber im UN-System setzen wir auf verlässliche Regeln und globale Partnerschaften. Dafür wollen wir noch mehr direkte Verantwortung übernehmen: Mit Deutschlands Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat ab 2027. Durch diesen wollen wir die internationale Sicherheitsarchitektur mitgestalten – für Frieden und Sicherheit, mit Respekt und Gerechtigkeit.