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Berliner Erklärung der Außenminister der zentralasiatischen Staaten und Deutschlands

11.02.2026 - Pressemitteilung

Am 11. Februar 2026 begrüßte der Bundesminister des Auswärtigen Johann Wadephul in Berlin den Minister für auswärtige Angelegenheiten der Republik Kasachstan Jermek Koscherbajew, den Minister für auswärtige Angelegenheiten der Kirgisischen Republik Dscheenbek Kulubajev, den Minister für auswärtige Angelegenheiten der Republik Tadschikistan Siroschiddin Muhriddin, den Minister für auswärtige Angelegenheiten der Republik Usbekistan Bachtijor Saidow und den stellvertretenden Minister für auswärtige Angelegenheiten von Turkmenistan Ahmet Gurbanov zum Treffen der Außenminister „Zentralasien und Deutschland“.

In einem offenen und konstruktiven Austausch haben die Minister die positive Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und den zentralasiatischen Staaten im Laufe der letzten drei Jahrzehnte betont. Sie würdigten die Bedeutung der Treffen zwischen den Staatschefs der zentralasiatischen Staaten und dem Bundeskanzler im September 2023 in Berlin und im September 2024 in Astana. Die Minister bekräftigten, wie wichtig die 2023 ins Leben gerufene Strategische Regionalpartnerschaft zwischen Zentralasien und Deutschland als Rahmen für die Zusammenarbeit ist. Sie bekräftigten ihre Entschlossenheit, die Partnerschaft zwischen Deutschland und den zentralasiatischen Staaten auf der Grundlage gemeinsamer Werte und wechselseitiger Interessen weiter zu stärken und den Dialog auf hoher Ebene fortzuführen. Sie unterstrichen die vielfältige und facettenreiche bilaterale Zusammenarbeit ebenso wie die deutsch-zentralasiatische Kooperation im Rahmen der Europäischen Union (EU) sowie multilateraler Formate.

Die Minister begrüßten die Ergebnisse des Siebten Konsultativtreffens der Staatschefs der zentralasiatischen Staaten, das am 16. September 2025 in Taschkent stattgefunden hat. Der Bundesaußenminister brachte die Unterstützung Deutschlands für die Bemühungen der zentralasiatischen Staaten zum Ausdruck, die regionale Zusammenarbeit mit dem Ziel weiterzuentwickeln, Wohlstand, Frieden, nachhaltige Entwicklung und gutnachbarschaftliche Beziehungen in Zentralasien sicherzustellen.

Die Minister brachten ihre Zufriedenheit angesichts der Intensivierung der Beziehungen zwischen den zentralasiatischen Staaten und der EU zum Ausdruck. Sie würdigten den EU-Zentralasien-Gipfel, der am 4. April 2025 in Samarkand stattfand, und betonten gleichzeitig die fortwährende Bedeutung der Strategie der EU für Zentralasien mit ihren Schwerpunkten Resilienz, Wohlstand und regionale Zusammenarbeit. Die Minister begrüßten die Anwesenheit des EU-Sonderbeauftragten für Zentralasien Eduards Stiprais bei dem Ministertreffen am 11. Februar 2026.

Die Minister bekräftigten ihre Entschlossenheit zur Zusammenarbeit zur Förderung von Frieden, Sicherheit und Demokratie sowie ihr Bekenntnis zur uneingeschränkten Achtung des Völkerrechts, einschließlich der Charta der Vereinten Nationen und der Grundsätze der Achtung der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Unversehrtheit aller Staaten, des Unterlassens der Anwendung von Gewalt oder der Androhung von Gewalt sowie der Beilegung von internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel.

Angesichts der wachsenden Bedeutung von regionaler Konnektivität unterstrichen die Minister, wie wichtig der Transkaspische Korridor als nachhaltige und effiziente multimodale Transportverbindung zwischen Zentralasien und Europa ist. Sie kamen überein, die Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Korridors zu fördern und die Beteiligung deutscher Bahn- und Logistikunternehmen an Verkehrs-, Infrastruktur- und Beratungsprojekten zu unterstützen. Die Minister würdigten Deutschlands Beitrag in Höhe von 2,7 Millionen Euro zu der Koordinierungsplattform für den Transkaspischen Verkehrskorridor.

Mit Blick auf die Umsetzung nachhaltiger Infrastrukturprojekte entlang des Korridors kamen die Minister überein, im Rahmen der Global-Gateway-Initiative der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten zusammenzuarbeiten.

Die Minister äußerten sich positiv über gemeinsame Aktivitäten und Projekte in multilateralen Foren, insbesondere in den Vereinten Nationen. Sie begrüßten das Engagement der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Region und verwiesen darauf, dass Deutschland regionale Projekte in allen drei Dimensionen der OSZE finanziell unterstützt, insbesondere in den Bereichen Grenzmanagement und Verhütung von gewalttätigem Extremismus, und zwar mit insgesamt mehr als 13 Millionen Euro seit 2022. Die Minister nahmen ferner den jüngsten Beitrag Deutschlands 2025 zum Fonds zur Reaktion auf die Auswirkungen von Afghanistan auf die OSZE-Region (RIAOR) in Höhe von 3 Millionen Euro zur Kenntnis, womit Projekte in den Bereichen Grenzmanagement, Kapazitätsaufbau, Wasserbewirtschaftung und Konfliktmanagement sowie Bekämpfung des Terrorismus, der organisierten Kriminalität, des Drogen- und des Menschenhandels unterstützt werden.

Die Minister würdigten Deutschlands Stabilisierungsengagement in der Region, auch im Rahmen der 2. Phase des Programms zur Verhütung von gewalttätigem Extremismus in Zentralasien und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rahmen des Regionalen Integrationsprogramm Pakistan-Afghanistan-Tadschikistan (PATRIP), wofür 2026 neue Projekte geplant sind.

Die Minister betonten, wie wichtig es ist, so schnell wie möglich zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine im Einklang mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen zu gelangen.

Die Minister unterstrichen die Bedeutung der fortwährenden Zusammenarbeit und des engen Austauschs mit der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten in Bezug auf die Sanktionsregelungen und hoben hervor, wie wichtig eine weitere Zusammenarbeit ist, um die Umgehung von Sanktionen noch besser zu verhindern.

Die Minister bekräftigten ihre Absicht, innerhalb der internationalen Gemeinschaft ihren Einsatz dafür fortzusetzen, dass Afghanistan seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt, insbesondere im Bereich Menschenrechte und hier vornehmlich der von Frauen und Mädchen. Sie würdigten die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, der afghanischen Bevölkerung in prinzipientreuer Weise humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Sie unterstrichen die Bedeutung einer integrativen und repräsentativen Regierung sowie der Achtung und des Schutzes der fundamentalen Menschenrechte und Grundfreiheiten aller Bürgerinnen und Bürger Afghanistans.

Die Minister nahmen die dynamische wirtschaftliche Entwicklung in Zentralasien zur Kenntnis und bekräftigten, wie wichtig fortlaufende Reformen sind, die darauf abzielen, ein günstiges wirtschaftliches Umfeld weiterzuentwickeln, wobei der Rechtsstaatlichkeit, den Menschenrechten, den Eigentumsrechten und einer unabhängigen Justiz besondere Bedeutung zukommt.

Die Minister begrüßten die zunehmende wirtschaftliche Zusammenarbeit der zentralasiatischen Staaten mit Deutschland und brachten ihre gemeinsame Absicht zum Ausdruck, den bilateralen Handel, Investitionen und das günstige wirtschaftliche Umfeld auszubauen. Sie kamen überein, solche Aktivitäten durch staatliche Instrumente wie Exportkredite und Investitionsgarantien zu fördern. In diesem Zusammenhang begrüßten die Minister das Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern deutscher Unternehmen im Rahmen des Ministertreffens am 11. Februar 2026.

Die Minister betonten, wie wichtig es ist, Wirtschafts-, Handels- und Investitionsbeziehungen im Rahmen der Strategischen Regionalpartnerschaft zwischen Zentralasien und Deutschland zu stärken.

Die Minister würdigten die fortwährende Arbeit der Deutschen Auslandshandelskammer Zentralasien und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft zur Unterstützung und Förderung deutscher Unternehmen in Zentralasien, darunter die Organisation von Veranstaltungen, an denen alle fünf zentralasiatischen Staaten teilnehmen.

Die Minister bekräftigten, dass es notwendig ist, die Zusammenarbeit in den vielen Sektoren, die die Region bietet, fortzuführen, darunter beispielsweise die Zusammenarbeit in den Bereichen natürliche Ressourcen (einschließlich Kohlenwasserstoffe), Energie (einschließlich erneuerbare Energie, beispielsweise Wasserkraft), Landwirtschaft, chemische Industrie sowie Ausbildung von Fachkräften, von denen die Arbeitsmärkte auf beiden Seiten der Zusammenarbeit profitieren können. In dem wichtigen Bereich der Energie umfasst die Zusammenarbeit unter anderem die Felder erneuerbare Energien, Energieeffizienz und grüner Wasserstoff.

Die Minister nahmen von den zentralasiatischen Staaten verfolgte Verkehrsinfrastrukturprojekte zur Kenntnis, die zu nachhaltigen und diversifizierten Verkehrsverbindungen zwischen Zentralasien und Europa beitragen.

Die Minister würdigten das Programm Partnering in Business with Germany des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie die Reisen zur Markterkundung.

Der Bundesaußenminister hob die regionale Entwicklungszusammenarbeit mit einem derzeitigen Portfolio von 90 Millionen Euro hervor. Die Minister würdigten Deutschlands Unterstützung, insbesondere bei der Verbesserung des grenzüberschreitenden Handels entlang regionaler Handelsrouten, und begrüßten die Erleichterung von Geschäftsreisen zu Investitionszwecken.

Die Minister betonten die Bedeutung der Zusammenarbeit bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen und der Anpassung an den Klimawandel im Rahmen der deutschen Initiative „Green Central Asia“ mit einem Portfolio von 250 Millionen Euro. Ferner würdigten sie Deutschlands anhaltende Unterstützung von OSZE-Aktivitäten im Bereich Klima- und Umweltschutz in Zentralasien einschließlich der Beiträge zu den OSZE-Fonds für Klima und Sicherheit sowie Katastrophenvorsorge.

Die Minister würdigten den Beitrag der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere im Rahmen der Regionalprogramme zu integrierter Wasserbewirtschaftung, zu klimasensibler Bodennutzung, zum Umgang mit Klimarisiken und zu erneuerbarer Energie.

Die Minister betonten, dass die Region Zentralasien über ein großes Potenzial für erneuerbare Energien und die Produktion von Wasserstoff verfügt. Sie hoben ferner die Bedeutung der bestehenden deutschen Unterstützung von Regionalprogrammen für die Energiewende hervor.

Sie nahmen die laufenden Vorbereitungen für die Schaffung einer regionalen Umwelt- und Klimapartnerschaft zwischen dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und den entsprechenden zentralasiatischen Einrichtungen würdigend zur Kenntnis. Ferner nahmen sie den wissensbasierten Dialog zwischen dem Bundesministerium für Umwelt und den entsprechenden zentralasiatischen Einrichtungen mit dem Ziel der Stärkung klimaresilienter Infrastruktur sowie die Durchführung einer Umweltleistungsprüfung für Zentralasien und die bevorstehende Pilotphase eines Regionalprojekts zur Nutzung privatwirtschaftlicher Investitionen für Energieeffizienz und Dekarbonisierung zur Kenntnis.

Der Bundesaußenminister begrüßte die laufenden innerstaatlichen Reformbemühungen zentralasiatischer Staaten im sozioökonomischen Bereich sowie auf dem Gebiet der demokratischen Teilhabe und bekräftigte Deutschlands Bereitschaft, diese Reformen zu unterstützen.

Die Minister betonten die Bedeutung von direkten Kontakten zwischen den Bürgerinnen und Bürgern ihrer Länder, was auch die Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft und Hochschulbildung, Sprach- und Kulturaustausch sowie Erforschung und Bewahrung des historischen und kulturellen Erbes einschließt. Sie hoben die Bedeutung des Austauschs auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen hervor, etwa zwischen Jugendlichen, Studierenden, Forschenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Kunstschaffenden. Sie wiesen darauf hin, dass wachsendes Interesse daran besteht, Studien- und Arbeitserfahrungen wechselseitig in Deutschland beziehungsweise den zentralasiatischen Ländern zu sammeln. Die Minister begrüßten darüber hinaus Initiativen zur Stärkung bestehender und Einrichtung neuer Städtepartnerschaften.

Die Minister wiesen auf die Absprache zwischen dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und den entsprechenden zentralasiatischen Einrichtungen zur Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Innovation im Rahmen des C5+1-Prozesses hin, die am Rande des Deutschen Hochschul- und Wissenschaftsforums Zentralasien im Februar 2026 in Halle unterzeichnet werden soll.

Die Minister bekräftigten ihr Bekenntnis zur Unterstützung des Deutschunterrichts, z. B. durch Programme des Goethe-Instituts und mehr als 50 PASCH-Schulen (Schulen: Partner der Zukunft). Insgesamt lernen mehr als 500.000 Menschen in der Region Deutsch. Ferner begrüßten sie Deutschlands Initiative zur Förderung der Teilnahme zentralasiatischer Diplomatinnen und Diplomaten an den vom Referat „Internationale Diplomatenausbildung“ der Akademie Auswärtiger Dienst des Auswärtigen Amts organisierten Seminaren.

Die Minister begrüßten die Überlegungen zu einem Austausch zwischen deutschen und zentralasiatischen Instituten für Politikforschung.

Die Minister begrüßten die Aktivitäten im Rahmen von Freiwilligendiensten für Jugendliche in Zentralasien und Deutschland, zum Beispiel das internationale kulturelle Freiwilligenprogramm „kulturweit“ und den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“, zum gegenseitigen Nutzen Deutschlands und Zentralasiens.

Mit Blick auf Migration und Mobilität bekundeten die Minister ihr Interesse an einer weiteren Prüfung von Möglichkeiten beiderseits nutzbringender Zusammenarbeit. Sie brachten ihre Unterstützung für die Fortsetzung des bilateralen Austauschs zur Bekämpfung illegaler Migration und zur Verbesserung der Zusammenarbeit bei Rückführungen zum Ausdruck. Die Minister erkannten die laufende und künftige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Zentralasien auf dem Gebiet der Migration an.

Darüber hinaus betonten die Minister die Notwendigkeit der Fortsetzung von Visaerleichterungen und wiesen dabei auf deren positiven Beitrag zur Stärkung der direkten Kontakte zwischen Unternehmen und zwischen den Bürgerinnen und Bürgern hin.

Die Minister der zentralasiatischen Staaten dankten dem Bundesaußenminister für die herzliche Gastfreundschaft und die ausgezeichneten Vorkehrungen, die für ihre Delegationen während des Aufenthalts getroffen wurden. Die Minister kamen überein, auf allen Ebenen weitere Kontakte zu fördern, und bekräftigen ihre Bereitschaft, ihren Dialog im Rahmen des C5+1-Prozesses fortzuführen und zu vertiefen.

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